Ein Tag im Homeoffice mit ... Lea!

Arbeit, Yoga, Mails und ein Mitbewohner-Plausch

von Lea Schramm

Während die Corona-Krise in Deutschland langsam losging und sich das Virus in anderen Teilen Europas schon rasant ausbreitete, brutzelte ich noch in der Sonne Mexikos (Travel Guide folgt!). Unsere Reisegruppe bestand aus meinen vier guten Freunden: Audrey (Amerikanerin), Alessandro (Italiener), Valentin (Österreicher) und Adriaan (Niederländer).

Durch unsere verschiedenen Wurzeln beobachten wir die Situation in unseren jeweiligen Heimatländern sehr genau, tauschten uns ständig über die Entwicklungen aus. Es vergingen ca. fünf Tage, bis wir uns entschieden, nach und nach die Heimreise anzutreten. Stetig mit Freunden aus Berlin in Kontakt, wusste ich also in etwa schon, was mich erwartet und dass die Reisegeschichten nicht – wie geplant – bei einem Bier in unserer Stammkneipe erzählt werden, sondern eher via Skype. 

Ich denke, der Abstand zu Berlin und die mentale Vorbereitungszeit war sehr hilfreich, um schonmal gedanklich vorzuplanen, wie ich mich mit der Situation arrangieren kann. Zurück in Deutschland wurde ich dann am Frankfurter Flughafen schlagartig von der Realität eingeholt. Der sonst so belebte und internationale Flughafen war wie ausgestorben, die Stimmung – sonst ein bunter Mix aus ernstem Business und freudigen Touris – war nicht wiederzuerkennen. 

Endlich in Berlin angekommen, hat mein Freund mich vom Flughafen abgeholt und wir sind sofort weiter in mein Büro in Kreuzberg gefahren, um meinen Computer, meine geliebten Pflanzen und ein paar Ordner einzusammeln. Obwohl ich zu Hause einen tollen Schreibtisch habe, musste mein Homeoffice gefühlt einen neuen Standort bekommen. Kurzerhand haben wir einen lang vergessenen alten Küchentisch aus dem Keller geholt und ich habe mir im Esszimmer meiner WG ein kleines Büro eingerichtet. 

Da mir als Freelancerin wie auch den meisten Kollegen*innen einige Kunden weggebrochen sind, muss ich jetzt hier gar nicht sooo viel sitzen wie geplant und habe nach einem Jahr mit fast ausschließlich 12-Stunden-Tagen auch mal etwas Zeit zu entschleunigen. In 1,5 Wochen geht mein Master wieder los – online, versteht sich. Darauf freue ich mich erschreckender Weise, aber gerade gestalte ich meinen Tag noch ganz gemütlich: 

Morgens

Was machst du jeden Morgen als Erstes? 

Ich sitze gerne bis spätnachts am Schreibtisch und leide unter extremer Bettflucht. Mein Tag beginnt deshalb meistens erst gegen 10 Uhr. Zunächst erledige ich liegengebliebene Kleinigkeiten im Haushalt wie Spülmaschine ausräumen oder Staubsaugen. Morgens den Haushalt kurz auf Vordermann zu bringen, kann ich sehr empfehlen, da man einen riesigen Ablenkungsfaktor für den Rest des Tages beseitigt. 

Danach bringe ich mein Workout hinter mich, mal Yoga, mal joggen. Hier muss ich übrigens mal kurz einlenken, wie unglaublich Nerven strapazierend ich es finde, das aktuell JEDER Influencer auf Instagram dreimal täglich sein Workout postet. Was gut gemeint ist, sorgt dafür, dass die Inhalte derzeit noch weniger abwechslungsreich sind und dass ein extremer Druck zur Selbstoptimierung erzeugt wird. Klar, Sport ist unglaublich wichtig, übrigens auch wenn keine Isolationspflicht besteht. Online-Tipps zu finden, hilft bei der Gestaltung des Workouts – aber bitte alles in Maßen. Den ganzen Tag ausschließlich Sport zu machen (so wirkt es ja tatsächlich in einigen Stories) ist übrigens auch nicht gesund.

Deine Corona-Beauty-Routine?

Nach dem Sport geht es unter die Dusche, ich ziehe mich jeden Tag normal an, nur auf Schminke verzichte ich komplett. Bis auf etwas Puder mache ich das im Alltag sowieso auch und wenn nicht jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um die Haut etwas zu entgiften – wann, wenn nicht jetzt? Nach einem Plausch und Frühstück mit meiner Mitbewohnerin geht’s an den Schreibtisch! 

Mittags

Und, was gab es zum Mittagessen?

Gegen 14:00 Uhr gibts Mittagessen. Ich gebe mir große Mühe, mich einigermaßen an meine üblichen Essenszeiten zu halten. Inspiriert durch meine Tante, betreibe ich seit drei Monaten unter der Woche Intervallfasten und merke wie wahnsinnig gut es mir tut. Zugegebenermaßen klappt es derzeit nicht optimal, da Kochen und Essen ein nie dagewesener Mittelpunkt in meinem Leben sind, seit dem so viele Aktivitäten wegbrechen. Wir haben einen amerikanischen riesigen Kühlschrank, den ich zu Beginn schrecklich prollig und sehr gewöhnungsbedürftig fand. Mittlerweile? Beste Entscheidung ever! Gerade in Zeiten wie diesen ist es einfach unfassbar praktisch so viel Platz zu haben. Nicht für Hamsterkäufe, sondern eher für Reste, die sich ein paar Tage halten. 

Deine (neue) Lieblingsbeschäftigung in der Mittagspause? 

Nach dem Mittagessen lese ich gerne eine Stunde. Ich habe die Zeit, den Spiegel und die Psychologie Heute abonniert und komme leider selten dazu, wirklich alle Ausgaben komplett zu lesen. Im Moment gibt es jedoch eine große Tendenz zur Besserung! 

Abends

Hast du neue Abendrituale?

Gegen Spätmittag kommt mein Freund vorbei, wir gehen spazieren, machen gemeinsam Yoga und planen das Abendessen. Seit einem Jahr zieht er bei meinem Vegetarier-Dasein brav mit und es gibt viel Gemüse, Reis und Pasta. Ich gehe allerdings auch unglaublich gerne essen und schöpfe die unglaubliche Vielfalt und Bezahlbarkeit der Berliner Gastronomie, mit mindestens einer Mahlzeit pro Tag, auch gut aus. Das fehlt mir derzeit wirklich sehr, zumal ich auch zu den wenigen Menschen gehöre, die wahnsinnig gerne alleine essen gehen. Mit einem guten Buch bei meinem Lieblingsasiaten um die Ecke schmökern, zählt für mich zu den schönsten Momenten des Tages. 

Wofür liebst du deine Wohnung gerade?

Das Essen gehen fällt derzeit logischerweise weg, dafür entwickle ich jedoch eine neue Beziehung zu unserer Altbauwohnung in Charlottenburg. Ich liebe sie mehr denn je! Sie bietet genug Platz, um sich aus dem Weg zu gehen und fühlt sich dieser Tage wie eine verlässliche Konstante an – der einzige Ort, der mir sicher nicht verwehrt bleiben wird! Gleiches Liebesgeständnis gilt übrigens meiner Mitbewohnerin und engen Freundin. Vor ein paar Jahren hätte ich mir niemals vorstellen können, es so zeitintensiv und so gut mit jemandem auszuhalten. Wir schaffen die perfekte Balance aus gemeinsamer und getrennter Zeit und jedem, der da derzeit noch Probleme hat, kann ich zu offener Kommunikation und Geduld raten. Das groovt sich ein!

Wie kommst du zur Ruhe?

Vor dem Abendessen arbeite ich nochmal zwei Stunden, bevor wir anschließend den Abend mit einer Partie Schach, einer guten Talkshow oder einem Glas Wein einleiten (oder allen drei Sachen!). Ich versuche dann gegen 22:30 Uhr nochmal ein paar Dinge abzuarbeiten, da nachts für mich tatsächlich mit die produktivste Zeit darstellt, bevor ich mich dann mit einem guten Buch ins Bett verabschiede. Apropos, habt ihr schon meine Leseliste oder die meiner tollen Kollegin*innen gesehen? Für alle Büchermuffel kommen hier noch ein paar Alternativen zum Zeitvertreib:

Leas 3 Tipps in Quarantäne-Zeiten

1. Die Psychologie Heute

Online und offline, ich kann mir nicht vorstellen diese Zeitschrift jemals nicht mehr zu lesen. Wer daran Interesse hat sich selbst und das Umfeld ein bisschen besser zu verstehen und dabei eine lockere, leichte Vermittlung von Inhalten dem Hochgestochenen vorzieht, muss sich eine Ausgabe besorgen. Man kann online übrigens auch alle alten Ausgaben bestellen, jede beschäftigt sich mit einem eigenen Thema – alle sind zeitlos

2. Das Musee D’Orsay

Meine Liebe zur Kunst ist entstanden, als meine Mama mich im Alter von 13 Jahren nach Paris mitgenommen hat und wir direkt nach Ankunft ins Musee D’Orsay gegangen sind. Ein Museum, so besonders, wie auch die beherbergten Werke. Online kann man hier eine große Auswahl bewundern.

3. Online Kurse 

Egal ob Programmieren, Design, Sprachen … Wir haben jetzt die einmalige Chance, auf (fast) alle renommierten Onlinekurse dieser Welt kostenlos zuzugreifen und uns mit etwas neuem die Zeit zu vertreiben. Wann hast du das letzte Mal, etwas zum ersten Mal getan?

Abschließend möchte ich euch allen die nötige Prise Geduld wünschen. Nutzt die Zeit, um alles zu machen, wofür man sich sonst nie Zeit nimmt. Das Statement klingt mittlerweile schon wie ausgelutscht, ist aber wirklich wahr! Und seid nicht zu streng mit euch. Dazu plädiere ich im Alltag auch immer, jetzt allerdings besonders. Die Situation ist für uns alle neu und bei jedem mit anderen Emotionen und Perspektiven behaftet. Damit muss man somit auch einen individuellen Umgang finden, das braucht Zeit und ein paar Versuche. Nicht jedem gelingt ist, den gesamten Tag zuhause 100 Prozent motiviert und durchstrukturiert zu gestalten, auch das ist in Ordnung. Jeder darf seinen Weg gehen und trotzdem sind wir alle durch die Situation vereint! Bleibt gesund. 

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