Möbeldesign – Made in Berlin #2: Bartmann Berlin

Neue Runde, neues Glück! Zeit für einen weiteren Blick hinter die Kulissen der tollsten Berliner Interior-Brands

Vor zwei Wochen habe ich hier auf Beige den Startschuss gegeben für eine kleine Reihe, in der ich euch die aufregendsten, vielversprechendsten und sympathischsten Designer*innen der Hauptstadt vorstellen möchte. Möbeldesigner*innen, um genau zu sein. Deren Können bekommt im kollektiven Bewusstsein nicht halb so viel Aufmerksamkeit, wie das Handwerk der Kollegen und Kolleginnen aus Mode oder Kunst. Und das, obwohl Interior und Einrichten absolute Dauerbrenner auf Pinterest, Instagram und in Form von Blogs sind. Wagen wir also einen Blick über den Tellerrand und jenseits des Eames-String-Poulsen-Horizonts!

Nachdem ich euch in Teil Eins von „Möbel Made in Berlin“ zwei der drei Smartheads hinter der jungen Designbrand Objekte unserer Tage vorgestellt habe, wird die Messlatte heute mitnichten tiefer gehängt. Denn wir haben Bartmann Berlin in deren beeindruckender Werkstatt im Ödland zwischen Berlin-Tempelhof und Neukölln besucht.

In einer 500 Quadratmeter großen, alten Fabrikhalle haben sich Lasse Schnack, Sebastian Kunath und Robert Zeise ihren Traum einer großzügigen, perfekt ausgestatteten Produktionsstätte samt Büro in der Hauptstadt verwirklicht. „He, habt ihr Hunger? Wir haben gekocht!“ pingt mich Sebastian vor unserem Besuch via iMessage an. Ja, das klingt verlockend! Leider durchkreuzt das Wetter unsere Anreisepläne (Öffis, Spaziergang) mit einer Portion satten Regens. Als wir nach einer mittelschweren Drive-Now-Odyssee endlich mit Sebastian am Tisch sitzen, ist vom Eintopf zwar nichts mehr übrig. Dafür stehen zwei Tassen warmen Kaffees vor uns und wir sind schon viel zu eingenommen von den hohen Hallen und all dem schweren Gerät, um an Essen zu denken.

Hallo Sebastian, schön, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Ihr seid erst kürzlich hier eingezogen?

Es ist genau das, was wir ewig lange vermisst haben. Die Werkstatt spielt bei uns eine große Rolle. Man hat eine Inspiration, tüftelt im Büro und kann dann direkt den Prototypen bauen. Man kommt auf viele Ideen nur, während man arbeitet.

Ihr seid eigentlich zu dritt, wie habt ihr euch kennengelernt?

Bartmann Berlin, das sind Lasse, Robert und ich. Lasse habe ich während meiner Tischler-Ausbildung kennengelernt. Lasse hat anschließend Produktdesign studiert und Robert getroffen. Ich bin nach Holland gegangen und habe dort weiter gelernt. In Berlin haben wir uns alle wieder getroffen und vor etwa zehn Jahren die Werkstatt gegründet. Benannt ist sie nach Lasses Großvater, der ein Bettengeschäft in der Hasenheide in Neukölln hatte.

Wie teilen sich eure Aufgabenbereiche auf?

Wir schaffen es noch immer nicht, die Aufgabengebiete bei uns strikt zu trennen. Es hat sich inzwischen so ergeben, dass sich bei jedem Job kleine Teams bilden, bestehend aus Chef, Mitarbeiter und Praktikanten. So läuft es tatsächlich auch bei Produktentwicklungen ab. Es passiert nie, dass wir zu dritt an der Säge stehen, zu dritt schleifen, zu dritt zeichnen …

Was macht denn eure Möbel zu Bartmann Möbeln? Was macht euch aus?

Vollholz und Massivholz sind große Themen bei uns. Alles ist sehr handwerklich. Es ist auch viel Experimentieren, viel Testen. Neben dem Produkt selbst wird für uns die Arbeit daran immer wichtiger: Wie entwickelt man den Ort, an dem man gemeinsam so viel Zeit verbringt? Wie wichtig sind - neben handwerklichen Skills - die sozialen Skills? Schafft man es Effizienz und Experiment miteinander zu vereinbaren? Das ist in unserem Workflow noch nicht ganz ausgereift und wird uns sicherlich noch einige Jahre beschäftigen.

Woher bezieht ihr eure Rohstoffe und wo produziert ihr, wenn es kein Holz ist, eure Möbel?

Unser Holzhändler sitzt in Berlin-Tempelhof. Wir arbeiten sehr viel mit Eiche, die aus Bayern und dem Spessart kommt. Unsere Metallteile lassen wir in der Rummelsburg fertigen. Wir arbeiten sehr lokal. Nur unser Linoleum, für zum Beispiel die Kopfteile vom Bett, kommt aus Holland.

Ist das Zufall oder legt ihr Wert auf Nachhaltigkeit und kurze Lieferwege?

Es ist auf jeden Fall kein Zufall! Für uns sind nicht nur kurze Lieferwege wichtig. Wir wollen auch die Möglichkeit haben, schnell zu den Betrieben fahren zu können, um Abläufe und Produktionen zu besprechen. Man drückt ja nicht einfach auf einen Bestellbutton. Wenn man Material ausreizen und Struktur, Stabilität testen möchte, muss probiert werden. Und das geht nur, wenn man persönlich miteinander redet.

Wie viele neue Möbel macht ihr im Jahr? Habt ihr einen Rhythmus?

Wir haben überhaupt keinen Rhythmus. Nach unserer ersten Ausstellung in Köln 2015 hatten wir nur Neuvorstellungen im Gepäck und danach ging es dann darum, die ganzen Anfragen zu bearbeiten. Danach musste das Verpackungsdesign optimiert werden. Wir sind umgezogen ... es gibt noch immer keinen Turnus. Natürlich braucht Marketing einen Aufhänger, sprich: neue Produkte. Aber wenn wir das als Motivation nähmen, um neue Designs zu entwickeln, wäre das doch schlimm.

„Möbel werden inzwischen wie Kunst gehandelt.“

Bist du privat auch jemand, der in Designermöbel investiert?

Für neue Möbel gebe ich sehr wenig Geld aus. Wenn, dann schon eher für alte Möbel, für Klassiker. Möbel werden inzwischen wie Kunst gehandelt. Ein Sammler bin ich aber nicht. Ich gucke es mir gerne an und lasse mich inspirieren. Bei den Möbeln, die wir bauen, haben wir immer den Anspruch, dass sie lange leben sollen. Ich könnte nicht damit leben, wenn das so Dinger wären, die nach fünf Jahren auseinanderfallen.

Was ist euer Designanspruch und was bedeutet gutes Design für euch?

Ich finde, es fängt schon bei der Idee an. Die sollte klar erkennbar sein. Wenn ein Design aber nur eine Idee ist, dann ist es auch zu wenig. Unsere Möbel sind aber nicht so konstruiert, dass man sich total tief gehend damit beschäftigen muss, um deren Sinn zu verstehen. Kombinierbarkeit ist ebenfalls wichtig. Ein universelles Stück finde ich mega interessant, das ist sehr spannend.

Gibt es ein Möbelstück, dass du unheimlich gerne entworfen hättest? Deine Designikone?

Kennst du dich mit holländischem Möbeldesign aus? Cees Braakman, kennst du den? Wahnsinnstyp! Fast alles von ihm hätte ich gerne designt.

Hast du einen Tipp, wie man als junge*r Designer*in Fuß fasst und startet?

Mit einer Schreiner-Ausbildung sollte man nicht zu spät anfangen. Es ist das klassische duale System und bedeutet: zweimal die Woche Berufsschule. Da läuft man dann schnell Gefahr, der oder die Älteste zu sein. Nach einem Produktdesign-Studium führt kein Weg an einer Assistenz vorbei. Es ist das allerbeste für den Start. Viele merken übrigens während der Assistenz, dass es doch nicht das Richtige ist. Aber es gibt viele Teilbereiche. Dann ist Produktdesign nicht dein Ding, aber die Beschäftigung damit macht Freude. Marketing, Vertrieb, darüber schreiben. Das findet man aber nur heraus, wenn man einmal dabei ist.

Kann man sich bei euch für einen Praktikumsplatz bewerben?

Ja klar! Aber wir brauchen wirklich Leute, die länger dabei sind. Drei bis sechs Monate wären schon klasse.

OK, geben wir so weiter! Vielen Dank für deine Zeit, die tolle Führung durch eure Werkstatt und das super interessante Gespräch!

Hier geht es zur Webseite samt Onlineshop von Bartmann Berlin. Im Showroom könnt ihr nach Vereinbarung vorbeischauen.

Dieser Artikel enthält Affiliate Links, mehr darüber erfährst du in unserer Datenschutzerklärung. Dieser Artikel ist Werbung, da er Markennennungen enthält.

Kommentiere

Weitere Artikel werden geladen...