Kunst kaufen – aber wie? Im Gespräch mit Daniel Janzen

Daniel Janzen ist Gründer und Art Consultant der Online-Plattform Meet Pablo. Wir haben mit ihm über einen guten Einstieg in die Welt des Sammelns, seine Vermittlerposition und das digitale Kunsterlebnis gesprochen

Mit einem einfachen Klick zum großen Kunst-Glück? Das klingt erst mal ziemlich vielversprechend. Wir bestellen Schuhe und die passende Brille online – wieso also nicht auch das perfekte Kunstwerk? Der Vorteil: Auf dem heimischen Sofa shoppt es sich am bequemsten. Wer den Besuch einer Galerie oder eines Auktionshauses scheut, kann digital ganz einfach zuschlagen. Aber kann die Begeisterung für ein Gemälde ohne das Live-Erlebnis entfachen und wie zukunftsträchtig ist der digitale Kunstmarkt wirklich?

Diese und weitere Fragen haben wir Daniel Janzen gestellt, seines Zeichens Gründer und Art Consultant von Meet Pablo. Die Online-Plattform gibt es seit 2018 und das Konzept ist einfach: Hier gibt es Kunst „von who is who bis who is this“ zu kaufen. Scrollt man durch die Liste der vertretenen Künstler*innen, bestätigt sich diese Devise: Auf dem Portfolio stehen große Namen wie Jorinde Voigt, Thomas Baumgärtel und Christo neben sogenannten „Art Ups“, Künstler*innen, die noch vergleichsweise wenig im Gespräch sind. Was für einige wahllos klingen mag, offenbart viele Möglichkeiten: Hier findet jede*r Kunst, die ihm oder ihr gefällt. Wer nicht tief in den Geldbeutel greifen möchte, wird ebenfalls fündig. Einige hundert bis mehrere tausend Euro kann man hier investieren. Wir haben Daniel Janzen über das Konzept von Meet Pablo und die Vor- und Nachteile des Online-Kunsthandels ausgequetscht.

Daniel, welche Vorteile hat der digitale Kunstmarkt gegenüber dem herkömmlichen?

Das Internet ist ein großartiger Ort um mit dem Kunstsammeln zu beginnen. Online gibt es eine riesige Auswahl, viele Möglichkeiten und große Transparenz. Da man die Preise bekannter Künstler*innen online gut vergleichen kann, können sie nicht mehr so stark variieren. Generell ist es wie mit jedem Thema, dem man sich neu widmet: Je mehr man sich damit beschäftigt, desto besser, schneller und zielstrebiger wird man.

Euer Angebot ist riesig, die Künstler*innen und Preise sehr unterschiedlich. Wer ist denn nun eure Hauptzielgruppe?

Genau das ist unsere Philosophie – wir haben keine Zielgruppe. In der Ansprache richten wir uns zwar eher an die Kunstneulinge, letztendlich entscheidet aber der oder die Betrachter*in. Der Kunstmarkt beginnt nun mal bei jungen Photoshop-Künstler*innen und reicht bis zu den großen Weltstars, die man im MoMa in New York sehen kann. Wir machen da keinen Unterschied. Es gehört zu unseren Aufgaben, Hemmschwellen und Hürden abzubauen.

„Es gehört zu unseren Aufgaben, Hemmschwellen und Hürden abzubauen.“

Für viele Menschen ist der Onlinehandel mit Kunst zu unpersönlich.

Ja, das ist er leider. Aber wir werden das zeitnah ändern. Wir haben die aufgezwungene Entschleunigung der Corona-Beschränkungen dafür genutzt, uns genau diesem Thema mehr zu widmen.

Apropos Corona: Welchen Einfluss hatten die letzten Monate auf euer Geschäft?

Corona hat für uns sehr viel verändert. Kein Stein steht mehr auf dem anderen. Wir werden den ganzen Sommer brauchen, um uns neu zu sortieren und neu aufzustellen.

Meet Pablo nimmt nach eigener Aussage eine Art Vermittlerrolle zwischen Galerien, Künstler*innen und potenziellen Käufer*innen ein. Wie kann ich mir das genau vorstellen?

Unsere Arbeit gleicht der von einem Fährmann. Wenn man zu uns an Bord kommt, versuchen wir, den richtigen Hafen zu finden. Nicht selten verweisen wir dann an eine gute Galerie, ein spezielles Event oder direkt an einen Sammler oder eine Sammlerin.

Welchen Vorteil gibt es für Künstler*innen, direkt über Meet Pablo zu verkaufen?

Nicht jede*r Künstler*in kann oder will sich vermarkten. Weil Reichweite aber sehr wichtig ist, greifen wir unterstützend ein. Unser Magazin ist das auflagenstärkste in Europa und wir verlegen es zusammen mit Qualitätsmedien wie zum Beispiel dem Handelsblatt. Da wir selten etwas exklusiv machen, sind die Künstler*innen sehr frei und wir bieten eine sinnvolle Ergänzung. Nicht selten fragen uns die Künstler*innen um Rat, wenn sie Anfragen von Galerien haben. Wir entwickeln eine Strategie, basierend auf dem Wunsch der Künstler*innen. Durch unser Netzwerk können wir ihnen dann gute Empfehlungen geben. Gerade jetzt, in Zeiten von Corona, hat sich dieses Arbeitsfeld verdoppelt.

Wieso sollte ich als Sammlerin über euer Portal einkaufen und nicht direkt beim Künstler oder der Galerie?

Wir vermitteln Künstler*innen. Es geht uns immer mehr um den oder die Schöpfer*in – nicht um das Werk. Übrigens kaufen immer mehr Menschen die Werke direkt im Atelier. Die jungen Künstler*innen sind ihre eigenen Broadcaster und lernen, ihre Sammler*innen selbst zu informieren.

Der Kunstbetrieb hat häufig ein verstaubtes Image. Wie kann man deiner Meinung nach jüngere Menschen an den Kauf von Kunst heranführen und dafür begeistern?

Durch das Internet und die Digitalisierung wandelt sich dieses verstaubte Image schon seit einer Weile. Wir versuchen, den Einstieg in die Kunst zu erleichtern, indem wir helfen, etwas über den oder die Künstler*in zu erfahren. „Kunst ist unerklärlich – bis du ihre*n Schöpfer*in kennst.“ - Das Zitat habe ich mal gelesen und fand es sehr passend.

„Nichts schlägt das Erlebnis, Künstler*innen live bei der Arbeit zuzusehen.“

Kann ich mich bei euch auch individuell beraten lassen?

Natürlich, das ist sogar ein großer Teil unserer Arbeit.

Kunst lebt stark von der persönlichen Erfahrung. Ihr seid auch auf Messen unterwegs, zum Beispiel auf der Art Basel in Miami Beach. Ist komplett digital also doch (noch) nicht möglich?

Jede*r informiert sich im Internet über aktuelle Kunstthemen – das funktioniert schon ziemlich gut. Aber nichts schlägt das Erlebnis, Künstler*innen live bei der Arbeit zuzusehen. Aus diesem Grund haben wir mit unserer Veranstaltungsreihe „ART BREAK“ begonnen, die genau dort einhakt.

Wie läuft so ein „ART BREAK“ ab?

„ART BREAK“ kann man sich wie eine Pause von allem vorstellen. Wir kreieren bewusst eine entspannte Atmosphäre, weniger ist mehr. Die letzte „ART BREAK“ hat an einem Sonntagnachmittag stattgefunden, es gab tolles Essen und Getränke. Drei Künstler waren mit einigen ihrer Werke anwesend. Man konnte mit ihnen über ihre Kunst sprechen und verstehen, was sie antreibt.

Letzte Frage: Hast du noch gute Tipps für Neulinge im Kunstgeschäft?

Klar – Meet Pablo folgen und viele Fragen stellen. Das Internet bietet den schnellsten und transparentesten Weg. Die ein oder andere Kunstmesse, Vernissage oder Ausstellung zu besuchen, kann natürlich auch nicht schaden.

Vielen Dank für das offene Gespräch!

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