USA-Reisetagebuch Teil VIII: San Francisco

Zwar ohne Blumen im Haar, dafür mit einer großen To-do-Liste in der Stadt der roten Brücke

Auch eine einmonatige Reise hat man manchmal ihre Tiefpunkte. Nicht jeden Tag fühlt man sich danach, die Welt zu entdecken. Immer stundenlang im Auto zu sitzen, nein, manchmal möchte man auch einfach im Bett liegen bleiben, den ganzen Tag netflixen, ausschlafen und sich einfach erholen. Nach drei Wochen war der Punkt bei uns beiden erreicht. Drei Wochen, in denen wir über 4000 Kilometer zurückgelegt hatten und – bis auf einen regnerischen Tag im Monument Valley – nie einfach mal nichts taten. Bei Lukas, meinem Freund, machte sich das erstmals durch eine dicke Erkältung bemerkbar, bei mir eine Woche später in San Francisco mit einer fetten Blasenentzündung.

Und obwohl ich kaum einen schlimmeren Schmerz kenne und das Gefühl wie die Pest hasse, kam die Krankheit als Ausrede mehr als gelegen. Zwei Tage lagen wir nur im Hotelbett, schauten „Bodyguard“ auf Netflix durch, verließen das Zimmer nur um Essen zu kaufen und um zur Apotheke zu tigern.

Zwei Tage und drei Nächte im Hotel eingesperrt zu sein wäre für viele ein Albtraum gewesen, aber wir hatten Glück und genau die richtige Unterkunft dafür ausgesucht. Das Hotel G ist ein Boutique- und Designhotel, das es an diesem Standort in San Francisco, nämlich direkt in der Nähe des berühmten Union Square, schon seit 1909 gibt. Damals hieß es The Fielding Hotel und war eines der ersten großen Luxushotels in der Stadt. 2014 wurde es aufgekauft und zu Hotel G. Damit einhergingen Renovierungen, die dem Hotel seinen skandinavischen Flair verliehen, den es jetzt hat. Kurz gesagt, ich fühlte mich im minimalistischen Design mehr als wohl, Daumen hoch!

Da nur drei Tage San Francisco geplant waren, aber meine Blasenentzündung uns einen dicken Strich durch die Rechnung machte, verlängerten wir noch einmal um einen Tag und fingen am dritten Tag an, die Stadt noch etwas geschwächt zu erkunden. Ein Ritual, das wir auf jeder Reise in eine neue Stadt haben, ist das Fahren mit den Sightseeing Bussen. Ihr denkt jetzt vielleicht: „Nicht euer Ernst!“, aber es ist das Beste, was man tun kann, wenn man sich in einer Großstadt noch nicht auskennt und sich einen Überblick verschaffen möchte. Wir machen uns einfach Notizen oder setzen gleich während der Fahrt Stecknadeln in Google Maps an Orten, die wir uns gerne noch genauer anschauen wollen. Währenddessen gab es Frühstück und warmen Tee, auf die Ohren gab es dank der Kopfhörer noch ein paar geschichtliche Infos zu Gebäuden und der Stadt.

Gratis in jedem Ticket ist dafür auch die Fahrt über die berühmte Golden Gate Bridge enthalten, vom Lime Point aus kann man dann auch – umringt von Touri-Scharen – ein typisches San-Francisco-Foto machen. Wer Zeit und Lust hat, schaut sich Sausalito an, auch von diesem kleinen idyllischen Städtchen hat meine eine tolle Aussicht auf die Brücke und die Skyline und kann mit der Fähre zurück in die Stadt fahren.

Auch wenn dies eher zu den touristischen Hobbys gehört, die Fahrt mit den Cable Cars kann man sich auf keinen Fall nehmen lassen, schließlich sind sie das fahrende Wahrzeichen von San Francisco. Die Kabelbahnstrecken wurden schon 1877 in Betrieb genommen, heute werden leider nur noch drei Strecken betrieben.

Den Abend verbrachten wir an der Fisherman's Wharf und als Seafood-Lover war ich im siebten Himmel. Crab Roll, Shrimps, Hummer und Languste – alle Tiere des Meeres kann man hier auf wenigen Metern Promenade am Pier 39 verspeisen und dabei Meeresluft schnuppern. Außerdem kann man abends im örtlichen Segel- und Badeclub den Schwimmern zuschauen, wie sie ihre Bahnen im kalten Pazifik ziehen.

Den gesamten Samstag verbrachten wir im Mission District, ein Viertel, das ich euch sehr empfehlen kann. Ich würde das nächste Mal noch gezielter nach einem Hotel oder einem Airbnb dort schauen, leider waren sie alle ausgebucht oder viel zu teuer. In diesem Stadtviertel ist die Kunst- und Musikszene mehr als präsent, die mexikanischen Einwanderer prägen die Kulinarik, weswegen es dort hervorragende Restaurants gibt. Auch verrückt: Im Mission District ist es immer ein paar Grad wärmer als im Rest der Stadt, denn die Lage schützt vor dem Nebel und Wind des Pazifiks.

Must-Dos

Die Painted Ladies

Die Painted Ladies sind vor allem aus der Serie „Full House“ bekannt, denn dort werden sie im Vorspann als das Wohnhaus der Familie gezeigt – natürlich wurde dort aber nicht gedreht. Die fünf viktorianischen Häuser in bunten Pastellfarben wurden im 19. Jahrhundert erbaut. 1906 erschütterte San Francisco ein gewaltiges Erdbeben, bei dem die meisten dieser wunderschönen Bauten zerstört wurden – die Painted Ladies am Alamo Square hielten aber Stand.

Steiner St & Hayes St, San Francisco

Everlane

Zugegeben, ich hatte vor meiner Reise nach San Francisco noch nie von dem Unisex-Label Everlane gehört. Doch als wir an dem Shop in der Valencia Street vorbeikamen, weckte das minimalistische Design und vor allem das rege Treiben in dem Laden sofort meine Aufmerksamkeit. Everlane ist ein amerikanisches Label für hochwertige Basics, die fair (!) produziert werden – und trotzdem viel günstiger sind, als so manch andere „unfaire“ Marke da draußen. Auf ihrer Website erklären sie auf den Cent genau, wie sich ihre Preise für einzelne Produkte zusammensetzen, wo und von wem sie ihre Kleidungsstücke fertigen lassen und ihre Materialien beziehen. Das nenne ich mal vorbildliche Transparenz und bin nachhaltig begeistert. Hier werde ich sicher noch öfter einkaufen.

461 Valencia Street, San Francisco

Little Gem

Das Restaurant Little Gem liegt in der Nähe des Opera Plazas in San Francisco und damit in einem sehr regen Restaurant- und Shoppingviertel der Stadt. Ohne Reservierung hat man hier nur mit sehr viel Glück eine Chance, probieren sollte man es aber trotzdem auf jeden Fall. Hier wird Healthy Eating groß geschrieben, die gesamte Speisekarte ist von Haus aus laktose- und glutenfrei – für mich der absolute Himmel. Zusätzlich arbeiten die beiden Gründer Dave Cruz und Eric Lilavois eng mit Bauern in der Umgebung zusammen und achten auf Saisonalität und Herkunft ihrer Speisen.

400 Grove Street, San Francisco

Pinecrest Diner

Diner ist nicht gleich Diner, das habe ich auf der Reise gemerkt. Denn nur, weil der Stapel Pancakes in manchen Restaurants dem Mount Everest gleicht, heißt das noch lange nicht, dass diese besonders gut schmecken. Das Pinecrest Diner liegt gleich gegenüber von unserem Hotel G, also war es unsere erste Wahl in Sachen Frühstück. Und wir wurden nicht enttäuscht, die lange Schlange am Wochenende steht hier nicht ohne Grund. Hier gibt es klassisches amerikanisches Frühstück in bester Qualität.

401 Geary Street, San Francisco

Lisa Says Gah

Alle Modebegeisterten unter euch werden jetzt erleichtert aufseutzen, natürlich gibt es keinen San Francisco Guide ohne den Concept Store. Bei Lisa Says Gah findet man die schönsten und coolsten Independent Designer, traumhafte Schuhe und Handtaschen von zum Beispiel LOQ, Paloma Wool, Maryam Nassir Zadeh und Wolf Circus. Vorrangig ist die Marke jedoch ein Onlineshop, tut euch also keinen Zwang an, aber in San Francisco kann man sich einen Termin ausmachen und im Offline Store vorbeischauen. Das geht ganz einfach online!

Louis

Etwas weiter draußen gelegen befindet sich das Louis Restaurant. Das Diner ist seit über 80 Jahren in den Händen der gleichen Familie und das bestätigt sich auch im Flair. Im kartenlastigen Amerika kann man hier nur bar bezahlen, es gibt alle amerikanischen Frühstücksklassiker auf der Karte – aka ihr werdet das Lokal sehr satt verlassen – und ihr werdet mit dem schönsten Ausblick auf das Meer belohnt. Ich hätte hier noch stundenlang sitzen und die Wellen und Surfer beobachten können.

902 Point Lobos Ave, San Francisco

Hier gibt's Californication für die Ohren:

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