Auf den Spuren der dänischen Designikonen

Mode können die Dänen, klar. Aber auch im Interior-Design geben die Nordlichter den Ton an – eine Spurensuche

Es gibt Dinge, die wirklich jede*r mag. Da gibt es im Prinzip gar keine Diskussion. Erdbeeren zum Beispiel. Wer zur Hölle mag denn bitte keine Erdbeeren? Oder Tierbabys, so allgemein. Wer keine Tierbabys mag, mit dem*der stimmt auf jeden Fall etwas nicht. Oder dänisches Design. Alle. Lieben. Dänisches. Design. Wir auch.

Mir fällt wirklich niemand in meinem erweiterten Bekanntenkreis ein, der zu einer PH 5 Pendelleuchte von Louis Poulsen, einem Panton Chair oder einem Gubi Beetle Chair „Nein“ sagen würde. Natürlich übertreibe ich es ein wenig, ihr kennt mich. Aber mal im Ernst: Wie haben die Dän*innen es nur geschafft, unser Stilempfinden dermaßen zu infiltrieren und wie kann es sein, dass dieses goldene Händchen für Produktdesign einer ganzen Nation scheinbar in die Wiege gelegt wurde?

Dänische Moderne: Die Stille Revolution

Deutschland hatte das Bauhaus. Junge Kreative, die unter einem Dach Kunst, Architektur und Handwerk verschmolzen und den Gedanken von einem Design verfolgt haben, das gesellschaftliche Unterschiede aufheben sollte. Diese Idee war revolutionär und den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge.

Zuvor hatten Jugendstil, die Arts-and-Crafts-Bewegung und die Belle Epoque in Frankreich auf die unterkühlten und vermeintlich seelenlosen Produkte der Industrie reagiert. Ihre Antwort? Eine Rückbesinnung auf das schöpferische Kunsthandwerk und der ihr innewohnenden Schönheit. Viel Gold, viele Schnörkel und organische Formen.

Produktdesign war immer auch eine Reaktion auf die herrschenden Zustände, eine Analyse von Gesellschaft, Weltgeschehen und der Rolle, die der Mensch in diesem Gefüge spielte. Und die Dän*innen? Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wird Dänemark vor allem von der Landwirtschaft geprägt. Kunsthandwerk gehört hier zum täglichen Leben dazu, ebenso das Arbeiten mit natürlichen Materialien und eine gewisse Bescheidenheit. Um 1950-1960 entsteht eine Strömung, die heute als Dänische Moderne bezeichnet wird und deren stilbildenden Köpfe Namen wie Arne Jacobsen, Poul Kjærholm oder Hans J. Wegner heißen. Anstatt laut und rebellisch sind ihre Möbel schlicht, von hoher Qualität und (wie wir heute wissen) zeitlos. Es ist eine stille Revolution, deren Ideale und Ideen über das Design verbreitet wurden und die so bescheiden daherkamen, dass man sich ihnen nicht entziehen konnte.

Die zeitlosen Design-Ikonen aus Dänemark

Es ist die Zeit von Schwan und Ei. Zwei ikonischen Sessel aus der Feder Arne Jacobsens, die er, eigentlich sehr unromantisch, für Lobby und Foyer des SAS Royal Hotels in Kopenhagen entwirft. Die beiden Sitzmöbel sind für die damalige Zeit innovativ, denn sie bestehen aus keiner einzigen geraden Linie und sind durch und durch organisch. Auch der erste Entwurf S-förmige Panton Chair, den der Designer Verner Panton ab 1967 gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen Vitra in Serie produzieren lässt, stammt aus dieser Zeit.

1949 entwirft Hans J. Wegner den Y-Stuhl für die Firma Carl Hansen & Søn, der euch heute unter dem Namen Wishbone-Chair fast täglich in angesagten Coffee Roasterys begegnet und der heute unter dem Namen CH24 noch imer von Carl Hansen & Søn vertrieben wird. Anstatt mit einem Sitzmöbel macht 1958 der dänische Designer Poul Hennigsen mit einer Leuchte von sich Reden: PH5 – die 5, da der Durchmesser der Lampe exakt 50 Zentimeter beträgt. Und auch 61 Jahre später würde ich mir dieses gute Stück noch immer allzu gern über meinen Esstisch hängen.

„Was macht ein Design zu einer Ikone?“

Was macht ein Design zu einer Ikone? Ein zeitloser Entwurf, hohe Qualität, ein Grundgedanke und eine Idee, die sich ohne Kompromisse im fertigen Produkt wiederfinden.

Allen Designern gemein ist, dass sie nicht an renommierten Akademien lernten, sondern ihre Karriere mit einer handwerklichen Lehre oder einem Architekturstudium begannen und schließlich ihre Visionen vom Sitzen, Wohnen und Leben Realität werden ließen.

Dänisches Design steht für Handwerk und Nachhaltigkeit

Neben all den Superstars denken nicht wenige beim Stichwort Danish Design aber auch an den typischen Mid-Century-Stil. Kommoden, Tische und Sitzmöbel aus geschwungenen dunklem Teakholz mit Sitzpolstern aus beigen, moosgrünen oder senfgelben Naturfasern. Echtes Handwerk eben, das, wie man bei Streifzügen durch Ebay Kleinanzeigen oder Pamono sieht, bei guter Pflege locker auch ein halbes Jahrhundert übersteht. Das ist gerade in heutigen Zeiten, in denen Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und natürliche Materialien gefragter sind denn je, ein sympathischer Selbstläufer.

Die jungen, gar nicht mal so Wilden

Aber wir müssen nicht ständig ein halbes Jahrhundert zurückblicken, 500 Euro für einen Wishbone-Chair auf den Teak-Tisch knallen oder Online-Auktionshäuser und Vintage-Läden durchstöbern, um in den Genuss von Design „Made in Denmark“ zu kommen. Nein nein. Auch das moderne Interior-Design unserer Nachbarn trifft einfach immer ins Schwarze. Laut geht es noch immer nicht wirklich zu, dafür aber hochwertig, innovativ, geschmackvoll und vor allem verträglich.

Von erschwinglich bis Investition reicht die Palette, wenn es um moderne Einrichtung aus dem Norden geht. Zu den Big Playern gehören Unternehmen wie Hay, Gubi, BoConcept, Montana, Normann Copenhagen, Ferm Living oder &Tradition. Die Produktpalette reicht von Möbeln über Lampen und Tapeten bis zu Dekoration und kleinen Accessoires. Dänisches Design hat unsere Lebenswelt still, heimlich und stilvoll infiltriert. Der Clou: Schon für wenige Euro kann man sich in den eigenen vier Wänden als Kenner*in outen und beim Besuch mit subtilem Geschmack punkten – und das lieben wir doch alle, geben wir es zu.

Für diesen Artikel habe ich mich übrigens in meiner eigenen Wohnung auf Spurensuche begeben und stelle fest: Auch bei mir gibt es keinen Raum, in dem nicht mindestens ein dänisches Design-Objekt steht – manche, wie mein Sideboard Woody von Hay, besitze ich schon fast zehn Jahre. Sattgesehen habe ich mich daran aber noch lange nicht. Das ist für mich zeitloses und nachhaltiges Design.

Wer jetzt wissen will, wo er bei seiner nächsten Kopenhagenreise all diese Designklassiker findet, der schaut in unserem Beige Travel Guide für dänische Einrichtung und Mode vorbei.

Und was sind eure liebsten dänischen Möbelmarken und Designer*innen? Sagt es uns in den Kommentaren!

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