USA-Reisetagebuch Teil IV: Highway 1

Die schönste Straße der Welt

Die vier Tage in San Francisco waren schneller vorbei und fühlten sich, dank der zweieinhalb Tage, die wir aufgrund von Krankheit komplett im Hotelzimmer verbrachten, nicht wirklich genutzt an. Deswegen kehren wir bestimmt ganz bald wieder zurück in die Stadt, auch um Miranda und Joe, unsere Freunde dort, einmal ausgiebig zu besuchen. Den letzten Tag beendeten wir mit einem Frühstück bei Louis, sahen den Wellen und Surfern an der Küste zu und hofften, noch einmal einen Wal zu sehen.

Doch die Wehmut des Verlassens ließ sich mit dem Ausblick auf die Tage vor uns relativ gut unterdrücken. Drei Tage Highway 1, offiziell California State Route 1, von San Francisco nach Los Angeles. Für diese Straße hatten wir uns extra den Ausflug zum Lake Tahoe an der Grenze von Utah und Nevada verkniffen, um mehr Zeit an der Küste verbringen zu können. Eine gute Entscheidung.

Da wir den ersten der drei Tage Küstenfahrt noch gemütlich in San Francisco verbummelten, kamen wir innerhalb des ersten Tages nicht weit. In Santa Cruz, ca. eineinhalb Stunden von SF entfernt, machten wir unseren ersten Halt und blieben über Nacht. Doch bevor wir in die kleine Stadt einfuhren, parkten wir am Straßenrand des Highway 1, holten unsere Getränke und kletterten auf das Autodach unseres Jeeps, ein Ritual, das wir während unseres gesamten Roadtrips immer wieder wiederholt hatten – und dessen Momente mir immer im Gedächtnis bleiben werden. Den Sonnenuntergang an der Westküste draußen, dick eingemummelt in Outdoor-Jacke und Schal, mit Eistee in der Hand, zu erleben, gibt einem das Gefühl von Freiheit. Die Tage gehen schnell vorbei, man kann so viel erleben und jeder neue Tag bietet wieder andere Chancen. Verrückt, was man in so kurzer Zeit alles sehen kann, wenn man einen Urlaubstag mit einem „normalen“ Tag im Alltag vergleicht. Der Gedanke, dass ich in Berlin kostbare Zeit (vor dem Computer) verschwende, kam mir nicht nur einmal.

Wirklich viel sahen wir in Santa Cruz jedoch nicht, denn wir kamen in der Stadt, die in der nördlichen Monterey Bucht liegt, im Dunkeln an. Der Gesamteindruck war jedoch ziemlich ausgestorben und verschlafen. Die Strandpromenade, die voll mit Fahrgeschäften und Rummel war, war dunkel und nicht betrieben, es waren kaum Menschen auf der Straße. Das Motel war das erste, in dem wir uns gar nicht wohlfühlten, das WLAN schlecht, das Wasser nur lauwarm. Abgehakt und weiter.

Am nächsten Tag machten wir uns also voller Vorfreude auf das Meer wieder auf den Weg und hielten in einer kleinen Stadt, die wir von Freunden empfohlen bekamen: Carmel-by-the-Sea. Ein bisschen erinnerte mich das Städtchen an Rügen oder den Timmendorfer Strand. Eine Mischung aus Dorf, kleinen, charmanten Häusern, der Meeresbrise in der Luft, vielen ältern, unheimlich schicken Menschen und jeder Menge Luxusboutiquen. Die Häuser, die wir dort sahen, mit direktem Zugang zum Meer, machten mich zugegebenermaßen etwas neidisch. Wie schön muss es sein, Tag und Nacht und zu jeder Jahreszeit den Blick in die Weite zu haben und morgens noch vor dem Frühstück ins Wasser springen zu können. Wir frühstückten dort ausgiebig und weiter geht es an der Westküste entlang Richtung Los Angeles.

Wir fuhren den Highway entlang und auch, wenn man stundenlang nur im Auto sitzt, verfliegt die Zeit wie im Fluge. Die Strecke gehört zu den schönsten Straßen der Welt, hat man uns gesagt, und das scheint absolut zu stimmen. An den Klippen entlang mit dem Meer auf der einen Seite und Bergen auf der anderen – das Freiheits- und O.C. California-Gefühl könnte nicht größer sein.

Eine besonders Highlight waren dabei die McWay Falls, die im Julia Pfeiffer Burns State Park liegen. Ein Wasserfall, der sich direkt in den Ozean ergießt, das ist ein so besonderer und wunderschöner Anblick, den ich nie nie nie vergessen werde und will.

Der nächste Halt war die Bixby Creek Bridge, eine der berühmtesten Brücken auf der Strecke. Sie wurde 1932 in Big Sur, Kalifornien, eröffnet und ist im Art-déco-Stil gebaut. Ziemlich touristisch, dafür bietet die Felschlucht an der Brücke eine spekatkuläre Aussicht auf das Meer – und zwang mich einmal mehr dazu, meine Höhenangst zu überwinden. Ein Punkt für mich, null für meine Ängste.

Generell ist die Gegend um Big Sur, ein Küstenstreifen der genau zwischen San Simeon und Carmel liegt, so toll, dass ich mir dort noch einmal einen einzelnen Urlaub vorstellen kann. Es ist warm, kalifornisch und doch irgendwie hanseatisch. Eine komische Mischung, die das Gefühl dort aber einzigartig macht. Falls ihr ein paar Euro übrig habt, empfehle ich euch ein bis zwei Nächte im Ventana Big Sur, einem Luxusresort in der Gegend, das Glamping, Weinverkostungen und ein wunderschönes Spa anbietet. Unser Budget war nach drei Wochen aber so aufgebraucht, dass wir uns stattdessen für das Alamo Motel in Los Alamos entschieden.

In so einem schönen Motel hatten wir die ganze Reise nicht geschlafen. Es gab weder Luxus noch besonderen Komfort, aber alle Räume waren schön und schlicht durchdacht und bei der Rezeption gab es einen kleinen, aber sehr feinen Concept Store, der lokale Brands supportet. Am nächsten Tag machten wir uns früh auf und fuhren mit dem Auto ins nahegelegene Santa Barbara fürs Frühstück. Einen Spaziergang auf dem Pier und an der Promenade entlang, legten wir noch einen Stop in Ojai ein, einer Kleinstadt etwas weiter weg vom Meer und machten uns dann auf den Weg zu dem Ort, wo unsere Reise begonnen hatte: Los Angeles

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