USA-Reisetagebuch Teil IV: Monument Valley und Glen Canyon

Die vielleicht magischsten Orte in Amerika

„Monument Valley is the place where God put the West.“ Das sagte nicht irgendein Cowboy, sondern John Wayne. Der Schauspieler, der in ungefähr jedem amerikanischen Western die Hauptrolle zwischen 1930 und 1970 spielte, liebte das Monument Valley, ein Aussichtspunkt ist sogar nach ihm benannt, weil er dort gerne saß und den Ausblick über die Felsen genoss. Das Tsé Bii' Ndzisgaii, wie die Ureinwohner*innen des Navajo Stammes das Monument Valley nennen, liegt in den zwei Bundesstaaten Utah und Arizona.

Unser Roadtrip führte uns, nachdem wir schon tief beeindruckt vom Grand Canyon waren und uns gefragt hatten, was da eigentlich noch kommen solle, dass uns vom Hocker hauen würde, in diesen Teil Arizonas.

Das Monument Valley

Schon auf dem Weg dorthin wurde schnell klar: Der Grand Canyon hat uns nicht, wie befürchtet, verdorben, sondern Freiraum für weitere großartige Naturerlebnisse gelassen. So wurde das Monument Valley von Minute Eins an zu einem der Favoriten auf dem Roadtrip. Güterzüge, die durch die rote Wüste im Südweststaat fahren, unendliche Weiten, der Kontrast des Sandsteinrots mit dem blauen, wolkenlosen Himmel, die grünen Farbkleckse der Büsche und die beeindruckenden Tafelberge, die wie aus dem Nichts erhaben in der Wüste stehen. Natur kann so schön sein, dass sie einen zu Tränen rührt. Das konnte ich in dem Moment zum ersten Mal verstehen.

The View

Stark wurde dieser fast schon mystische Eindruck auch von unserer Unterkunft unterstützt. Denn zum ersten Mal schliefen wir auf unserer Reise nicht in einem Motel, dass vor allem auf das Übernachten ausgelegt ist, sondern in einem Hotel mit dem passenden Namen The View*. Das Besondere an dem Hotel ist nicht nur der Ausblick, wie der Titel verrät, sondern auch der Fakt, dass das Unternehmen von dem Navaja Volk betrieben wird, so wie das Monument Valley, welches somit nicht zu den klassischen Nationalparks in den USA gehört. Gemerkt hat man das an vielen Dingen: Wir mussten bei der Einfahrt trotz unseres Nationalpark-Passes Eintritt bezahlen, es gab viel weniger touristischen Merchandise, als an anderen Orten und man sah vorwiegend Einwohner*innen des Navajo Stammes, ob als Verkäufer*in im hoteleigenen Shop, der nur fair erworbene Produkte der Ureinwohner*innen verkauft, als Bedienung im Restaurant oder Fremdenführer*in in der Natur.

Das The View Hotel wird von Armanda Ortega betrieben, die zum Navajo Volk gehört. Ihr ist gelungen, viele Gegensätze miteinander zu vereinen: ein Hotel mit einem geschützten Naturreservat, moderne Architektur mit indianischen Traditionen und Flötentöne in der Hotellobby mit amerikanischer (Nicht-) Esskultur. Das schönste am Hotel ist, dreimal dürft ihr raten, der Ausblick. Von den Hotelzimmern aus sieht man auf die Tafelberge namens Sentinel Mesa, West Mitten Butte, East Mitten Butte und Merrick Butte, die auch im Western-Epos „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone oder auch bei „Easy Rider“ als Kulisse dienen.

Die drei Tage, die wir dort verbrachten, denn wir verlängerten sogar noch um einen Tag, weil uns das Tal mit seinen Bergen so in den Bann zog, verbrachten wir eigentlich nur mit einer Tätigkeit: Hinaussehen. Beim Frühstück auf unserem eigenen Balkon, in der Hotellobby, im Restaurant, draußen auf der Terrasse beim Arbeiten, im Auto, beim Spazieren, abends beim ersten Regen und Gewitter oder während des Sonnenuntergangs. Es mag verrückt klingen, aber in jedem Licht sehen die Berge anders aus, jedes Mal ändert sich die Stimmung komplett. Drei Tage, die wir noch nie so gerne nur innerhalb einer Location verbrachten und die sich im Nachhinein wie eine Woche lang in schönster Trance anfühlen. Die Playlist beschreibt es ziemlich gut:

Der Antelope Canyon

Nach dieser Auszeit im indianischen Navajo Paradies ging es zum einzig anderen Naturerlebnis, welches sich nicht in Form eines staatlichen Nationalparks befindet: dem Antelope Canyon ganz in der Nähe der Stadt Page. Bekannt geworden ist der Slot Canyon leider durch ein sehr trauriges Ereignis: hier ertranken 1997 elf Touristen während einer Tour durch einen plötzlich herannahenden Sturm. Irgendwie löst das auch in mir ein ganz komisches Gefühl aus, als wir beim Hinunterklettern über die Metallleitern den Canyon betreten. Die runden, perfekt geschliffenen Natursteinmauern, die man schon oft auf Social Media gesehen hat, sind nur in der Sonne rot leuchtende Felsen. Bei einem Sommersturm und Regen werden die verschlungenen, engen Gänge nämlich zu Todesfallen, aus dem es kein Entkommen gibt.

Doch das Navaja Volk hat aus dem Unfall gelernt. Heutzutage finden nur noch geführte Touren statt, alle paar Meter stehen oben an den Rändern der Schlucht Boxen mit Strickleitern, die Tourguides sind für den Notfall bestens geschult und der Wetterbericht wird alle paar Minuten gecheckt. Im Ernstfall kann der gesamte Canyon innerhalb von zehn Minuten evakuiert werden, so lange braucht es auch, bis das Wasser einem hüfttief steht. Mit diesem Wissen fühle ich mich auf jeden Fall schon viel sicherer.

Den Canyon verlassen wir trotzdem gestresst und durchgeschwitzt. Der Grund? Auf der einstündigen Tour sind mindestens hundert Foto-würdige Spots dabei, an jedem bleibt aber nur kurz Zeit, da die nächste Gruppe mit Tourguide einem dann auf die Pelle rückt. Die Fotos wirken also vielleicht ruhig, dahinter herrscht aber geschäftiges Treiben, das kann ich euch sagen. Was haltet ihr von einem Instagram vs. Reality Artikel?

Horseshoe Bend

Der Ort hat aber noch so viel mehr zu bieten als die beiden touristischen Canyons des Antelope Canyon. Gut, weniger touristisch wird es nicht, aber der Horseshoe Bend, der Ort, an dem der Colorado River sich ein hufeisenförmiges Flussbett in die Berge gegraben hat, zieht uns komplett in seinen Bann. So sehr, dass wir uns hier den Sonnenuntergang anschauen und am nächsten Morgen um 06:30 Uhr wiederkehren, um – weniger gestört von den Horden an Touristen und Fotografen – das Naturspektakel für uns zu haben. Mit einem Picknick starten wir, ganz alleine auf einem Felsvorsprung, in den Tag, dick eingepackt mit Mütze, Schal und zweifacher Hose. Aber es lohnt sich. Die ohnehin schon roten Berge leuchten im aufgehenden Sonnenlicht in strahlendem Rotpink, der Fluss wird von Dunkelblau zu leuchtendem Grün und die Wolken am Himmel verwandeln sich in Zuckerwatte.

Lake Powell

Eine Farbe, die wir außer am Himmel aber auf der gesamten Reise noch gar nicht gesehen haben: strahlendes Blau. Aber auch das hält Arizona für uns bereit. Abends geht es zum Lake Powell, einem künstlich geschaffenen Stausee aus den 1960er-Jahren, der aus dem Colorado River entstand. Es ist so seltsam, mitten in der Wüste auf einmal lauter Hausboote zu sehen, ein Resort am See zu besuchen und Männern beim Angeln zuzuschauen. Noch beeindruckender ist der Glen Canyon Dam, der dem berühmten Hoover Dam in Nichts nachsteht. Ganz im Gegenteil, er hat einen Vorteil: Er ist nicht voll von Touristen, bei Sonnenuntergang haben wir ihn sogar ganz für uns alleine. Verrückt, was Menschen bauen können. Dinge, die die Natur so beeinflussen, dass aus Flüssen Seen werden und Mauern, die so einem extremen Druck standhalten.

Sechs Tage sind wir insgesamt im Monument Valley und Glen Canyon unterwegs. So lange waren wir vorher an keinem Ort. Die Natur, die ich dort sehe, macht mich demütig. Und traurig. Wenn wir so weiter machen wie jetzt, wie lange werden wir das alles dann noch sehen können? Die Magie dieser Orte solle auf ewig währen.

*Die Übernachtungen im The View wurden uns freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt.

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