Kunstwissen für Couchpotatoes

10 Kunstdokumentationen für die kurzen, kalten Wintertage

Der Winter ist da und das bedeutet jedes Jahr: Die Tage werden kürzer, die Temperaturen laden zum Faulenzen auf dem Sofa ein und die Streamingdienste unseres Vertrauens erleben ihre Jahreshochphase. Vor ein paar Tagen hat euch Laura ja bereits ihre Podcast-Favoriten verraten, heute teile ich meine liebsten Dokumentationen über Kunst und Künstler*innen mit euch. Wenn ihr beim nächsten Museumsbesuch punkten wollt oder einfach nur behaupten möchtet, dass ihr euch den ganzen Sonntag lang „Bildungsfernsehen“ angeschaut habt – bei unserer bunten Mischung ist sicherlich für alle etwas dabei:

„Das Salz der Erde“

Diese Reportage über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado ist fast schon ein Doku-Klassiker und nicht nur ein Muss für Fans von Fotografie. Die Naturaufnahmen sind so eindrucksvoll, die Geschichten über Salgados Begegnungen so ergreifend und die Regiearbeit von Wim Wenders so phänomenal, dass sie euch garantiert in ihren Bann ziehen.

Aber Salgado porträtiert nicht nur die schönen Seite der Welt: Der Film widmet sich auch den Opfern des Völkermords in Ruanda und brasilianischen Minenarbeitern auf ihrer kräftezehrenden Suche nach Gold. Die Dokumentation ist ein eindrucksvolles Porträt unserer Erde.

„Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus“

Nächstes Jahr feiert das Bauhaus sein hundertjähriges Jubiläum seit Gründung – da darf diese interessante Reportage über die Geschichte der größten deutschen Design-Bewegung und der dazugehörenden Hochschule natürlich nicht fehlen. 1919 von Walter Gropius gegründet, war das Bauhaus bis zu seiner Auflösung durch die Nazis im Jahre 1933 Heimat für Moderne und Avantgarde. Auch im 21. Jahrhundert sind die Ideen des Bauhauses hochaktuell: Funktionales Design, neue Perspektiven und Planung des urbanen Raumes sind heute mehr denn je zu berücksichtigende Faktoren, wenn es um moderenes Wohnen und Leben geht. Die Dokumentation nimmt uns mit an die unterschiedlichsten Orte und Kulturschauplätze auf der ganzen Welt und erzählt die Geschichte von 1919 bis hin zur diesjährigen Jubiläums-Ausstellung „bauhaus imaginista in China“.

„Afripedia“

Streng genommen handelt es sich hierbei um eine ganze Dokumentarserie, bestehend aus fünf Teilen. „Afripedia“ nähert sich einerseits dem Themenkomplex Diaspora und beleuchtet gleichzeitig unterschiedliche Aspekte der kreativen Szene verschiedener afrikanischer Länder. Darunter Ghana, Angola und Kenia. Dabei wird der Fokus nicht nur auf bildende Kunst gelegt: auch zeitgenössische Musik, Modedesign, Fotografie und Regie der kulturellen Metropolen Afrikas werden vorgestellt. Mehr Infos gibt's auf der Webseite von „Afripedia“.

„Finding Vivian Maier“

Die Geschichte klingt wie aus einem Roman: Auf einer Versteigerung werden zahlreiche unentwickelte Filme und Negative erworben, die sich als riesige Sammlung spektakulärer Fotografien entpuppen. Die Spurensuche führt zu der 2009 verstorbenen Fotografin Vivian Maier, die in Chicago als Kindermädchen arbeitete, mit ihrem Objektiv unzählige Alltagssituationen festhielt und nebenbei die amerikanische Gesellschaft auf grandiose Weise einfing. Der Film ist das wundervolle Porträt der geheimnisvollen und posthum gefeierten Künstlerin, die eine unglaubliche Menge beeindruckender Fotos geschossen hat und doch ihr Leben lang unentdeckt blieb.

„The Barefoot Artist“

Apropos beeindruckende Frauen: „Broken places are my canvases – people’s stories are my pigments“, so beschreibt die chinesische Künstlerin Lily Yeh ihre Arbeit. Yeh sieht Kunst als Menschenrecht an, was die 70-jährige Aktivistin dazu bewegt hat, die Organisation Barefoot Artists zu gründen, die Kunstprojekte in armen Gemeinden fördert. Nebenbei bereist Yeh, die mittlerweile Nordamerika ihr Zuhause nennt, die Welt, arbeitet mit Menschen in Ruanda, China und Indien zusammen und versucht nebenbei, ihre eigene schwierige Familiengeschichte aufzuarbeiten. Die Dokumentation widmet sich dem vielschichtigen Leben Yehs und mag aufgrund der Fülle an Themen etwas vollgepackt erscheinen – dennoch ist es ein interessantes Porträt einer ebenso interessanten Frau.

„National Gallery“

Wer schon immer wissen wollte, wie die Arbeit hinter den Kulissen eines Museums abläuft, dem sei diese Dokumentation wärmstens empfohlen. Schauplatz des Films ist die National Gallery in London, die mehr als 2.000 Werke vom 13. bis zum 19. Jahrhundert beherbergt. Aber nicht nur Fans der Alten Meister, wie Leonardo da Vinci, Tizian und Rembrandt kommen auf ihre Kosten. In der Dokumentation können wir Wissenschaftler*innen, Ausstellungspersonal und Kurator*innen bei ihrer täglichen Arbeit zusehen. Wir sind dabei, wenn die nächsten Ausstellungen konzipiert werden und schauen Handwerker*innen beim Aufbau über die Schulter. Nebenbei werden wir mit den großen und kleinen Problemen des musealen Alltags konfrontiert. Teilweise absurd komisch und einen neugierigen Blick wert!

„Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst“

Kunst und Exzentrik gehen stets Hand in Hand? Nun ja, im Leben von Peggy Guggenheim war das sicherlich der Fall. Künstler wie Jackson Pollock, Marcel Duchamp und Man Ray waren nur einige ihrer Bekanntschaften. Sie genoss den Kontakt zu Künstlern mindestens ebenso sehr, wie ihre Kunst. Die Dokumentation blickt zurück auf das spannende Leben der Mäzenin, Künstlerfreundin und wohl bekanntesten Kunstsammlerin des 20. Jahrhunderts. Ich bin begeistert von der Geschichte des Mädchens aus reichem Hause, das sich erst für ein Leben der Bohème in Paris entschied, später auf der Flucht vor den Nazis in die USA emigrierte und ihre Begeisterung für Avantgarde-Kunst zum Beruf machte. Chapeau, Peggy!

„Cutie and the Boxer“

„Cutie and the Boxer“ ist eine herzerwärmende Dokumentation, die das Leben des Künstlerpärchens Ushio und Noriko („Cutie“) Shinohara porträtiert. Der japanische Neo-Dadaist und Boxing Painter Ushio Shinohara wurde in den Siebzigerjahren mit seinen großflächigen Action-Prints bekannt, die er boxend auf die Leinwand brachte. Der mittlerweile achtzigjährige Künstler, der mit seiner Ehefrau Noriko in New York lebt, möchte nun seine Karriere wieder ins Rollen bringen. Die Dokumentation lehrt nicht nur eine Menge über die Ups and Downs des Erfolgs in der Kunstszene, sondern auch über die Liebe, das Zusammenleben und den lebenslangen Kampf um Anerkennung.

„Beltracchi: Die Kunst der Fälschung“

Der Film über Wolfgang Beltracchi ist schon ein echter Klassiker unter den Künstlerdokumentationen geworden, was ihn nicht weniger spannend macht. Er widmet sich dem beeindruckenden Leben des wohl berühmtesten Kunstfälschers unserer Zeit. Bis zu seiner Verhaftung im Jahre 2010 malte Beltracchi im Stil berühmter Künstler meisterhafte Bilder, verkaufte diese für Millionen auf dem internationalen Kunstmarkt und hielt Expert*innen und Museen jahrzehntelang zum Narren. Beltracchi ist zweifellos ein begabter Maler, dessen Lebensgeschichte und Persönlichkeit unheimlich unterhaltsam sind. Die Dokumentation regt zum Nachdenken über den Wert und die Einzigartigkeit von Kunst an.

„Basquiat: The Radiant Child“

Ein Film über den vielseitigen Künstler Jean-Michel Basquiat, den einige als Enfant Terrible der Moderne, andere als missverstandenes Genie bezeichnen. Er selbst sagt über sich: „Mein Werk hat nichts mit Graffiti zu tun, die meisten Leute sind einfach nur Rassisten … und sie reden endlos über Graffiti, obwohl ich mich selbst gar nicht für einen Graffitikünstler halte. Sie haben dieses Bild von mir: der Wilde auf der Flucht, der wilde Affenmensch oder was zum Teufel sie auch denken.“ Der Film ist nicht nur ein beeindruckendes Porträt des wohl ersten afroamerikanischen Künstlers, der sich in der weißen Kunstszene der USA durchsetzte, sondern vermittelt auch ein realistisches Porträt der Kunstwelt und der Hip-Hop-Szene der Achtzigerjahre.

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