„Für Frauen, die Mode lieben, aber nicht von ihr abhängig sind.“ Eric Goguey, CEO von 24S, im Interview

Seit zwei Jahren wirbelt der Onlineshop 24Sèvres das Netz auf. Zum Relaunch haben wir mit dem Geschäftsführer über Learnings, Ziele und der Internationalisierung des Pariser Stils gesprochen

Le Bon Marché in Paris ist eines der legendärsten Kaufhäuser der Welt (Marie ist auch ein großer Fan!). Seit 2017 müssen Modefans aus aller Welt aber kein Flugticket in die französische Metropole mehr buchen, um in den Genuss der erlesenen Auswahl des zum LVMH-Konzern gehörenden Departmentstores zu kommen. Vor zwei Jahren launchte nämlich 24Sèvres, der Onlineshop von Le Bon Marché und hängt die Latte in Sachen Luxus-Online-Shopping hoch.

24Sèvres entwickelt sich nämlich so vorzüglich, dass nun alle Zeichen auf Internationalisierung und Expansion stehen. Schritt Nummer Eins? Aus 24Sèvres wird, meine Zunge ist dankbar, 24S. Kurz, knapp, kein Zungenbrecher eben. Schritt Nummer zwei: Das Unternehmen hat in Büros in Hongkong, New York und Miami investiert, um modisch immer am globalen Puls der Zeit zu sein.

Das Thema Onlineshopping wird immer präsenter und auch ich habe nicht selten gar zwischen Tür und Angel, via Smartphone, das ein oder andere Teil im Netz gekauft. Wir treffen unsere Kaufentscheidungen basierend auf anderen Parametern als noch vor zehn Jahren und haben nicht nur eine Auswahl, sondern auch Zugriff auf so viele Marken wie nie zuvor. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich ganz aufgeregt mit der S-Bahn nach Frankfurt gefahren bin, um ein ganz bestimmtes Teil zu finden. Das ist zwar praktisch, andererseits hat Shoppen dadurch auch das Besondere verloren. Wie also wird Onlineshopping im Jahre 2019 noch zu einem Erlebnis? Was macht einen Onlineshop einmalig? Woran kann man scheitern und wie schafft man es eigentlich, sich von der Konkurrenz abzusetzen? Diese und weitere Fragen haben wir Eric Goguey, CEO von 24S, gestellt und wirklich sehr interessante Antworten erhalten:

Deutschland ist ein hart umkämpfter Markt – warum haben Sie sich dazu entschlossen, ihn 2019 zu erobern?

Wir haben in Deutschland ein beachtliches organisches Wachstum beobachten können. Außerdem sind wir seit jeher bestrebt, dahinzugehen, von wo unsere Kunden einkaufen. Der Hunger nach unserer gut kuratierten Auswahl der weltweit begehrtesten Marken scheint in Deutschland also besonders groß zu sein.

Warum ist Deutschland für 24S ein so wichtiger Markt? Wir sind ja nicht gerade für unsere Stilsicherheit bekannt ...

Es ist interessant, dass Sie das so wahrnehmen. Wir nehmen die Deutschen als Menschen mit einem scharfen Auge wahr und einem angeborenen Talent, Dinge erfolgreich und mit System zu kuratieren. Beides Qualitäten, die wir bei 24S konstant perfektionieren und weiterentwickeln.

Wird 24S auch in anderen Ländern launchen?

Wir sind in einer Phase des internationalen Wachstums und möchten unser Geschäft in den Märkten manifestieren, in denen der besagte Hunger nach unseren Qualitäten und auch die Möglichkeiten für uns besonders groß sind. Erst kürzlich haben wir die Sprachen- und Währungsauswahl auf unserer französischen Mutterseite erweitert, um noch mehr potenzielle Kund*innen zu erreichen und ihnen einen besseren Service zu bieten.

Welche Hürden befinden sich auf dem Wachstumsweg eines Global Players wie LVMH?

Der Markt, auf dem wir uns bewegen, ist sehr gesättigt. Deshalb stellen wir bei allem, was wir tun, unsere Kund*innen in den Mittelpunkt und möchten auf diese Weise relevant und spannend bleiben.

„Die 24S-Frau liebt Mode – ist aber nicht von ihr abhängig.“

Wo fängt man eigentlich an, wenn man einen Onlineshop erfolgreich etablieren möchte?

Immer bei den Kund*innen. Denn ohne sie haben wir nichts. Wir hören immer auf ihr Feedback und beziehen es in alle Entscheidungen mit ein, die wir unternehmerisch treffen.

24S ist relativ spät im Juni 2017 online gegangen. Welche Vor- und Nachteile hatte dieser späte Schritt der Digitalisierung?

Ein Business in einem satten Markt voller Konkurrenz zu launchen, ist immer eine Herausforderung. Die größte ist vermutlich, sich von der Konkurrenz abzuheben, die sich den Markt schon vorher erschlossen hat. Dafür hat man im Gegenzug eine Menge Learnings zur Hand. Wir wussten, was funktioniert, was vermutlich nicht so gut laufen wird und welche Erwartungen unsere Kund*innen haben. Bevor wir live gegangen sind haben wir uns intensiv mit dem Pain-Points (auf Deutsch: Kontaktpunkte mit dem Kunden) unseres E-Commerce auseinandergesetzt.

Wie lautet die Unternehmensphilosophie von 24S?

24S ist eine globale Plattform, die es Frauen auf der ganzen Welt ermöglicht, sich durch ihre Kleidung auszudrücken – frei von Trends oder Regeln der Branche! Bei uns bedeutet Stil nicht, immer dem nächsten Trend hinterherzujagen. Dafür werden die Pariserinnen doch auf der ganzen Welt bewundert: dass sie ihre eigenen Moderegeln leben. Auch wir möchten die Frauen auf der ganzen Welt dazu ermutigen dieser Philosophie zu folgen!

Würden Sie 24S als Start-up bezeichnen oder ist die Firma auf einem guten Weg Richtung strukturiertes Unternehmen?

Wir haben definitiv mit einer Start-up-Mentalität gelauncht, sprich kleines Team und bewegliche Strukturen. Aber inzwischen sind wir zu einem global agierenden Unternehmen geworden mit drei eigenständigen Teams in unseren Key-Markets und Kund*innen in über 100 Ländern. Aber der Start-up-Spirit ist noch immer eine Säule unserer Unternehmenskultur, klar.

Wow, Kund*innen in 100 Ländern ... also hat die 24S-Frau keine Nationalität – wer ist sie?

Die 24S-Frau ist ein sogenannter Global Citizen, sie ist überall zu Hause und eine kulturell interessierte, neugierige, kosmopolitische Frau, die Mode liebt, aber nicht von ihr abhängig ist.

Wo liegt der Unterschied im Einkauf für einen Onlineshop im Gegensatz zu einem Ladengeschäft?

Gerade in der Mode macht es einen großen Unterschied, ob man für ein Online- oder ein Offline-Geschäft einkauft. Farben und Prints sind ein viel wichtigerer Faktor beim Onlineshopping, da sie das Produkt viel attraktiver und einprägsamer machen. Schließlich kann der*die Kund*in das gewünschte Teil nicht anfassen und sieht es nur auf einem Bildschirm. In einem Ladengeschäft kann man durch die Aufteilung der Ware auf den Kleiderstangen ganz verschiedene Geschichten erzählen. Die Kleidung kann nach ganz unterschiedlichen Bereichen des Alltages angeordnet werden. Online muss beim gesamten Angebot eine kohärente Geschichte erzählt werden. Das Komplettangebot muss stimmig sein. Online hat man außerdem eine sehr breit gefächerte Auswahl mit einer limitierten emotionalen Verbindung. Daher war es uns von Anfang an ein wichtiges Anliegen bei unserem Angebot einen menschlichen Faktor miteinzubeziehen. Also das Einkaufserlebnis online so spannend und einmalig wie möglich zu machen. Das gelingt uns über unseren Personal Shopper Service und das Unboxing.

Was verstehen Sie unter einer Shopping Experience und wie haben Sie dieses besondere Erlebnis bei 24S umgesetzt?

Wer online einkauft, möchte träumen und inspiriert werden – gleichzeitig geht es aber darum, zielgerichtet und effektiv zu shoppen. Die Herausforderung ist es daher diese Balance zu finden und eine Plattform zu bieten, die inspiriert und eine User Experience zu garantieren, die intuitiv ist. Ich denke, das ist uns bei 24S gut gelungen.

„Luxus wird immer ein 360-Grad-Erlebnis sein.“

Was unterscheidet 24S von seinen Wettbewerbern (Yoox, Net-a-Porter, MyTheresa, MatchesFashion, Farfetch)?

Wir sind der einzige weltweit agierende Onlineshop, der dieses ganz spezielle Pariser Lebensgefühl vermittelt und natürlich ist unser Vorteil, dass wir als einziger Onlineshop Louis Vuitton, Dior, Celine und Moynat im Sortiment haben.

24S hat viele Newcomer Labels im Sortiment – wie kauft ihr sie ein und warum sind sie so wichtig?

Junge Talente aktiv zu unterstützen, war uns seit dem ersten Tag ein wichtiges Anliegen. Wir sind immer wieder glücklich und aufgeregt, wenn wir dabei helfen können, die nächste Generation von Modeschaffenden auf ihrem Weg zu noch mehr Kreativität und Erfolg zu bringen. Auch unsere Kund*innen lieben es, neue Designtalente zu entdecken und zu shoppen, bevor sie einer breiten Masse bekannt sind. Wir verkaufen nicht einfach nur deren Ware, wir arbeiten auch in exklusiven Partnerschaften zusammen und setzen extra auf die Labels zugeschnittene Projekte um. In diesem Jahr etwa unterstützen wir die sechste Edition des LVMH Preises, darauf sind wir sehr stolz.

Wo sehen Sie die Zukunft im Luxusbereich in der Mode: online oder offline?

Die Zukunft von Luxus wird immer ein 360-Grad-Erlebnis sein und niemals nur auf einem einzigen Kanal stattfinden.

24S ist nun seit zwei Jahren online: Was haben Sie in dieser Zeit gelernt? Welche Strategien haben funktioniert, welche nicht?

Wir haben gelernt, wie unglaublich global unsere Plattform inzwischen ist und konnten ein massives Wachstum in Märkten beobachten, in denen wir nicht damit gerechnet hätten. Wir haben seit unserem Start einen Kundenstamm in über 100 Ländern etablieren können und wissen daher, dass der Appetit nach dem Pariser Stil und nach einer kuratierten Auswahl der besten Marken der Welt da ist. Daher lautet unsere Strategie, diesen Durst weiterhin zu stillen und gleichzeitig das Feedback unserer Kund*innen aktiv umzusetzen. Damit fahren wir sehr gut

Vielen Dank für das interessante Interview, Herr Goguey!

So, genug Theorie, jetzt geht es über in die Praxis:

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