USA-Reisetagebuch Teil X: Zurück in Los Angeles

Ein Monat USA-Roadtrip nimmt sein Ende

Viel zu schnell waren die drei Tage auf dem Highway 1 von San Francisco nach Los Angeles vorbei. Drei Tage, die wir gefühlt zwar nur im Auto verbrachten, dafür aber auch direkt am Meer, immer den Horizont im Blick und das Auf und Ab der Serpentinen im Herzen (und im Magen). Zwei Wochen waren wir nur in der Natur gewesen, hatten einen Nationalpark nach dem anderen besucht, Rentiere gesehen, Bären gefürchtet, gefroren, geschwitzt und vor allem die Ruhe und Zweisamkeit genossen.

Das alles sollte jetzt sein Ende finden, obwohl der Urlaub noch nicht zu Ende war. Eine Woche Los Angeles lag vor uns.

Eine Woche mit fester Unterkunft, ausgepackten Koffern, der Möglichkeit selbst zu kochen, auszuschlafen, weil kein Check-out bevorsteht, das Auto einen Tag lang nicht zu benutzen, in Ruhe zu arbeiten und vor allem zur Ruhe zu kommen – mental. Das alles wollten wir in sieben Tagen Los Angeles machen beziehungsweise nicht machen. Na ja, es klappte mehr oder weniger gut.

Denn wenn man eine Woche in einer so aufregenden Stadt hat, in der man vorher noch nie war und auch nicht weiß, wann man sie je wieder sieht, ist die FOMO (Fear Of Missing Out) doch relativ groß – jedenfalls war sie das bei mir. Und so kam es, dass mein Freund die Tage gerne am Strand verbrachte, während ich die Stadt unsicher machte.

Gut für ihn, dass unsere Airbnb Unterkunft direkt am Strand in Venice lag, so nah, dass wir abends bei geschlossenen Fenstern und Türen das Rauschen der Wellen hören konnten. Doch während die ersten Tage in Echo Park mein Herz höher schlagen ließen, löste Venice das nicht bei mir aus. Versteht mich nicht falsch, ich mag den Stadtteil auch, aber die Strandpromenade erinnert mich zu sehr an den Ballermann, die Lager der Obdachlosen verstören und nehmen dem Strand so einiges an Atmosphäre, es gab an der gesamten Promenade nicht ein nettes Café oder Restaurant. Weiter innen in der Stadt, in der Nähe der berühmten Abbot Kinney Road, die mir sehr gut gefiel, sieht es dagegen schon anders aus. Hippe Restaurants und Cafés gibt es hier zur Genüge, kleine Boutiquen haben eine tolle individuelle Auswahl, hier kann man sich gut und gerne einen ganzen Tag aufhalten.

Nur ein paar Straßen weiter befindet sich einer der schönsten – und surrealsten – Orte in einer Großstadt, den ich je gesehen habe. Der Venice Canal Historic District war schon Schauplatz vieler Serien und Filme: Hank Moody spaziert hier mit Tochter Becca in „Californication“, „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock, „American Pie“ und viele mehr wurden dort gedreht. Während des Sonnenuntergangs ist das Licht dort magisch, die Sonne scheint tief zwischen den kleinen Häuschen durch und lässt die Palmen auf dem dunkelblauen Wasser spiegeln. Zu gerne würde ich hier leben, mit diesem Ausblick wilde Geschichten in mein Laptop tippen und abends die Nachbarn auf ein Barbecue besuchen.

Die Tage vergingen viel zu schnell, wir fuhren an den Santa Monica Pier und sahen Touristen dabei zu, wie sie sich das Essen von den Möwen klauen ließen, spazierten durch die ein oder andere Mall, lagen am Strand, fuhren mit kleinen Elektorollern durch die Stadt, ich tippte wie wild Artikel in jeder freien Minute, entdeckte meine Liebe zu Cinnamon-Raisin-Bagels (wo kriegt man die in Berlin, Hilfe!) und tingelte durch die schönsten Läden der Stadt. Und die enthalte ich euch natürlich auf keinen Fall vor:

Shopping

General Store

Der General Store gehört mittlerweile zu den festen Größen in Sachen Shopping in L.A. Gegründet wurde der erste Shop 2009, seitdem hat sich viel getan. Der Begriff General Store kommt übrigens von Kleinstädten, die Läden hatten, die alles anbieten mussten: Kleidung, Essen, Werkzeug und alles, was man zum Leben braucht. In die heutige Zeit übersetzt wäre es also ein Concept Store. Und genau das ist der General Store. Dort kann man alles kaufen, was lokal gefertigt wird. Kinderspielzeug, Kleidung (ob neu oder vintage), Schuhe, Keramik, Schmuck und Bücher – und das alles in dem schönsten Ambiente.

1801 Lincoln Blvd, Venice, CA 90291, USA

Christy Dawn

Christy Dawn war schon lange vor der Reise eine meiner großen Lieben auf Instagram. Das Label, das benannt nach seiner Gründerin ist, ist vor allem für seine wunderschönen Maxi- und Midikleider, die Vintage inspiriert sind, bekannt. Wichtig war Christy dabei auch der Herstellungsprozess, genauso wie die Designs, die sie selbst erstellt. Jedes Kleid wird dabei aus Deadstock gefertigt, das heißt aus Material, das von anderen Firmen übrig bleibt und sonst weggeschmissen werden würde. Sie bezahlt ihre Näherinnen, die in Los Angeles sitzen, fair und achtet auch bei Verpackungen auf Umweltfreundlichkeit. Also gleich mehrere gute Gründe, um bei dem tollen Brand zu bestellen.

1930 Lincoln Blvd, Venice, CA 90291, USA

LCD

LCD ist ein klitzekleiner Conceptstore in der Abbot Kinney Road. Die Mischung macht diesen Store so besonders, denn dort gibt es so viele verschiedene Independent Labels, um nur einige zu nennen: Alyx, Charlotte Chesnais, Creatures of Comfort, Loq, Maryam Nassir Zadeh, Nanushka, RE/Done, Rejina Pyo und Simon Miller. Ich habe dort auch zugeschlagen, aber nicht bei einem von den Labels, sondern bei der tollen Vintage Selektion des Shops. Ihr wisst es ja wahrscheinlich selbst, die Suche nach der perfekten Vintage Jeans ist wie ein Sechser im Lotto. Und ich ziehe dort mit keiner großen Erwartung eine an und sie sitzt wie eine Eins! Vielleicht sollte ich also schnell zum Kiosk und mein Glück versuchen ...

1121 Abbot Kinney Blvd #2, Venice, CA 90291, USA

Burro

Burro ist ein Concept Store wie er im Buche steht. Ob Postkarten, Bücher, Duftkerzen, Weihnachtsdeko, Handtücher, Schmuck oder Kleidung – Burro hat wirklich alles. Sogar einen dazugehörigen Kids Store nebenan – dessen Preise es allerdings wirklich in sich haben. Hier kann man jedenfalls Stunden verbringen und sich durch die schönsten Bücher blättern, an 1000 verschiedenen Duftkerzen schnuppern oder tolle fair gefertigte Mode shoppen. Perfekt zum Geschenke mitbringen!

1409 Abbot Kinney Blvd, Venice, CA 90291, USA

The Piece Collective

Wer mit den Mädels vom Piece Collective ins Plaudern kommt, der verlässt den Laden so schnell nicht mehr – zum Bedauern anwesender Boyfriends. Drinnen findet man eine wundertolle Mischung aus Labels aus Los Angeles und Paris und gerade dieser Mix macht den Laden so besonders. Barneys und Macys stellt das Piece Collective mit seiner Anzahl an RE/Done Jeans übrigens ziemlich locker in den Schatten, wenn ihr auf der Suche seid, schaut also unbedingt hier vorbei.

1629 Abbot Kinney Blvd, Venice, CA 90291, USA

Platform

Platform ist kein Laden, nein, es ist eine Mall. Jetzt nicht gleich wegklicken, denn ein so tolles, sympathisches Einkaufszentrum habt ihr mit Sicherheit noch nie vorher gesehen. Der Block, in dem auch viele Büros von Start-ups sind und daher immer ein reges Treiben herrscht, liegt mitten in Culver City, also genau in der Mitte zwischen Venice und Hollywood. Ein Ausflug in das Niemandsland lohnt sich aber wirklich schon alleine wegen Platform. Dort gibt es tolle Restaurants und Concept Stores, sowie kleine Brands aus L.A. Janessa Leone hat dort ihren einzigen Hutladen, bei Bird kann man von Ulla Johnson bis Grlfrnd Denim alles kaufen, es gibt einen kleinen Shop von Reformation, Tom Dixon hat einen eigenen Store und bei Aquelarre findet man von By Far bis zu Wolf Circus alle hippen Marken. Eine schnelle Mani- und Pediküre gibt es dort auch und übrigens, die Mall ist unter freiem Himmel. Schnell hin!

8850 Washington Blvd, Culver City, CA 90232, USA

Food

Rose Café

Das Rose Café ist einer der hippsten Spots in der Rose Avenue. Das ganze Restaurant ist in zwei Teile geteilt, in einem kann man leger sitzen, frühstücken, lunchen und am Laptop arbeiten, im anderen Teil ist ein eleganteres Restaurant untergebracht. Das Essen ist gut, aber auch ganz schön pricey, dafür hat mich vor allem die Getränkekarte mehr als überzeugt. Tea Latte, ja bitte! Wann kommt dieser Drink Trend denn endlich nach Berlin, ihr Cafébesitzer?

220 Rose Ave, Venice, CA 90291, USA

Gjelina

Lange Rede, kurzer Sinn. Da marschieren wir unwissentlich ins Gjelina hinein und landen doch tatsächlich in einem der hippsten Läden in der Abbot Kinney Road. Das Restaurant mit sehr moderner italienischer Karte gehört zum Gjusta, einem angesagten Frühstücksladen ein paar Straßen weiter. Wir haben den leckersten Salat mit Croutons gegessen, dazu eine Pizza mit Fenchelsalami. Himmlischer hätte es nach drei Wochen Burger und Fritten nicht sein können. Abends unbedingt reservieren!

1429 Abbot Kinney Blvd, Venice, CA 90291, USA

The Tasting Kitchen

Das The Tasting Kitchen ist definitiv nichts für jeden Abend, obwohl ich mir wünschen würde, jeden Abend so zu speisen. Das Restaurant mit Indoor-Baum (richtig gelesen!), ist für sein fixes Menü bekannt, das die Köche individuell zusammenstellen. Knappe 100 Euro kostet das pro Person, aber für einen besonderen Anlass kann man das schon mal machen. Wir haben ganz normal von der Karte bestellt und sind nachher mit zwei Foodbabys und offenen Hosen nach Hause spaziert. Gutes Zeichen? Ich denke schon!

1633 Abbot Kinney Blvd, Venice, CA 90291, USA

Bluestone Lane Surf Lifesaving Club

Drei Wochen lang haben wir sehr viele Burger verspeist. Keiner davon konnte uns wirklich umhauen. Bis wir in Los Angeles im Bluestone Lane Surf Livesaving Club essen waren. Es war eine spontane Entscheidung, weil wir den Laden beim Vorbeifahren so nett fanden. Anscheinend hatten wir da einen guten Riecher, denn die Bowls, Burger und Salate waren sehr gut – ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass das der beste Burger war, den wir auf der ganzen Reise verspeist haben. Ganz ganz große Empfehlung!

523 Rose Ave, Venice, CA 90291, USA

Butcher's Daughter

Butcher's Daughter ist ein echter Klassiker für alle L.A.- und New York-Reisenden. Das vegetarische Restaurant serviert nicht nur leckere Speisen (besonders Lunch und Frühstück sind sehr zu empfehlen), sondern sieht auch selbst wunderschön aus. Überall stehen Pflanzen, der Duft von Gemüse liegt dank der frischgepressten Säften in der Luft und die meisten Speisen sind zusätzlich auch noch glutenfrei und vegan. Positiv: Das habe ich bei dem Besuch gar nicht so extrem wahrgenommen. Am besten geht ihr unter der Woche hin, dann habt ihr auch ohne Reservierung eine Chance.

1205 Abbot Kinney Blvd, Venice, CA 90291, USA

Melrose Trading Post

Den letzten Tipp könnt ihr sowohl bei Food als auch bei Shopping einordnen. Der Melrose Trading Post ist einer der bekanntesten Flohmärkte der Stadt und dementsprechend voll und beliebt. Ihr müsst fünf Dollar Eintritt pro Person bezahlen und auf jeden Fall Bargeld dabei haben – sehr unamerikanisch. Jeden Sonntag findet der Markt auf dem Gelände der Fairfax High School statt, dort gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt. Wenn ihr kein Problem habt, euch in der Öffentlichkeit umzuziehen, dann könnt ihr großartige Levi's Vintage Jeans ab zehn Dollar finden. Ansonsten gibt es Live Musik und jede Menge Food Trucks. Klingt nach einem ziemlich perfekten Sonntag, oder?

7850 Melrose Ave, Los Angeles, CA 90046, USA

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