8 True-Crime-Serien auf Netflix, die euch noch lange nach dem Sehen begleiten

Was ist noch aufregender als Crime? Echter Crime!

Was ist noch spannender und noch nervenaufreibender als der beste Krimi? True Crime! Das Genre erlebt dank Netflix schon seit geraumer Zeit einen regelrechten Boom – tatsächlich findet True Crime aber nicht nur auf von Millennials finanzierten Streaming-Diensten statt. In Podcasts und Romanen, auf Theaterbühnen und in Dokumentationen erhalten wir seit Jahrzehnten tiefe Einblicke in menschliche Abgründe. Ich kann nicht aufzählen wie oft ich morgens verpennt habe, weil ich auf Kabel Eins wieder einen Medical Detectives Marathon hingelegt habe. Die Bücher von Michael Tsokos oder Ferdinand von Schirach habe ich verschlungen. Ebenso die Gerichtsreportagen von Gisela Friedrichsen und Julia Jüttner im Spiegel. Ich bin so eine, die im Bahnhofskiosk Stern Crime kauft und zum Einschlafen den Zeit Verbrechen Podcast hört. An mir ist selbstredend auch eine ausgezeichnete Mordermittlerin und Rechtsmedizinerin verloren gegangen.

Was soll ich sagen? Ich brenne einfach für wahre Kriminalgeschichten. Und der Hype beweist, dass ich mit dieser Leidenschaft nicht alleine bin. Fast monatlich spuckt alleine Netflix zahlreiche Kriminalserien aus, die auf wahren Begebenheiten beruhen und nicht nur einmal Fällen nach Jahrzehnten eine neue Dynamik und Aufmerksamkeit beschert haben.

Damit ihr im Dickicht des Streaming-Angebots von Netflix nicht verzweifelt, habe ich für euch eine Liste meiner liebsten True-Crime-Serien zusammen geschrieben und hatte dabei hoffentlich genau so viel Spaß, wie ihr bei Lesen und Entdecken haben werdet. Seid bereit für echte Fälle mit Binge-Faktor, die uns abwechselnd wütend, ungläubig, erschrocken, überrascht und traurig zurücklassen – und fühlt euch unbedingt ermutigt, den Artikel in den Kommentaren zu komplettieren!

The Innocent Man

Würdet ihr jemals ein Verbrechen zugeben, noch dazu einen Mord, wenn ihr es nicht begangen habt? Tatsächlich ist nicht immer alles so einfach und eindeutig, wie wir denken und Erinnerungen und Gedanken können manipuliert werden. Und Unschuldige werden ganz schnell zu Schuldigen.

Basierend auf dem gleichnamigen Sachbuch von John Grisham, handelt die True Crime Dokumentation A Innocent Man von den grausamen Morden an zwei jungen Frauen in der amerikanischen Kleinstadt Ada, für die je zwei unschuldige Männer verurteilt werden. Gleich zu Beginn der Dokumentation werden wir, die Zuschauer*innen, zur Jury. Wir sehen die sogenannten Confession Tapes, in denen die vier Männer mit unerträglicher Gleichgültigkeit und monotonen Stimmen die grausamen Verbrechen nachzeichnen, die sie begangen haben. Der Gedanke zwingt sich auf, dass es gut ist, dass diese gefährlichen Menschen sicher hinter Gittern sitzen. Bis die Handlung sich um 180 Grad dreht und wir am Ende vor dem Bildschirm sitzen, mitfiebernd und hoffend, dass diesen armen Herren doch Gerechtigkeit widerfahren möge.

Zugegeben, das Rezept ist altbekannt, die Umsetzung und Fälle haben mich jedoch jeden Abend vor meinen Mac gezogen.

Shadow of Truth

Eine Kleinstadt nahe den Golanhöhen im Norden Israels 2006. Ein 13-jähriges Mädchen, brutal ermordet in einer der Schultoiletten. Eltern, die an dieser Tragödie verzweifeln und ein Polizeiapparat, der mit einer schnellen Aufklärung des schrecklichen Mordes glänzen will und dabei vor Manipulation und Machtspielen nicht zurückschreckt. Kommt euch bekannt vor? Tatsächlich wird Shadow Of Truth auch als die israelische Version von Making A Murderer bezeichnet.

Der Mord an der jungen Tair aus Katzrin wird in Shadow Of Truth sehr kleinteilig und investigativ untersucht und nachdem man sich durch alle Folgen gesuchtet hat steht eines fest: hier wurde ein unschuldiger Mann von einer korrupten Polizei ins Verderben gestürzt und in den Straßen von Katzrin läuft ein sehr, sehr gefährlicher und kranker Mensch frei herum. Spannender und aufregender geht es nicht.

Making a Murderer

Ein Fall, der Popkultur geworden ist. Über zehn Jahre begleiteten die Macher von Making A Murderer Steven Avery. Einen Mann, der 18 Jahre lang unschuldig im Gefängnis saß, bevor ein DNA-Test 2003 seine Unschuld beweist und er freigelassen wird. Nachdem er die Verantwortlichen seines Falles zwei Jahre später auf 32 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt, beginnt der Albtraum erneut. Avery wird wegen des Mordes und der Vergewaltigung an Theresa Halbach für schuldig befunden und 2005 verurteilt – obwohl ihre Leiche nie gefunden wurde.

Erzwungene Aussagen, korrupte Polizisten und Staatsanwälte und die Frage, wie viel Wert Menschen sind, die sozial und intellektuell schlechter gestellt sind, kommen bei Making A Murderer auf so eindrucksvolle Weise zusammen, dass mich diese Serie wirklich noch lange beschäftigt und unheimlich wütend gemacht hat.

Steven Avery und sein Neffe Brendan Daasey, auf dessen erzwungene Aussage der komplette Mord fußt, sitzen übrigens noch immer im Gefängnis.

The Keepers

Ich muss gestehen, dass ich The Keepers bisher nicht zu Ende schauen konnte, weil es mich so erschüttert und wütend gemacht hat, was da in Baltimore Ende der Sechzigerjahre vorgefallen ist und weil der Fall für mich einfach sinnbildlich für die patriarchalischen und vergorenen, verlogenen Strukturen innerhalb der katholischen Kirche steht.

Die Handlung rollt sich auf nach dem Mord an der Nonne Cathy Cesnik im Jahre 1969. Ihr Mörder wird nie gefunden. 1990 wird der Fall wieder aufgerollt, als eine ehemalige Schülerin von Cesnik von sexuellem Missbrauch, auch durch den Kaplan der katholischen Gemeinde von Baltimore berichtet und mutmaßt, dass Cesnik ermordet wurde, da sie von diesen Verbrechen erfuhr und sie an die Öffentlichkeit bringen wollte.

Es spannt sich ein dichtes Netz aus Missbrauch, Lügen, Unterdrückung und Mord.

Out Of Thin Air

Können unsere eigenen Erinnerung uns belügen? Ist es wahr, dass wir uns an Situationen erinnern können, bis ins kleinste Detail, in denen wir uns jedoch nie befunden haben? Die Dokumentation Out Of Thin Air kreist um genau dieses Thema. Zwei Männer verschwinden im idyllischen Island Mitte der Siebzigerjahre. Es gibt weder Zeugen, noch Hinweise auf ein Verbrechen oder gar Leichen. Dennoch ist das Interesse der Öffentlichkeit und Medien sowie der Druck seitens der Politik so groß, dass die Polizei schnell Schuldige finden muss.

Sechs Jugendliche werden schließlich verhaftet und mit fragwürdigen und menschenrechtsverletzenden Methoden zum Sprechen gebracht – glauben sie am Ende selbst, dass sie etwas mit dem Verschwinden der beiden Männer zu tun haben? Unglaubliche Geschichten, schmerzhafte Erlebnisse und alles eingerahmt von der kalten und klaren Schönheit Islands.

Strong Island

Bestimmt unsere Hautfarbe, wie gleichberechtigt wir behandelt werden und wie viel Gerechtigkeit uns widerfährt? Die Antwort lautet ganz eindeutig ja. Ganz besonders präsent ist dieser strukturelle Rassismus in Nordamerika. Der oscarnominierte und ausgezeichnete Dokumentarfilm Strong Island greift ein schlimmes Verbrechen auf, wie es so oder so ähnlich schon viele Male zuvor passiert ist und noch immer passiert. Der junge Schwarze William Ford Jr. wird am helllichten Tage nach einer Auseinandersetzung mit dem Weißen Mark Reilly, von selbigem erschossen.

Was dann folgt, ist ein endloser Kampf um Anerkennung, Respekt und Würde für Fords Familie. Der Mörder von Ford Jr. wird im Gerichtsverfahren schließlich von einer ausschließlich aus Weißen bestehenden Jury freigesprochen und die Familie Ford zerbricht daran.

Evil Genius

Diese Geschichte könnte auch ein Drehbuch des Regisserus David Fincher sein. Doch die Ereignisse, die in der True-Crime-Serie Evil Genius nachgezeichnet werden, sind exakt so passiert.

Am 28. August betritt der Pizzalieferant Brian Wells aus Erie, Pennsylvania eine Filiale der PNC Bank. Um den Hals eine Art Metallkragen, in der Hand eine Anweisung an das Bankpersonal, das Wells 250.000 Dollar in bar aushändigen soll. Andernfalls würde der Kragen, der in Wirklichkeit eine Bombe ist, explodieren. Die gerufene Polizei stellt Wells. Dieser bittet um Hilfe, da die Bombe um seinen Hals nach Ablauf einer Frist detonieren wird.

Eine unglaubliche Geschichte, die zeigt, wie skrupellos Menschen werden können, sobald es um Geld geht.

Amanda Knox

Ich glaube es gibt wenige Fälle, die die Medien auch in Deutschland so sehr beschäftigt haben, wie der von Amanda Knox, dem Engel mit den Eisaugen (hach ja, die Gazetten ...). In meiner Erinnerung waren die Zeitung voll von Mutmaßungen, alle um mich herum hatten damals, 2007, eine Theorie zum Tatablauf des Mordes an der Britin Meredith Kercher.

Die 21-jährige Austauschstudentin wurde 2007 im italienischen Perugia in ihrer WG brutal ermordet, wobei in den internationalen Medien bald von satanischen Ritualen und Sexpartys die Rede war. Amanda Knox und ihr damaliger Freund Raffaele Sollecito wurden 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, zwei Jahre später jedoch freigesprochen.

Hat sie es getan? Hat die Polizei geschlampt? Wer ist Diya Lumumba und sitzen nun die Schuldigen hinter Gittern? Oder laufen sie frei herum? Meine Meinung ist nach dem Sehen der Dokumentation für mich klar, wie sieht es bei euch aus?

Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

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