Von Atemtechnik bis Zen – Alles über Lisas Yoga-Ausbildung auf Bali

Was heißt „Das war die beste Entscheidung meines Lebens" auf Sanskrit?

Seit nicht mal zwei Wochen bin ich wieder in Berlin. Mein Kopf ist trotz zurückgekehrter Routine und To-dos noch immer voll von unbezahlbaren Erinnerungen, die mir rückblickend manchmal fast wie ein unscharfer Traum erscheinen. Wie viel Erlebnisse und Leben kann man in knapp vier Wochen packen? Ich weiß es nun: eine ganze Menge!

Denn dieser Monat auf Bali, der war kein Traum. Das beweisen mein Yogalehrer*in-Zertifikat und die unzähligen Fragen, die mich während meiner Ausbildung per Instagram und über Beige erreicht haben. Marie wurde indes vor Ort in Berlin gelöchert und begrüßte mich zurück mit den Worten: „Lisa, du musst einen Artikel über deine Ausbildung schreiben. Ich wurde vier Wochen lang mit Fragen bombardiert!“. Na dann, here we go! Mit diesem Artikel möchte ich euch allen all eure Fragen beantworten. Zum Thema Yoga hatte ich mich in meiner Bali-Kolumne nämlich weitestgehend zurückgehalten, um euch nicht mit meiner spirituellen Reise Richtung Samadhi zu nerven. Anscheinend hätte ich das Thema aber ruhig mehr einfließen lassen können. Nun, dann mache ich nun einfach hier, ha. Wer nach dem Lesen noch immer einige Fragezeichen hat, kann mir einfach in den Kommentaren schreiben, ich beantworte Fragen sehr gern! Ebenfalls herzlich willkommen ist Input, falls ihr selbst eine Ausbildung hinter euch habt und / oder absolute Yogi-Cracks seid.

Und sorry für diesen Bilderwust, aber ich habe während meiner Bali-Zeit wirklich alles priorisiert, bis auf meine Foto-Duty!

Warum überhaupt eine Yoga-Ausbildung?

Ja, warum eigentlich? Den Floh setzte mir meine Freundin Anna während ihres Besuchs im Frühjahr in Berlin ins Ohr. Wir waren während unseres gemeinsamen Studiums in Düsseldorf Arsch und Eimer. Da Anna inzwischen in der Schweiz lebt, ist der Kontakt zwar sporadischer, aber nicht weniger herzlich. Entsprechend überrascht war ich, als sie mir berichtete, die 200-Stunden-Yogaausbildung gemacht zu haben, da ich Anna nie als Yogini wahrgenommen hatte. Meine Fragen prasselten natürlich nur so auf sie nieder. Für sie war das Training eine wichtige Zäsur in einer harten Lebensphase und ein Neustart. Ich war zu der Zeit ebenfalls irgendwie lost und wusste nicht, wie ich aus dem Hamsterrad in meinem Kopf hinauskommen sollte. Was mir half, wusste ich allerdings: Yoga. Ich praktiziere seit etwa fünf Jahren wirklich bewusst, ließ meine Praxis aber aufgrund von Zeitmangel immer mal wieder schleifen. Anfang 2019 brachte ich wieder Kontinuität in meine Zeit auf der Matte und es half mir unheimlich, mich ruhiger und ausgeglichener zu fühlen.

Eine Ausbildung also ... so so ... der Gedanke ließ mich nicht los. Ich weiß nicht, was mir den letzten Schubs gab, aber im Juni stand mein Entschluss fest: Lisa, du machst die Yogalehrer-Ausbildung! Für dich! Du lernst etwas Neues, bist mutig, du machst diese Erfahrung und du wirst als neuer Mensch zurückgekommen! Gesagt, getan, gebucht. In vier Monaten würde ich auf die vielleicht spannendste Reise meines Lebens gehen.

Die großen Ws: Wann, Was, Wo, Wie lange, bei Wem?

Eine der häufigsten Fragen während meiner Ausbildung? Wie und wo ich sie gefunden und gebucht habe. Hier gibt es sehr viele Möglichkeiten und bevor ihr in die Recherche geht, solltet ihr mit euch auskaspern, wo, wie und warum ihr eure Ausbildung machen wollt. Für mich stand fest, dass ich zwischen mich und meinen Alltag möglichst viele Kilometer packen möchte. Da es im November in unseren Breitengraden schon sehr kalt ist, war viel Sonne eine weitere Bedingung. Für den Real Deal in Indien fehlte mir der Mumm, also wurde es Bali. Die Insel der Götter stand schon lange auf meiner Reiseliste. Gebucht habe ich über die Plattform BookYogaRetrats und mich ganz pragmatisch an Inhalten der Ausbildung, Bewertungen, Preis und Zeitraum orientiert. Fertig. Es gibt auch in Deutschland und Europa zahlreiche sehr gute Möglichkeiten, eine 200h-Ausbildung (und darüber hinaus) zu machen. Hier müsst ihr einfach schauen, was für euch und eure individuelle Situation infrage kommt. Die wichtigsten Fragen, die ihr euch stellen solltet:

1. Wann und wie habe ich Zeit?

Yoga und Zeitdruck schließen sich aus. Macht also eine Intensiv-Ausbildung nur, wenn ihr euch mehrere Wochen lang wirklich ausklinken könnt. Es ist euch überlassen, wie sehr ihr die Verbindungen zum Alltag kappt und ihr seid keine schlechteren Schüler*innen, wenn ihr eure Erfahrungen auf Instagram teilt oder täglich eure E-Mails lest. Wer allerdings noch einen Pitch auf dem Tisch liegen hat oder die Masterarbeit fertig schreiben muss, sollte die Ausbildung lieber verschieben. Ist eine längere Auszeit für euch in naher Zukunft ausgeschlossen, schaut in Studios in eurer Umgebung nach einer mehrmonatigen Ausbildung. Die finden meistens an einem Wochenende im Monat statt und ziehen sich über ein Jahr. Dafür habt ihr viel Zeit, das Gelernte zu üben und eure Praxis während der Ausbildung zu optimieren.

2. Wie viel Geld möchte ich investieren?

Klar, teuer heißt nicht automatisch auch gut, aber sehr günstige Ausbildungen (unter 1000 Euro, je nach Land), solltet ihr euch ganz genau anschauen. Qualität hat ihren Preis und eine gute Ausbildung sollte es euch wert sein. In Europa wird es schnell hochpreisiger als in Asien oder Indien. Bei Ausbildungen in Übersee kommen dafür noch die Flugkosten obendrauf. Auch, ob ihr intensiv oder über ein oder mehrere Jahre lernt und der Background und die Ausbildung eurer Lehrer*innen schlägt sich im Preis nieder. Ganz wichtig: Auch, wenn ihr später nicht unterrichtet möchtet, stellt sicher, dass die Ausbildung von der Yoga Alliance America zertifiziert ist. Eine Zertifizierung der Yoga Alliance India ist die Kirsche on top.

3. Weiß ich, was auf mich zukommt?

In der 200h-Ausbildung erhaltet ihr das Fundament für eure Praxis und für ein Leben nach den Prinzipien des Yogasutra von Patanjali. Dazu gehören neben den Asanas auch das Meditieren, Pranayama (Atemübungen), Mantras, Anleitungen zum Umgang mit sich selbst und miteinander im Alltag und und und. Yoga ist – und das kann ich nicht oft genug betonen – eine Lebenseinstellung und Philosophie und keine Sportart. Ihr müsst bereit sein, euch komplett dieser Welt zu öffnen und ja, dazu gehört auch ein Klecks Spiritualität und Glauben. Es lohnt sich außerdem, sich körperlich auf die Ausbildung vorzubereiten, da einiges abverlangt wird. Ein Grundmaß an Fitness und Dehnbarkeit schaden auf keinen Fall.

4. Welche Inhalte sind mir wichtig?

Das Basiswissen um Pranayama, Meditation, Philosophie und die Philosophie des Yoga wird in allen 200h-Ausbildungen vermittelt. Die Schwerpunkte in den Stilen kann aber variieren und hier ist es natürlich von Vorteil, sich ein wenig auszukennen. Hatha und Ashtanga sind meistens die Basis und je nach Schule habt ihr die Wahl im Prinzip alle anderen Stile ebenfalls kennenzulernen. Falls ihr hier noch relativ unbefleckt seid, könnt euch auch vorab in die Grundlagen des Yoga einlesen und entsprechende Klassen besuchen, um eure Vorlieben herauszufinden.

5. Wie bereite ich mich vor?

Eine gute Basis sind besagte Yogasutras von Patanjali und die Bhagavadgita (die in Indien übrigens zur Standardliteratur gehört). Ich habe vorab die Yoga-Anatomie von Leslie Kaminoff gelesen, was mir wirklich gutes Basiswissen vermittelt hat und habe versucht, so oft wie möglich Yogaklassen zu besuchen. Die beste Vorbereitung ist ein offener Geist und Lust, etwas zu erleben. Seid euch außerdem bewusst, dass, je nachdem, wo es euch hinzieht, eure Ausbildung in Englisch erfolgt.

Die größte Frage: Wie viel Erfahrung muss man haben?

Die allergrößte Frage war die nach der Vorerfahrung. Kann man eine Yogalehrer-Ausbildung nur absolvieren, wenn man bereits mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte praktiziert? Blamiere ich mich, wenn ich als blutiger Anfänger da auftauche? Größenwahn ahoi? Nein, keine Sorge!

Wisst ihr, was das Beste am Yoga ist? Es ist eine Lebenseinstellung, ein Mindset und eine Philosophie. Yoga verwebt sich mit dem Leben und ist so viel mehr, als auf der Matte Asanas zu praktizieren. Yoga lernen und leben hört nie auf. Es gibt keinen Leistungsdruck oder Vergleiche. Nach drei Yogaklassen ist euer Ehrgeiz geweckt und ihr habt Lust, richtig tief einzutauchen? Dann macht die Ausbildung. Egal, ob ihr schon jahrelang am Ball seid oder gerade erst gemerkt habt, wie viel Freude euch Yoga bereitet, es gibt keine Vorgaben oder Verbote, ihr werdet mit offenen Armen empfangen.

Mein Alltag im Ashram auf Bali

Der Tagesablauf während der Ausbildung war straff und sehr geregelt. Ich habe mein Teacher Training beim indischen Rishikesh Yoga Teacher Training Center gemacht. Mir war es wichtig, bei einer indischen Schule zu lernen, da Indien die Geburtsstätte des Yoga ist und ich mir einen entsprechenden Einblick erhofft habe. Den habe ich meiner Meinung nach erhalten, allerdings habe ich natürlich auch keine Vergleiche. Unsere drei Lehrer (bzw. Gurus) waren aus Indien und alle drei tief verwurzelt im Mindset und den Traditionen der Philosophie.

Unser Tag begann jeden Morgen um sechs Uhr mit einer Stunde Pranayama. Die Atemtechniken sind viertes Glied des achtgliedrigen Pfad des Yoga und (ganz vereinfacht gesagt) essenziell für die Praxis und die Lebensenergie. Es folgten eineinhalb Stunden Hatha Yoga und anschließend wurde gefrühstückt.

Nach dem Frühstück folgte meine Lieblingsstunde: Philosophie. Ich habe so viel über Yoga, aber auch über mich und meine Ansichten gelernt und hier und da kullerten bei uns allen schon mal die Tränen. Anschließend gab es eine große Mittagspause mit Lunch und Zeit zum Lernen und Self-Practice. Um zwei ging es weiter mit Yoga-Anatomie und Adjustment & Alignment, also ein Block, der sich mit dem korrekten Ausführen der Übungen und deren Korrektur befasste. Die Ashtanga-Klasse markierte dann das Ende unseres Lehrtages und unserer Power. Ashtanga ist eine fordernde, schnelle, kräftezehrende und intensive Form von Yoga und ich habe es geliebt und gleichzeitig verflucht.

Sechs Tage in der Woche wurde dieser Stundenplan unverändert durchgezogen und wir konnten uns in diese Routine hineinfallen lassen und uns auf uns, das Lernen und unseren Fortschritt konzentrieren. Gleichzeitig gab es immer genug Zeit für den Pool, zum Lesen, für Späße und zum Lernen.

Die Gretchenfrage: Würde ich es euch empfehlen?

Ob ihr eine Yogalehrer-Ausbildung machen solltet, kann ich euch natürlich nicht sagen, das müsst ihr alleine entscheiden. Was ich aber sagen kann, ist wie ich meine Zeit auf Bali und speziell in meiner Yogaschule empfunden habe und ob ich sie euch ans Herz legen würde.

Vorab: Wer eine instagram-worthy und fancy Aufenthalt auf allerhöchstem Niveau haben möchte, ist hier nicht richtig. Das Resort, in dem wir untergebracht waren, war für balinesische Verhältnisse sehr gut, aber es gab eben auch die typischen Schmuddelecken. Das Spa war halb heruntergekommen und wurde gerade renoviert, die Zimmereinrichtung war teilweise mehr DDR als Vierjahreszeiten und das Internet war die Entdeckung der Langsamkeit. Das Essen war frisch und sehr gut, aber auch sehr basic. Auch die Ausstattung seitens der Schule war zweckorientiert. Die Matten waren Standard, die Blöcke ebenfalls – das lag allerdings auch daran, dass wir die erste Gruppe waren, die in Bali unterrichtet wurde und die Rishikesh-Schule hier noch Nachholbedarf in Sachen Ausstattung und Infrastruktur hat. Das Unterrichtsmaterial war hingegen sehr detailliert und gut in einer Mappe aufbereitet und unsere Gurus mit vielen Jahren Erfahrung im Rücken ausgebildet.

Was die Inhalte der Ausbildung angehen, kann ich wieder nur ohne Vergleiche sprechen, aber ich fühlte mich gut und umfassend informiert. Alle meine Fragen wurden beantwortet und es wurde zu jeder Zeit auf unsere Wünsche und Gefühle eingegangen. Es gab in der zweiten Woche diesen Moment, an dem wir alle nicht mehr konnten, was Sanjeev, der Schulleiter, direkt bemerkte. Mit einer sehr einfühlsamen und aufbauenden Meditationsrunde wurden wir an dem Tag wieder aufgepäppelt und abgeholt. Es war eine kleine Geste, die uns aber sehr viel bedeutet hat und die gezeigt hat, dass nicht nur Inhalte im Vordergrund stehen, das war ein sehr schöner Moment.

Man kommt sich als Gruppe in den drei Wochen sehr nahe und wächst als Team zusammen. Es ist außerdem eine sehr emotionale Zeit und intensive Erfahrung, die unbezahlbar ist. Seine Mitstreiter*innen kann man sich natürlich nicht aussuchen, aber Menschen, die Yoga machen und sich für eine solche Intensiv-Ausbildung entscheiden, ticken ähnlich und sind herzensoffen. Daher würde es mich wundern, wenn man nicht von tollen Menschen umgeben ist auf einer solchen Reise.

Mein Fazit?

Ich bereue nicht einen Tag, den ich während meiner Ausbildung auf Bali verbracht habe und ich bin auch mit den Inhalten, soweit ich das beurteilen kann, sehr zufrieden. Hier und da war es manchmal etwas chaotisch, das war unser „Los“ als erste Ausbildungsklasse des Rishiskesh YTTC auf Bali. Verständlicherweise habe ich nach meiner 200h-Teacher-Trainer-Ausbildung nun noch mehr Fragezeichen im Kopf, an denen es zu arbeiten gilt. Das erworbene Wissen möchte auf Herz und Nieren trainiert und geprüft und erweitert werden. Daher habe ich mich entschlossen, dass, sollte ich einen 300h-Kurs oder ein anderes Modul draufsetzen, ich dies in einer Yogaschule hier in Berlin machen werde. Warum? Weil ich dann mehr Zeit habe, alles auf Deutsch abläuft und die Klasse sich danach nicht wieder über die ganze Welt verstreut.

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