Die Beige Notes im März

Wir haben unsere Beige Notes für 2019 einem Makeover unterzogen

Leute, es ist so viel los in der Welt! Ich rede jetzt nicht nur von politischen Irrungen, Wirrungen und Aufregern, sondern auch von all dem Input, der uns in Echtzeit per Feed und Push-Mitteilungen erreicht. Geschichten, die zum Nachdenken anregen. Artikel, die uns plötzlich Tatsachen hinterfragen lassen, über die wir uns bisher gar keine Gedanken gemacht haben. Es müssen dabei nicht die Big Stories sein, die uns noch mehrere Tage begleiten. Es kann ein Artikel sein, der uns so sehr zum Lachen bringt, dass uns das Frühstück aus der Nase fliegt oder eine kleine Randnotiz, die es mit nur vier Worten schafft, uns in unseren Grundfesten zu erschüttern.

In den Beige News und unseren themenbezogenen Shopping-Artikeln findet hier der Konsum zur Genüge sein Sprachrohr. Darum haben wir den Beige Notes für das Jahr 2019 ein neues Aufgabenfeld zugeteilt, sie sozusagen in einen anderen Leistungskurs gesetzt – der darüber hinaus auch viel besser zum Titel dieser Serie passt. Ding-ding, win-win!

Hier geht es ab sofort um das geschriebene Wort

Jep, richtig gelesen! Regelmäßig gibt's hier nun Denkanstöße in Form von Artikeln, Reportagen, Essays, Kommentaren oder auch Tweets und Instagram-Captions und -Stories, die bei uns kleben geblieben sind und die das Gehirn zum Dampfen bringen können. Wir übernehmen also die Aufgabe von Perlentauchern und fischen Wort gewordene Schätze für euch aus dem Meer von Informationen. Fangen wir doch direkt mal an mit der ersten Ausgabe der wiedergeborenen Beige Notes im Jahr 2019:

Amazed: Die Kontroverse Karl Lagerfeld (deutsch)

In unserem Nachruf auf Karl Lagerfeld haben wir es als wichtig erachtet, auch seine umstrittenen Äußerungen nicht unter den Teppich zu kehren. Auf Amazed hat man indes auf einen Artikel zum Thema bisher gewartet – und das aus gutem Grund. Es stand für die Kolleginnen die Frage im Raum, ob man jemandem kritiklos huldigen darf, der sich so vieler verbaler Ausfälle und Randgruppen beleidigender Aussagen schuldig gemacht hat. Antonia und Jowa haben einen interessanten Weg gefunden, einerseits den Tod von Karl Lagerfeld zu thematisieren, im gleichen Atemzug aber auch ihre (übrigens unterschiedlichen) Gedanken und Gefühle zum Thema miteinfließen zu lassen.

Auf Amazed könnt ihr die Diskussion der beiden nachlesen und selbst entscheiden, wessen Sichtweise ihr einnehmt.

W Magazine: Burning Man ist nicht deine Photowall! (englisch)

Instagram ist der größte Fluch und Segen, den uns die Neuzeit beschert hat. Einerseits liebe ich den nicht enden wollenden Strom an Inspiration und die Tatsache, dass vor allem marginalisierten Gruppen eine starke Stimme bekommen haben. Gleichzeitig bin ich genervt von dieser Welt, die vor unerträglicher Perfektion, Fakes und sinnlosen Hypes nur so strotzt.

Neuestes Opfer dieser typischen kopflosen Geltungssucht ist das Burning Man. Das Event beruht auf dem Prinzip der Dekommodifizierung. Heißt: Auf dem Burning Man gibt es kein Geld. Man hilft sich unentgeltlich aus, macht Tauschgeschäfte und unterstützt sich. Leider nutzen immer mehr Besucher*innen das Event und dessen beeindruckende Kulisse als Fotohintergrund für werblichen Instagram-Content und vertaggen die Marken, die sie tragen.

Einen interessanten Artikel über den Sisyphos-Aufgabe der Veranstalter*innen diesem Treiben Einhalt zu gebieten könnt ihr im W Magazine lesen.

Brand Eins: Der undankbarste Beruf in Deutschland (deutsch)

Als der Kranken- und Gesundheitspfleger Alexander Jorde in der ARD Wahlarena 2017 Merkel direkt mit den menschenunwürdigen Zuständen konfrontierte, die in der Pflege in Deutschland herrschen, sorgte das landesweit für Anerkennung und Aufmerksamkeit. Getan hat sich seitdem wenig, aber die Gesellschaft ist für das Thema sensibilisiert worden. Sandro Plett, aka Sandro Pé ist einer, der unermüdlich dafür kämpft, dass der Faden hier nicht fallen gelassen wird, wovor ich größten Respekt habe.

Der Altenpfleger bloggt und vloggt über seinen Beruf und ist inzwischen Dauergast in Talkshows zum Thema. Das Wirtschaftsmagazin Brand Eins hat ihn für die aktuelle Ausgabe ebenfalls zum Gespräch gebeten.

Um das Interview zu lesen, müsst ihr aber nicht zum Kiosk gehen, denn es ist bereits online verfügbar.

Zeit Online: Es hat sich ausgeraucht! (deutsch)

Rauchen stand mal für was. Für ein Lebensgefühl. Freiheit. Wild sein, ein Outlaw! Heute erntet man als Raucher*in statt Respekt eher mitleidige Blicke. Ausgesperrt, verachtet und geächtet fristen die Opfer der Glimmstängel ein Leben am Rande der Gesellschaft. Na gut, ganz so weit ist es noch nicht, doch Rauchen ist schlicht auf dem absteigenden Ast. Merke ich als Dauer-Party-Raucherin selbst und muss dennoch gestehen: Das ist gut – für unsere Gesundheit und die Umwelt. Und doch fragt man sich: „Was würde mir fehlen in einer rauchfreien Welt?“ Rauchen umweht diese Aura des Dichtens und Denkens. Der verwegenen Romantik ... oder ist alles nur eine Farce?

Eine fast philosophische Annäherung zum Ende des Tabakkonsums findet ihr auf Zeit Online.

Süddeutsche Magazin: Die richtigen Worte finden (deutsch)

Die Oma Kolumne des Süddeutsche Magazin ist ohnehin eine kleine Perle im Netz. Mechthild Grossmann widmet sich wöchentlich den kleinen und großen, den gefürchteten und unbedeutenden Fragen des Älterwerdens. Das Thema Tod bleibt hier natürlich nicht aus und selten habe ich einen so (das klingt jetzt vielleicht doof, aber:) aufschlussreichen Artikel darüber gelesen, wie man die richtigen Worte beim Schreiben einer Trauerkarte finden kann und warum es so unheimlich wichtig ist. Ich habe im Laufe meines Lebens schon mehr Beileidsbekundungen abschicken müssen, als mir lieb ist. Jedes Mal war da wieder dieses große Fragezeichen, dieses beschämte Gefühl, die falschen Worte zu wählen und diese Hilflosigkeit angesichts der Trauer des*der Empfängers*in des Briefes.

Mechthilds Gedanken zu wirklich tröstenden Worten haben mich diesmal besonders an die Hand genommen. Euch vielleicht ja auch.

The Guardian: Noch Faster Fashion dank der Kardashians (englisch)

Was Kylie, Kim, Kourtney oder Kendall tragen, wollen morgen Millionen von jungen Frauen haben. Ach was, morgen. Heute. Jetzt. Sofort. Sobald Superstars wie die Kardashians einen Look auf Instagram hochladen, schmeißen abertausende von Fans die Suchmaschinen an, um die eben gelikten Artikel nachzukaufen. Low-Cost-Brands wie Fashion Nova, Boohoo oder PrettyLittleThing sind die großen Gewinner dieser Hypes, die meistens nur so lange andauern, bis der nächste Insta-Look hochgeladen wird. Bei mehreren Posts am Tag könnt ihr selbst ausrechnen, was das bedeutet. Die Trends werden so schnelllebig, dass billig nicht mehr reicht: es muss super billig sein, damit die mitunter sehr junge Kundschaft immer wieder auf den Bestellbutton drückt.

Mehr über das Phänomen und die damit verbundenen Folgen für Industrie und Umwelt könnt bei The Guardian lesen.

Denkanstoß zum Schluss ...

Zum Schluss via New York Magazine die Frage, ob die Menschen, die Social Media komplett entsagen, inzwischen als diejenigen wahrgenommen werden, die nicht mit dem Leben klarkommen. Was würdet ihr über jemanden denken, der*die ihr gerade kennengelernt habt und der*die in keinem sozialen Netzwerk vertreten ist? Ganz ehrlich!

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