Die Beige Notes im Mai

Lisas Kopf glüht und glüht

Heieiei, da habe ich aber ordentlich Stoff zum Nachdenken gehabt in den vergangenen Wochen und Tagen. Es passiert gerade einfach so unglaublich viel, über das ich nochmal richtig grübeln muss, dass mein Read-Later-Board bei Feedly schon fast überquillt.

Gleichzeitig genieße ich es aber auch so so sehr, Zugang zu Informationen aus der ganzen Welt zu haben, dass ich am liebsten den ganzen Tag mit dem Lesen von Artikeln aus aller Welt verbringen würde. Vielleicht liegt es an meinem Change of Mind in eine noch radikalere Nachhaltigkeit, der mich nach Informationen gieren lässt? Eventuell ist es aber auch einfach der Versuch, das Weltgeschehen einzuordnen, ohne mich dabei in Schwarz-Weiß-Denken und Plattitüden zu verstricken. Denn es gilt: Wer mehr weiß, weiß Bescheid! Also lese ich und lese ich, bis mir am Ende vom Tag der Kopf raucht.

Meine Mai-Leseleiste ist somit nur die Spitze des Eisberges, man muss ja noch im lesbaren Rahmen bleiben. Es sind die Artikel, deren Kohlen in meinem Oberstübchen noch nachglühen, und ich hoffe, dass sie auch eure Hirnwindungen zum Glimmen bringen. Viel Spaß bei den Beige Notes im Mai!

Platz da, hier kommt Mensch! Über das Artensterben: Süddeutsche (deutsch)

„Seitdem es Menschen auf der Erde gibt, sind noch nie so viele Tiere und Pflanzen ausgestorben wie jetzt.“

Direkt der Einstieg des Artikels zur ersten Veröffentlichung der globale Bestandsaufnahme der Artenvielfalt seit 14 Jahren ließ bei mir direkt die Alarmglocken schrillen: „Seitdem es Menschen auf der Erde gibt, sind noch nie so viele Tiere und Pflanzen ausgestorben wie jetzt.“ Bumm. Unser Lebenswandel ist laut Weltbiodiversitätsrat verantwortlich für ein Artensterben, wie es zuletzt die Dinosaurier ereilte – vor 65 Millionen Jahren wohlgemerkt.

Es ist nicht kurz, es ist eigentlich schon kurz nach Zwölf. Und wir müssen wirklich anfangen uns selbst zu fragen, wie wir diese Erde behandeln und zurücklassen wollen, wenn wir mal nicht mehr sind. Die Süddeutsche Zeitung hat die erschreckenden Zahlen sehr übersichtlich und verständlich zusammengefasst. Bitte lesen, bitte handeln.

Abtreibungsverbot in Alabama und #YouKnowMe: The New Yorker & Papermag (englisch)

Wut, Unverständnis, Ohnmacht, Hass. Die Nachricht, dass die republikanische Gouverneurin des Bundesstaates Alabama, Kay Ivey, das Gesetzt unterzeichnete, das jede Abtreibung illegal macht, brachte mich am Donnerstagmorgen fast zum Ausrasten.

Auf den Weg gebracht wurde das Gesetzt von 25 weißen Vollpfosten. Sorry, ich kann da nicht sachlich bleiben. Alabama ist ein Weckruf, eine Erinnerung, eine Kampfansage, die wir annehmen. Unsere Körper, unsere Entscheidung. Zudem sollte dieses unglaubliche Gesetz ein Anstoß sein, gewisse Prinzipien unseres Demokratieverständnisses zu hinterfragen. Wieso können gewählte Vertreter derartig am Volk vorbeiregieren? Wie können solche Gesetze Realität werden? Hintergründe, wen es betrifft und wie es nun weitergeht, findet ihr in diesem Artikel von The New Yorker.

Auf Papermag könnt ihr nachlesen, wer den Anstoß zum Hashtag #YouKnowMe gab, unter dem nun in den sozialen Medien persönliche Geschichten geteilt werden – und vielleicht auch eure Story teilen!

Auch hier auf Beige haben das Recht auf Abtreibung bereits thematisiert, den Artikel könnt zum Paragrafen 219a könnt ihr hier lesen.

Ich und mein Koffer zuerst! Eine Analyse des Aeroflot-Unglücks: New York Times (englisch)

Wie, um alles in Welt, kann man, während man sich aus einem brennenden Flugzeug zu retten versucht, auch nur eine Sekunde einen Gedanken an seinen scheiß Koffer verschwenden? Diese Frage kreiste nicht nur mir tagelang im Kopf herum, nachdem die Medien über das irrationale Verhalten einiger Fluggäste des Aeroflot-Unglücks in Russland berichtet hatten, die erst ihr Handgepäck und dann sich selbst und andere retteten. 41 Menschen starben im brennenden Jet – während einige Überlebende ihre Rollkoffer über die Landebahn schoben.

Sind wir schon so weit, dass unser Konsumverhalten, unsere Besitztümer uns wichtiger sind als das Leben? Oder geht es hier um mehr? Wie würde ich reagieren, wenn ich mich in akuter Lebensgefahr befinde? Würde ich rational handeln? Ein interessanter Artikel in der New York Times geht dieser Frage wissenschaftlich nach – OHNE nach einer Entschuldigung zu suchen oder das Verhalten dieser Menschen zu relativieren. Sehr interessant und eine Basis für weiterführende Gespräche.

Sustainable Check – Mode leihen statt kaufen: Vogue (deutsch)

Kleider leihen, anstatt sie zu kaufen. Eine Idee, die zwar nicht neu ist, sich aber sehr schwer durchsetzt. Als echte Pionierinnen in Deutschland gründeten Thekla und Pola 2012 die Kleiderei – und waren vielleicht zu früh dran mit ihrer Vision für mehr Nachhaltigkeit. Im April 2018 mussten die beiden mutigen Gründerinnen Insolvenz anmelden. Doch gute Ideen setzen sich durch!

Und so ist Thekla wieder mit Stay A While unterwegs – und inzwischen in bester Gesellschaft! Die Vogue hat in einem übersichtlichen Artikel nicht nur die Top 5 Leihkonzepte in Deutschland vorgestellt, sondern gibt außerdem nützliche Tipps rund um das Leihen von Kleidung an die Hand. Den ganzen Artikel gibt es hier für euch! Wer weiß, vielleicht wandert für die nächste Hochzeit oder den Jahresurlaub ein geliehenes Outfit in euren Kleiderschrank...

Schubladendenken im Sport – Der Fall Caster Semenya: Podcast Süddeutsche (deutsch)

Die Natur hat Mann und Frau geschaffen; und sich die Freiheit genommen, biologische und identitäre Grenzen verschwimmen zu lassen. Im kollektiven Bewusstsein kommt die Tatsache, dass es mehr als nur zwei Geschlechter gibt zwar schleppend, aber immerhin langsam an. In der Sportwelt kann mit solcherlei Grauzonen absolut nicht umgegangen werden. Jüngstes Beispiel ist das erneute Hochkochen der inzwischen zehn Jahre andauernden Diskussion um die südafrikanische Sportlerin Caster Semenya.

Die hyperandrogyne Olympiasiegerin Semenya besitzt zu viele männliche Hormone, was ihre sportliche Leistung als Frau überdurchschnittlich steigert. Der oberste Sportgerichtshof lehnte jüngst ihren Einspruch gegen eine Testosteronobergrenze ab. Heißt: Entweder Caster nimmt hormonsenkende Medikamente ein – oder sie darf nicht mehr als 800-Meter-Läuferin antreten.

Es geht hier um mehr als um Sport. Es geht um die Frage, was Geschlecht bedeutet, was Frauen zu Frauen und Männer zu Männern macht. Wo wird die Grenze gezogen, wie können intersexuelle Menschen in das Gender-Schema der Sportwelt hineinpassen? Welche Rolle spielen Ethik, Würde und Wettbewerb? Der Podcast „Und nun zum Sport“ der Süddeutsche Zeitung hat sich mit diesen Fragen beschäftigt.

Fünf intime Einblicke in die Welt von Tyler Mitchell: New York Times (englisch)

Der bisherige Höhepunkt der Raketenkarriere des jungen schwarzen Fotografen Tyler Mitchell war sein Cover für die amerikanische Vogue vergangenen Sommer. Für den Titel der Septemberausgabe fotografierte er als erster afroamerikanischer Fotograf Beyoncé – und katapultierte sich in den Olymp der zeitgenössischen Modefotografie, wie sie Kunden wie Converse oder Dazed & Confused lieben.

Tyler Mitchell hat aber noch mehr zu sagen. Ein Großteil seiner Arbeit beschäftigt sich mit Identität, Hautfarbe und Geschlechterrollen. Das Foam in Amsterdam zeigt gerade Mitchells erste Soloausstellung „I Can Make You Feel Good“, die ihr unbedingt besuchen solltet, wenn ihr zufällig dort seid. Die New York Times hat fünf Bilder aus der Ausstellung ausgewählt, um sie im Interview mit Mitchell tiefergehend zu besprechen. Lesenswert!

Wir leben schon im Second Life: Amazed (deutsch)

Kennt ihr noch Second Life? Die künstliche Parallelwelt sorgte Anfang der 2000er-Jahre für Furore und versank dann in den ewigen Egal-Welten des WWW. Thema abgehakt? Keineswegs! Amelie von Amazed hat auf der Frage herumgekaut, ob wir nicht schon längst in einem Second Life leben. Einem, das wir in unserer Jackentasche immer griffbereit mit uns herumtragen und das sich – Social Media sei Dank – quasi nahtlos in unsere reelle Existenz eingewebt hat.

Amelie hat dabei Fragen angestoßen, die mich wirklich zum Nachdenken gebracht haben und an denen ich mir jetzt ordentlich den Kopf zerbrechen kann. Danke, Amelie, für den Brainfuck! Ihr wollt auch Stoff für Grübeleien und Diskussionen? Dann lest unbedingt Amelies Kolumne auf Amazed!

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