Das Bananenbrot: Der Mettigel der Instagram-Generation

Von der Jedermannsfrucht zum Social-Media-Star in nur sechs Wochen

Die Banane als solche ist für die Deutschen seit jeher eine verführerische, sagenumwobene und exotische Frucht. Phallusgeformt und nahrhaft liefert Mutter Natur sie uns als verzehrfertigen Snack schon mit biologisch abbaubarer Verpackung. Ich möchte so weit gehen zu sagen, dass die Banane vielleicht die perfekteste Frucht ist, die die Evolution bis heute hervorgebracht hat. Die uns bekannte und inzwischen vorrangig verspeiste Variante hört auf die offizielle Bezeichnung Musa × paradisiaca oder Dessertbanane und fungierte im Laufe ihrer Karriere als beliebtestes Obst der Deutschen als ein Zaungast der Weltgeschichte.

Die Banane: In 600 Jahren um die Welt

Schauen wir uns doch die Vita kurz genauer an. Ihren Ursprung hat die Banane (die botanisch betrachtet eigentlich eine Beere ist) in Südostasien und nicht, wie viele es annehmen, in Süd- und Mittelamerika. Von Asien aus war der erste Stopp ihrer Eroberungstour um die Welt der Inselstaat Madagaskar und von dort ging es über Afrika auf die Kanarischen Inseln. Hier bauten die Spanier bereits um 1400 Dessertbananen auf Plantagen an und von hier aus brachten portugiesische Siedler sie schließlich nach Mittelamerika und in die Karibik - endlich!

Der Rest? Legende! Die Bananenschale als weltberühmte Stolper- oder eher Rutschfalle in zahllosen Sketches kannte man in den USA bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die ersten Bananen fanden 1895 über den Hamburger Hafen ihren Weg nach Deutschland. 1957 wurde sie Teil deutscher Zollpolitik, als der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer das sogenannte „Bananenprotokoll“ unterzeichnete, dass die Einfuhr von Bananen zollfrei machte. Gesetze und Menschenrechte bis zum Brechen zu biegen, damit die Vielfalt auf dem Teller stimmt, hat hierzulande also Tradition.

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Auch in der Popkultur hat es sich die Banane äußerst bequem gemacht. Etwa in den Roaring Twenties als Röckchen der Burlesque-Tänzerin, Aktivistin und Sängerin Josephine Baker. Im Jahr 1966 schaffte die Banane es als Pop-Art-Kunst aus der Feder Andy Warhols auf das legendäre Plattencover von The Velvet Underground. Sogar hier auf Beige haben wir schon über die gelbe Frucht und ihre Rolle als Kunstkritikerin berichtet. Auf der Art Basel Miami sorgte das Obst mit grauem Gaffa-Tape an die Wand geklebt vergangenen Winter für einen kleinen Kunstskandal und ihren Scarface-Moment hatte sie im Frühjahr 2019, als eine Kokain-Lieferung im Wert von 25 Millionen Euro in Bananenkisten in Aldi-Filialen in Mecklenburg-Vorpommern sichergestellt wurde. Bad ass!

Langweilig wird es nie mit der kecken Frucht. Und die Faszination für die Banane reißt auch jetzt, in Zeiten von Corona und Quarantäne, nicht ab. Hand hoch, wer noch kein Bananenbrot gebacken hat? Seid ehrlich! Wusste ich es doch! Ich gebe zu, dass auch ich schwach geworden bin. Immerhin bin ich in sechs Wochen Quarantäne tatsächlich nur einmal eingeknickt. Marie gab gar auf meine unauffällige Anfrage hin an, kein einziges Bananenbrot gebacken zu haben. Nach diesem Artikel wird sich das ändern!

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Was genau ist eigentlich ein Bananenbrot?

Aber was genau backt Instagram da eigentlich? Kuchen? Brot? Irgendwas dazwischen? Letzteres trifft es am besten, denn ein Bananenbrot fällt unter die Kategorie der Quick Breads. Das sind Brote, die keiner Hefe bedürfen und daher ohne Kneten und Ruhen auskommen (also alles, wofür ich ohnehin keine Geduld habe, super). Erstmals niedergeschrieben wurde das Rezept bereits 1933. Anscheinend musste fast weitere 100 Jahre dauernd, bis die komplette Instagram-Welt auf den Trichter kommt. Die Botschaft hinter dem süßen Brot? „Ich nasche, aber ich nasche bewusst! Ich backe, aber ich backe gesund! Ich gönne mir gerne was, aber ich habe es selbst gemacht!“ Bananenbrote gelingen nämlich auch unter den härtesten Restriktionen. Es gibt sie ohne Mehl, ohne Zucker, ohne Ei, ohne Milch. Vegan, laktosefrei, glutenfrei – you name it.

Menschen, die Bananenbrot backen, werden als Connaisseure wahrgenommen. Kulturell interessiert, ein bisschen edgy, natürlich sind sie gesund und vielleicht machen sie auch jeden Tag Yoga. Das Bananenbrot ist der kultivierte Mettigel unserer Generation und steht vielleicht auch sinnbildlich für alles, was uns beschäftigt: Verfügbarkeit, Understatement, Stil, Geschmack, gleichzeitig schätzen wir das Schlichte. Und eigentlich mögen wir unser Essen ja regional ... aber gut, man kann nicht alles haben. Dafür kommt die Hafermilch aus Deutschland. Die Klimafrage wird Bananenbrot-Bäcker*innen nicht gestellt. Dafür haben wir ja schon Schuldige gefunden: Die Avocadobrot-Esser (pfui!)

Was das Bananenbrot zum kulinarischen Dauerbrenner der Covid-19-Krise gemacht hat? Ich habe sieben Gründe identifiziert, die das Bananenbrot zum Instagram-Sieger dieser Quarantäne machen (über 1,4 Millionen Treffer unter dem Hashtag #bananabread können nicht lügen):

  1. Es ist fotogen
  2. Es ist idiotensicher
  3. Das Rezept beinhaltet keine Hefe (und kein Toilettenpapier)
  4. Es ist wie Kuchen, aber gesund
  5. Es ist wie Brot, aber funky anders
  6. Es schmeckt einfach unfassbar gut mit Erdnussbutter

Schon 1983 erschien der Song zum Kultbrot – Zeit für Verschwörungstheorien!

Jetzt möchte ich aber noch eines von euch wissen: What's next?

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