Die neue Kolumne: How to buy a Ferienhaus

Tschüss Wohnungskolumne (nein, Spaß, die bleibt), hallo Ferienhauskolumne!

Was? Wie bitte? Marie möchte ein Ferienhaus kaufen? Ja, genau! Das möchte ich! Und dieser Artikel ist ganz und gar nicht dazu da, damit anzugeben oder mit unseren Plänen zu prahlen, sondern weil ich euch zeigen möchte, wie das mit dem Immobilienkauf funktioniert – oder auch nicht! Was für (teilweise) absurde Hürden man als Käufer*in in den Weg gelegt bekommt. Und ich möchte euch Wissen vermitteln, das ich gerade neu lerne und das mir unheimlich hilft. Geteiltes Wissen und Erfahrungen sind doppeltes Wissen und Erfahrungen, oder?

Bei vielen Personen des öffentlichen Lebens (und ja, damit meine ich auch Influencer*innen) hat man das Gefühl, dass alles vom Himmel fällt. Die Chanel-Tasche, die Beauty-Samples zum Testen, aber eben auch die fette Karre und die Luxusvilla mit Designermöbeln. Das liegt daran, dass keiner darüber spricht, wie der Weg dorthin aussieht. Wie hart man arbeiten muss und wie viele Enttäuschungen und Niederlagen man hinnehmen muss, bis man all das erreicht hat. Die Dinge, die man auf dem Weg dahin lernt. Und das soll sich ändern. Ich hätte nämlich auch nie gedacht, dass ich mir als noch junge Unternehmerin ein Haus kaufen kann. Kann ich aber. Klar, nicht in jedem Budget, aber generell kann ich es. Und ihr könnt das auch (auch ohne Designerhandtasche und Beauty-Samples und hunderttausend Follower*innen). Also lasst uns doch einfach über alles sprechen und voneinander lernen. Das ist mein neues Credo. Ich hoffe, ihr mögt's! Und ich freue mich, wenn wir uns über unsere Erfahrungen austauschen.

Ein Ferienhaus. Wie kommt's?

Angefangen hat diese Reise vor circa zwei Jahren, als wir, Lukas (mein Freund) und ich uns überlegt haben, dass wir unser Geld gemeinsam in einer Immobilie anlegen wollen. Langfristig. So als Investition in die Zukunft. Nach vielen Wochen auf Immobilienportalen, einem realistischen Blick auf unsere Bankkonten und vor allem der Entwicklung des Berliner Wohnungsmarkts war dann aber schnell klar: Eine Wohnung mit dem Standard und der Größe, wie wir sie für uns als Eigenbedarf für unsere Zukunft wünschen (also circa vier Zimmer und ab 120 Quadratmeter), können wir uns gerade in Berlin-Mitte oder Schöneberg nicht leisten. Der Immobilienmarkt ist gerade einfach verrückt und noch verrückter finde ich es, dass es Leute gibt, die Wohnungen und Häuser im Wert von mehreren hunderttausend Euro (oder auch einer Million) einfach bar kaufen. Und das sogar, obwohl sie die Objekte noch nicht mal besichtigt haben. Aber das ist ein anderes Thema.

Ein Traum von Haus. Unser Ferienhaus im Yucca Valley in Kalifornien im März 2020

Da wir in unserer Mietwohnung aber ehrlich gesagt auch mehr als glücklich sind, viele Investitionen wie den Einbau der Küche und des Kleiderschranks getätigt haben und die Lage perfekt finden, ist das auch gar nicht so schlimm. Mir als waschechter Berlinerin, die nicht mit einem Balkon aufgewachsen ist, fehlt das Grüne gar nicht mal so sehr. Aber Lukas, der am Bodensee aufgewachsen ist und seine Kindheit in einem Garten und am Wasser verbracht hat, vermisst die Natur schon sehr. Lange haben wir überlegt, wie wir unsere beiden Lebenswünsche, Großstadt und Natur, vereinen können und haben viele Gedanken – wie eine Parzelle in einer Kleingartensiedlung (an die man im Moment dank jahrzehntelanger Wartelisten eh nicht drankommt) – wieder verworfen. Auch komplett ins Grüne ziehen ist (noch nicht) realistisch, dazu lieben wir beide das wilde Kieztreiben, unsere kurzen Arbeitswege und den Kaffee und das Sushi um die Ecke viel zu sehr.

Am Ende sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass ein kleines Ferienhaus oder auch ein Wochenendhaus, das nicht allzu weit entfernt von Berlin liegt, aber doch weit genug, um in der Natur zu sein, für uns eine ideale Lösung sein könnte.

So jung und schon ein Kredit?

Als dieser Entschluss fest stand, habe ich erstmal ganz schön Muffensausen bekommen. Risikohafte Investitionen und generell Geldanlage sind für mich Themen, vor denen ich (leider!) bisher immer gehörig Respekt hatte. Ja, ich bin der Typ, der Angst hat auf sein Konto zu schauen, auch wenn ich weiß, dass es dafür keinen Grund gibt und ich tatsächlich noch nie in meinem ganzen Leben einmal im Minus war. Diese Angst habe ich aber auch erst, seitdem ich selbstständig bin, einfach, weil ich es nicht mag, Kund*innen wegen Rechnungen hinterherzulaufen und hier im schlimmsten Fall einen Anwalt einzuschalten tunlichst vermeiden möchte. Kann man aber nun mal nicht immer. So ist das Leben. Und Gott sei Dank habe ich zu 99 Prozent auch tolle Kund*innen, die schnell und zuverlässig zahlen. Von Steuernachzahlungen fange ich jetzt gar nicht erst an ...

Letztes Jahr habe ich dann aktiv angefangen, an meinen Ängsten zu arbeiten und eine Tabelle mit Ein- und Ausnahmen erstellt und am Anfang des Jahres zusammen mit meinem Steuerberater sogar eine Jahresplanung für Beige und mich gemacht. Wow, es tut so gut, einen Plan und die Kontrolle zu haben. Auch am Thema Investitionen, Anlage, Altersvorsorge und Sparen bin ich dran. Und stolz darauf. Mit meinen 26 Jahren ist es schließlich für nichts zu spät und alle Weichen stehen mir noch offen!

Mit 26 Jahren ein (Ferien)Haus zu kaufen, klingt für viele Berliner*innen vielleicht verrückt, auf dem Land ist das aber ganz normal, so früh mit oder für seine Familie das erste Eigenheim zu bauen oder zu finanzieren. Wer mir das verraten hat? Unsere Finanzberaterin. Denn ja, wir haben uns Hilfe und Beratung an die Seite geholt, als wir gemerkt haben, dass wir vom Thema Immobilienfinanzierung eigentlich keine Ahnung haben. Und oh, wie ich unsere Beraterin liebe!

In kürzester Zeit ist sie gefühlt zu unserer wichtigsten Vertrauensperson geworden und was für ein Glück, sie hat nicht nur generell Ahnung von Finanzen, sondern ist auch noch zufällig eine leidenschaftliche Immobilienexpertin mit einem Hobby für Ferienhäuser. Nach einem dreistündigen Kennenlernen, weiß sie jetzt alles über mich, mein Unternehmen und gefühlt auch über unsere Beziehung, unserer Zukunftspläne und unseren Geschmack. Ich konnte alle „doofen“ Fragen stellen und fühle mich jetzt sehr gut und realistisch beraten.

Auf der Suche nach dem richtigen Haus

Klingt ja alles traumhaft einfach, denkt ihr euch jetzt. „Und, welches Ferienhaus habt ihr euch gekauft?“ Die Antwort kann ich mit einem weinenden und lachenden Auge beantworten. Denn was Makler*innen (und Instagram) immer so einfach ausschauen lassen, ist es nicht. Alleine eine passende, bezahlbare und schöne Immobilie zu finden, erscheint beim derzeitigen Marktgeschehen (denn ihr könnt es euch denken, dank Corona sind wir nicht die einzigen, die auf der Suche nach einem Ferienhaus sind), den explodierenden Preisen, den Bauvorschriften in Deutschland, dem vorherrschenden Baustil und unseren Ansprüchen in Sachen Alleinlage unmöglich.

Gerade letzteres, also die einsame Lage, ist eine Krux, die wir uns selbst auferlegt haben. Ich selbst suche, wenn wir bisher Urlaub gemacht haben, immer nach Häusern, die möglichst keine direkten Nachbar*innen haben. Ich möchte im Urlaub so laut Musik hören, am liebsten unbeobachtet im Bikini in der Sonne liegen und mit niemandem sprechen oder Rücksicht auf andere nehmen. So kenne ich das einfach aus den Urlauben mit meinen Eltern in Schweden, wo wir an Seen oder am Meer einfach in kleinen, einfachen Holzhäusern gewohnt haben und die*der nächste Nachbar*in mehrere Kilometer weit entfernt waren.

Nun macht Deutschland einem genau das extrem schwierig. Zersiedelung ist mein ganz persönliches Unwort 2021, denn das möchte unsere Bundesrepublik vermeiden. Am liebsten ist es ihnen, wenn wir alle dicht an dicht gedrängt an einer Straße mit unserem Nachbarn wohnen. Privatsphäre? Das braucht doch ein*e gute*r Bürger*in nicht, dafür gibt es schließlich Spitzengardinen – mein persönlicher Albtraum.

Der deutsche Bürokratie- und Wohnalbtraum

Davon können deutsche Architekt*innen nur träumen: Bauen ohne viel Bürokratie wie in Palm Springs, Kalifornien

Apropos Albtraum. Ich möchte wirklich niemandem auf dem Schlips treten, aber für Lukas und mich ist der Stil, in dem in Deutschland gebaut wird, leider alles andere als akzeptabel. Als Architekt hat Lukas noch einmal ganz andere ästhetische Ansprüche an eine Immobilie und nun ja, ich als Nicht-Architektin habe den irgendwie auch. Reihenhäuser, Doppelhaushälften und Fertighäuser sind leider absolut nicht unser Geschmack, wir sind auf der Suche nach etwas mit Charme oder einer Substanz, die man gut umbauen und modernisieren kann.

Also dachten wir uns: Hey Lukas ist Architekt. Wir bauen einfach selbst ein Haus und suchen jetzt nur ein Grundstück. Leichter gesagt, als getan. Denn ein Grundstück fernab von einer Stadt und jeder Menge Nachbarn ist ganz schnell mal Außenbereich und der darf laut deutschem Gesetz entweder gar nicht oder nur sehr begrenzt und mit vielen Auflagen bebaut werden. Jeder Umbau muss genehmigt werden, gefühlt jede Wand oder jeder Stein der gesetzt wird, bewilligt werden. Auch etwas, was mich neben der Zersiedelung generell wahnsinnig nervt: das Bauamt mit all seinen Auflagen.

Wir müssen uns in Deutschland auch wirklich nicht wundern, dass wir teilweise so hässliche Massenarchitektur haben, wenn wir alles, was außerhalb einer DIN-Norm liegt, ablehnen. Wer anders bauen will, muss sich erstmal gegen verdammt viele Behörden durchsetzen. Das nervt so sehr. Ich warne also mal gleich alle zukünftigen Architekt*innen da draußen: Ihr werdet zu 10 Prozent entwerfen und zu 90 Prozent mit Behörden und Formularen zu tun haben. Viel Spaß!

Uns hat das also ehrlich gesagt trotz Lukas' Beruf die Lust auf das Selbstbauen ziemlich gedämmt. Auch, weil wir gerade im familiären Umkreis erleben, wie der Außenbereich und das Bauamt einem Bauvorhaben einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen können, auch wenn weit und breit kein Nachbar oder kein Vogel im Artenschutz ist, den der Anbau interessieren könnte. Aber na gut, wie sehr uns unsere Bürokratie als Nation lähmt, das sehen wir ja alle gerade mit dem Impfstoff und der Pandemie-Bekämpfung nur allzu gut ...

Haben wir auch neu gelernt: Von einer Bank kriegt man als Privatperson für ein unbebautes Grundstück nur selten einen Kredit. Die interessiert nur die Immobilie, die auf das Grundstück gebaut wird. Im Idealfall bezahlt man ein Grundstück also mit dem vorhandenen Eigenkapital und kann dann für die Immobilie einen Kredit aufnehmen.

Selbstständig? Nein, danke!

Jetzt hab ich die Finanzierung schon angesprochen. Das ist auch ein komplexes Thema, das bei mir viele Emotionen aufgewirbelt hat. Gut, während einer Pandemie eine Bank um Geld zu bitten, erscheint mir vielleicht nicht der cleverste Zeitpunkt, aber die Immobilienmarktexplosion zeigt doch, dass das gerade sehr viele Menschen machen. Was im letzten Jahr noch gut funktioniert hat, ist dieses Jahr deutlich schwerer, versicherte uns auch unsere Beraterin. Die Banken haben Angst, können die Dauer der Pandemie und die wirtschaftliche Zukunft nicht einschätzen, frieren gerade alles ein. Bei Ferienimmobilien sehen die meisten Banken generell eh rot, jetzt in der Pandemie, in der Tourismus überhaupt nicht mehr möglich ist, ist es das K.-o.-Kri­te­ri­um. Ein Glück gilt das aber nur für Ferienimmobilien, die man vermieten möchte.

Was mich aber seit ein paar Tagen sehr aufregt und auch der Grund ist, dass ich mir gedacht habe, dass ich über die Suche einen Artikel schreiben muss, ist, dass fast alle Banken inoffiziell seit dem 1. April keine Finanzierungen mehr für Selbstständige machen. Unabhängig vom Gehalt. Ist das nicht unfassbar?!

Egal ob ich, so wie ich es mit Beige habe, eine GmbH mit Schutz meines Privatvermögens im Rücken habe, egal ob ich monatlich 500 Euro oder 15.000 Euro verdiene, egal wie viele Angestellte ich habe oder welche Sicherheiten ich mitbringe. Im Portal unserer Immobilienberaterin sehen wir, dass wir unfassbar viele Finanzierungen aus rein finanztechnischen Gründen einfach bekommen würden. Das Ausschlusskriterium ist einzig und allein, dass ich selbstständig bin. Nicht mein Gehalt, nicht unsere Fixkosten. Nur der Fakt, dass ich selbstständige Unternehmerin bin.

Im (absurden) Beispiel würde das nämlich bedeuten, dass meine Angestellten easy einen Kredit bekommen, ich als ihre Arbeitgeberin aber nicht. Ich bin wirklich sprachlos, dass das in dem Land passiert, in dem quasi die gesamte Wirtschaft auf mittelständischen Unternehmen aufgebaut ist und wir als selbstständige Unternehmer*innen Arbeitsplätze schaffen und dafür anscheinend noch bestraft werden. Ein Glück gibt es anscheinend noch ein paar Banken, die Ausnahmen machen oder sich vom dem Fakt, dass ich eine GmbH habe, doch beruhigen lassen.

Und was nun?

Ein Ferienhaus haben wir bis jetzt leider noch nicht gekauft. Aber wir haben eine Finanzberaterin, eine Bonitätsbescheinigung, kreditgebende Banken und klare Kriterien, was wir uns für ein Ferienhaus wünschen.

Und hey, heute haben wir uns ein Ferienhaus angeschaut, was alles erfüllen würde. Jetzt hoffen wir mal, dass wir um ein Bieterverfahren drumherum kommen (denn das ist leider die neue Angewohnheit von Makler*innen und Verkäufer*innen, die eh schon extrem hohe Preise momentan verlangen) und uns gegen die anderen Interessenten durchsetzen können. Wenn ihr Tipps habt, dann schreibt mir gerne. Für unser Traumhaus bin ich bereit, den Verkäufern jede Menge Kuchen zu backen, persönliche Briefe zu schreiben und quasi meine Seele zu verkaufen.

Also her mit den Tipps und bitte drückt uns eure Daumen, damit wir hier bald eine neue Renovierungskolumne starten können! Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden und teile weiter meine Learnings mit euch. Ist doch klar!

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