Neon, Bauhaus, Sensationen – Die Designhighlights der imm Cologne 2019

Lisa ist virtuell durch die Möbelmesse imm Cologne gegangen und verrät euch die Designtrends 2019

Leute, da habe ich mir ein ganz schönes Ei für euch gelegt. Vergangene Woche endete die imm Cologne, ihres Zeichens eine der weltweit größten Fachmessen für Möbel und Innenraumgestaltung (Neudeutsch: Interior-Design) und weil ich Design sehr liebe und ihr unsere Artikel zum Thema immer besonders gerne lest, dachte ich, eine kleine Übersicht der kommenden Trends und Highlights sei etwas Feines.

Wie ihr eventuell bemerkt habt, sind wir jedoch nicht in Köln gewesen, da parallel in Berlin die Fashion Week über die Bühne ging. Diese Tatsache stellt sich jetzt als hinderlich heraus, wenn es darum geht via Ecosia, Google und Konsorten einen einigermaßen guten Überblick der über 1.200 Designmarken und -talente im Rheinland zu erhalten. Ich ertrinke gerade außerdem in #fomo, während ich mich durch die zahlreichen Reviews klicke.

Es gibt einfach so unglaublich gutes (Möbel-)Design und schon fast unheimlich kreativen Output, der in den meisten Fällen aber mit viel Understatement daherkommt. Gleichzeitig jagen mir neuartige Produktionstechniken und lösungsorientiertes, smartes Design besonders dann einen Schauder der Freude über den Rücken, wenn sie so mühelos erscheinen, als wären sie an einem Wochenende entwickelt worden.

Knallfarben, funktionelles Design und jede Menge Bauhaus-Nostalgie

Meine Entdeckungen beim Perlentauchen im unendlichen Meer der Designinnovationen habe ich für euch sorgfältig analysiert und eingeordnet. Natürlich könnte dieser Artikel noch zehnmal länger sein und ich würde doch noch immer keine vollständige Liste vorweisen können. Ich hätte gerne noch Brands wie Llotllov, &Tradition, Knoll, COR, Montana, Pulpo, Ames und viele untergrbacht. Daher fühlt euch eingeladen, uns hier in den Kommentaren eure Favoriten zu nennen!

Glas ... gerne auch buntes Glas ... aber Hauptsache Glas.

Ich habe mir dieses Thema schon dick in mein Notizbuch geschrieben, denn ich habe das Gefühl, an Glas kommen wir in 2019 nicht vorbei. Ich fühlte mich eher, im Gegenteil, wie damals, als ich gegen unsere Terrassen-Schiebetür gerannt bin (wer kennt's?). Voll auf die Zwölf. Dieses Mal nur ohne die anschließenden Kopfschmerzen, sondern mit nachhallender Begeisterung.

Stefan Diez für Burgbad

Den genialen Produktdesigner Stefan Diez verfolge ich tatsächlich schon eine ganze Weile, da er zufälligerweise mit Saskia Diez verheiratet ist, die eine nicht minder begabte Schmuckdesignerin ist. Für die Linie rgb von Burgbad hat Stefan Diez ein Möbelsystem aus buntem Glas designt, das Volumen transparent macht und dank des flexiblen Montagesystems der gestalterischen Fantasie kaum Grenzen setzt. Die Artdirektion von Bureau Mirko Borsche gibt der Kollektion den letzten Schliff.

Floating Boxes von Aylene Ruschke

Die Newcomerin Aylene Ruschke wagt mit ihren Floating Boxes eine Neuinterpretation der klassischen Vitrine. Der Aufsatz der Vitrine besteht aus farbigen Glas und ist nicht zugänglich. Lediglich die zwei eingelassenen Glaskuben können für die Präsentation der Lieblingsteile genutzt werden. Das Möbel nimmt mehr Raum ein als es gibt. Das sieht nicht nur unheimlich schön aus, sondern bricht mit den Gewohnheiten und Erwartungen, die man an eine Vitrine hat. Wer nichts auszustellen hat: Die Floating Boxes sehen leer mindestens ebenso schön aus.

„Melt“ von Nendo für WonderGlass

„Melt“ ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des britischen Glas-Design-Labels Wonderglass mit dem japanischen Studio Nendo. Die Serie umfasst von der Erdanziehungskraft geformte massive Glasmöbel, die erst per Gießform und anschließend per Hand geformt wurden. Die fertigen Objekte erinnern an angeschmolzenes Eis und an Glasfliesen (die ohnehin entweder hinreißend modern oder furchtbar piefig eingesetzt werden). Ob die Stühle kalt sind, wenn man sich darauf setzt? Oder ob man direkt wieder herunterrutscht? Ich würde so gerne Probe sitzen ... bis das möglich ist, erfreue ich mich an dem fantastischen Design.

Die jungen funktionalen Wilden

Das Schöne an der imm Cologne ist, dass hier quasi die mehrfachen Weltmeister auf dem gleichen Rasen spielen wie die jungen, vielversprechenden Talente der Verbandsliga. Und das auf Augenhöhe und unter den interessierten Augen der Besucher*innen. Werden Newcomer in anderen Branchen (Mode, hust) oftmals lange belächelt und müssen intensiv für ihr Standing kämpfen, scheint es mir beim Möbel- und Produktdesign tatsächlich so zu sein, dass Talent und Kreativität relativ schnell wenigstens mit Aufmerksamkeit und Anerkennung belohnt werden.

Schaut man sich diese beiden „jungen“ Designstudios an, ist das auch nicht weiter verwunderlich. Denn was man hier vergeblich sucht, ist KEIN Konzept.

Bartmann Berlin

Ich möchte jetzt gar nicht zu viel vorwegnehmen, tatsächlich spoilere ich nämlich nun ein wenig und verrate euch, dass wir auch den Designern hinter dem Studio Bartmann Berlin einen Besuch abgestattet haben. Dazu ganz bald mehr hier auf Beige. Umso schöner war zu sehen, wie toll die funktionalen und wirklich sehr durchdachten Entwürfe der drei Masterminds hinter Bartmann Berlin in Köln beim Publikum angekommen sind. Die Möbel von Bartmann sind übrigens nicht nur bezahlbar, sondern auch unglaublich zeitlos und alle per Hand in Berlin gefertigt.

Million

Schaut man sich die Möbel von Million Copenhagen an, so könnte man schnell denken, dass man es hier mit einem alten dänische Designhasen zu tun hat. Tatsächlich wurde das Label jedoch gerade einmal vor vier Jahren gegründet. Die beiden Gründer Jens Kajus und Claus Jakobsen können jedoch auf viele Jahre in der Branche zurückblicken, unter anderem bei HAY und der Agentur e-Types. Kein Wunder, dass das Design-Konzept von Million schon jetzt so erfolgreich und stimmig ist.

Bauhaus Nowhaus!

Falls ihr es noch nicht mitbekommen habt: Der größte deutsche Exportschlager und meine erste große Liebe, das Bauhaus, wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Ich werde mich diesem Thema hier auch noch ausführlicher widmen, versprochen. Im Möbeldesign drehen natürlich alle schon lange am Rad. Klassiker werden neu aufgelegt, neu interpretiert, wieder ganz zum Originalzustand zurückversetzt. Es schwingen gerade beim Thema Bauhaus viel Tradition, Handwerk, Stolz und Geld mit – daher ist es kein Wunder, dass jeder noch lauter „hier!“ schreit.

Ich muss aber gestehen, dass ich bisher alle mir gebotene Auseinandersetzung mit der eigenen Designvergangenheit beklatscht habe. Daher hier nur die Spitze des Eisberges für euch.

F51 von Katrin Greiling für Tecta

Bekannt wurde der Sessel mit dem poetischen Namen F51 durch seinen Standort: Sein Platz war im Direktorenzimmer des Bauhaus-Gründers Walter Gropius in Weimar. Für Tecta wagte sich die Designerin Katrin Greiling an eine Neuinterpretation des Klassikers. Die neuen Editionen kommen in gleich mehreren Farbkombinationen und wirken vielleicht auch dadurch so aktuell, dass man gar nicht glauben mag, dass das ursprüngliche Design des F51 tatsächlich Anfang der Zwanzigerjahre gefertigt wurde.

Abgesehen davon, dass die Re-Edition wie auch das Original für mich auf ewig so unerreichbar sein werden, wie der Mond: die Rot-Rosé-Curry-Variante hat ab sofort einen kleinen Platz in meinem Herzen.

Eames Fiberglass Chair von Vitra

Alle Haare fliegen hoch! Der Eames Fiberglass-Chair von Vitra ist zurück! Im Rahmen des Bauhaus100-Jubiläums hat Vitra seinen ikonischen Stuhl wieder aus dem Ursprungsmaterial herstellen lassen – und ich hoffe, dass man sich keine kleinen Stromschläge einfängt, wenn man unbedacht auf dem guten Stück hin und her rutscht.

Aber Spaß beiseite. Der Eames Chair hat dank der Struktur, die ihm das Fiberglass gibt, direkt eine Extraportion Charakter und Umweltsorgen müsst ihr euch auch keine machen. Schließlich haben wir 2019 und es wird mitgedacht. Der neue, alte Eames Chair wurde von Herman Miller designt und der hat darauf geachtet, dass das Material zu 98 Prozent recycelbar ist. Applaus!

Thonet und das Bauhaus

Auch das deutsche Traditionsunternehmen Thonet kann auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Bauhaus zurückblicken. So entstanden hier viele der ikonischen Freischwinger und Stahlrohrmöbel – und die wurden nun teilweise wieder neu aufgelegt. So etwa der Beistelltisch MR 515 von Ludwig Mies van der Rohe, der Bürostuhl S 64 von Marcel Breuer oder der Freischwinger S 533 R ebenfalls von Mies van der Rohe.

Wer etwas Geld auf die hohe Kante gelegt hat, könnte hier eine sicherlich gut angelegte Investition wagen.

In Farbe und knallbunt

Es darf knallen – im übertragenen Sinn. Pastelltöne sind nach wie vor eine feine Sache, aber wer ganz vorne mitspielen will, wenn es um die neuesten Wohntrends geht, sollte keine Angst vor Neonfarben und mutigen Farbkombinationen haben. Besonders beliebt 2019? Ein kräftiges Neonorange und die Kombination von Farbfamilien wie Rosé und Rot oder Petrolblau mit Mint. So lauft ihr garantiert auch in der dunkelsten Nacht nicht Gefahr, euch an euren Möbeln die Füße zu stoßen. Übersehen ist nämlich ausgeschlossen.

Objekte Unserer Tage

Da ihr treue Beige-Leser*innen seid, brauche ich an dieser Stelle gar nicht so viele Worte verlieren, sondern muss nur galant auf unseren Showroom-Besuch samt Interview bei Objekte unserer Tage verweisen. Auf der imm Cologne haben die drei Designer ihren neuen Stuhl Richter vorgestellt und, wie sollte es auch anders sein, nicht enttäuscht!

New Tendency

Ich hätte die Designs vom Berliner Studio New Tendency auch unter Bauhaus abheften können. Dafür sind die Entwürfe der Marke aber zu sehr in der Jetztzeit verankert und schaffen es, die Disziplin des Bauhaus perfekt ins heute zu übersetzen. Schaut man sich das in dezentem Orange gehaltene Standard Sofa hier an, wird auch klar, dass das Motto klotzen statt kleckern lautet.

Ich sehe solche Designs immer eher in Laden- und Hotelkonzepten aufgehen, aber es gibt sicherlich genug Menschen, die es schaffen, auch die krachigste Couch mit ihrer restlichen Einrichtung zu vereinbaren. Macht das Objekt aber nicht weniger toll.

Lola von Bodo Sperlein für Schönbuch

Zum Abschluss noch ein schönes Beispiel dafür, wie sich klassische Einrichtungsobjekte gekonnt ins Heute holen lassen. Einen Paravent habe ich noch im Schlafzimmer meiner Tante Margot in Erinnerung. Dreiteilig, in hellem Grün und mit weißen Blumen bemalt, trennte es ihr Bett optisch vom Kleiderschrank und diente als Sichtschutz. Vor wem habe ich allerdings nie verstanden, da Magga eine eingefleischte Junggesellin war.

Der Paravent feiert ja schon seit längerem ein Comeback, aber selten hat mich ein Objekt so sehr überzeugt, wie der Entwurf von Bodo Sperlein für Schönbuch. Dick notiert.

Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

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