Man soll gehen, wenn es am schönsten wird

Lisa verabschiedet sich heute aus dem Daily Business – und ihr werdet ihr verdammt nochmal fehlen

Long time, no read. Genau genommen ging mein letzter Artikel vor ziemlich exakt vier Wochen hier auf Beige online. Weit herunterscrollen müsst ihr dennoch nicht, um ihn zu finden, meinen großen Jahresrückblick 2020. Mit einem fetzigen Neustart konnte ich 2021 leider nicht dienen, denn nach den doch sehr nervenaufreibenden letzten Monaten des vergangenen Jahres brauchte ich vor allem eines: einfach eine Pause.

Wenngleich ich zwar nicht, wie in meinem Rückblick angekündigt, komplett untätig war, so habe ich mich dennoch im Wenig-tun geübt (Vorstufe von Nichtstun und für mein Seelenheil definitiv besser geeignet). Allein schon an diesen Punkt zu kommen, hat mich paradoxerweise einiges an Kraft und Anstrengung gekostet.

Es ist mir nämlich verdammt schwergefallen, mich nicht absolut nutzlos oder (noch schlimmer) wertlos zu fühlen, nur weil ich auf einen Mittwochmorgen einfach mal ausgeschlafen habe. Das gab es bei mir einfach mehrere Jahre nicht und allein der Gedanke, unter der Woche ohne Wecker aufzustehen, hat mir den Angstschweiß auf die Stirn getrieben. Gleichzeitig hat mein Körper mir mehr und mehr zu verstehen gegeben, dass er gerade eine Höchstleistung vollbringt: einen neuen Menschen backen. Und irgendwie steckte ich fest zwischen dem verwirrenden Gefühl, dass ich diesen meinen neuen Zustand total akzeptierte und gleichzeitig aber nicht einsehen wollte, dass damit unweigerliche Veränderungen einhergehen. Man ist einfach schneller im Arsch – ob einem das jetzt passt oder nicht.

Nach Beige wartet ein neues Baby auf mich

Das Miese am Körper ist: Er sitzt am längeren Hebel, der Schlawiner. Gönne ich mir nicht genug Ruhe, fallen mir eben schon am frühen Nachmittag die Augen zu. Nehme ich mir zu viel vor, wirft mein schwangeres Gehirn die Hälfte der To-dos mit einem Arschtritt aus meinen Synapsen. Laufe ich zu viel oder schnell, wird mir keck der Sauerstoffhahn abgedreht. Und rege ich mich zu sehr auf, wird der Bauch vor lauter Wut auch ganz hart. Oh, und möchte ich mich mal konzentrieren, spielt das innere Ohr urplötzlich diese groovy Fahrstuhlmusik und ...

... wo waren wir? Ach ja.

Die vergangenen drei Jahre habe ich an meiner Vision, meinem Baby Beige gearbeitet. Einem digitalen Zuhause für alle, die gerne hinterfragen, nachdenken, Schönes genießen, dabei aber ihre Privilegien checken. Für eine Generation, die irgendwie alles kennt und oft genug trotzdem nicht mitkommt. Für Leser*innen, die mit offenen Augen durch das Leben gehen und dabei auch mir nicht selten die Augen geöffnet haben. Ich habe in den vergangenen drei Jahren eine Firma gegründet, ein Team geleitet, habe auf Paneltalks gesprochen, Interviews geführt und gegeben, viel gearbeitet, erreicht, mindestens genauso viel geopfert und einen Berg an Dingen über mich selbst gelernt.

Ich bin gewachsen – habe mir in den letzten Wochen aber einmal zu oft den Kopf an der Zimmerdecke gestoßen. Denn der Raum, den ich gerade bewohne, ist zu klein für die Aufgabe, die schon vor der Türe auf mich wartet und daher sage ich heute fürs Erste Tschüss und Baba und verabschiede mich. Auf Instagram werdet ihr mich zwischen Nestbau, Vorschlafen und Alltag natürlich weiterhin begleiten können.

Aber: Zum ersten Mal seit Jahren denke ich in erster Linie wieder nur an mich – wenigstens für eine kurze Zeit. Solange nämlich, bis ich all meine Liebe, Zuwendung, Aufmerksamkeit, meinen Mut und meine Energie meiner Tochter widmen werde.

Au révoir!

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