SOS Bundestagswahl: Unser Guide für Last-Minute-Wahlentscheidungen!

Im Team BEIGE diskutiert: Wen wählen und wieso?

Unsere Interviewreihe zur Bundestagswahl ist abgetippt und der Countdown läuft: In vier Tagen wählen wir zum 20. Mal den Deutschen Bundestag. Waren Wahlen in den letzten Jahrzehnten noch zunehmend durch die Familie oder Kirche geprägt und dadurch deutlich prognostizierbarer, so sinkt die Anzahl der Stammwähler*innen zunehmend.

Mittlerweile entscheiden circa 30 Prozent der Wähler*innen erst unmittelbar vor der Wahl, für wen sie stimmen, sagt der Politikwissenschaftler Florian Hartleb. Wahlen werden also spontaner und dieses Jahr mit erstmals drei Anwärter*innen auf das Kanzleramt nicht unbedingt vereinfacht.

Auch ich habe dieses Jahr gekämpft, mich zu einer Entscheidung durchzuringen – trotz hunderter Stunden Recherche privater und beruflicher Natur. Diese Umstände betrachtend, kam ich nicht umhin mich zu fragen, ob ich vielleicht einfach ein zu großer News-Junkie bin, um die Wahlentscheidung auch wirklich entschieden zu treffen, finden sich zwischen Krisen wie Corona, Klima und Afghanistan gepaart mit persönlichen Präferenzen eben immer Argumente gegen jede Partei. Aber was ist die Konsequenz? Weniger lesen und mehr aufs Bauchgefühl hören? Klingt auch falsch. Und welche Kriterien spielen heutzutage sonst noch eine Rolle? Ich will es herausfinden, ob die anderen aus dem Team BEIGE sich schon entschieden haben – und wenn ja, wofür – und habe deshalb Julia, Felix, Sarah und Marie gebeten, mir Auskunft zu geben. 

Lea: Hi ihr Lieben, danke, dass ihr euch heute die Zeit nehmt ein paar Einblicke in eure Wahlentscheidungsfindung zu geben. Die ersten Fragen liegen da recht nahe, deshalb mal ganz platt gefragt: Wisst ihr schon, wen ihr wählt? Wählt ihr das gleiche wie bei der letzten Bundestagswahl? Falls ihr noch keine Wahlentscheidung treffen konntet: Wisst ihr, woran’s liegt?

Felix: Disclaimer: Ich habe drei Gläser Schampus intus. Mir fällt es mir dieses Jahr wirklich extrem schwer mit dem Wählen. In diesem Wahlkampf kam so krass zutage, wie inhaltsarm, verschreckt und fake sämtliche aufgestellten Kanzlerkandidat*innen sind. Es fängt an mit irgendwelchen halbgaren Zitierweisen und hört dann auf bei Scholz’ Nicht-Kommentaren, ob er von Cum-ex was wusste.

Ich finde das alles höchstgradig peinlich und schlecht. Es zeugt es von einer Schule der Öffentlichkeitsarbeit, die nicht mehr zeitgemäß ist und sämtliche Bürger*innen eher persönlich abschreckt als über die Problematik dahinter vergessen lässt. Und es zeigt so stark, wie die Leute in der Politik keinerlei Gespür für den Zeitgeist besitzen. Wir haben in Deutschland ein massives Ageism-Problem, indem junge kompetente Menschen keinerlei Chancen auf machtvolle Positionen in der Politik bekommen. Und oben drauf keinen Bock haben, weil sie sich diesen verdrehten Psychoterror in dieser Branche nicht geben wollen. Genau deshalb krankt dieser ganze Apparat so stark. All in all: Ich bin wirklich noch unentschlossen, wen ich wähle. Ich werde aber zu 100 Prozent in die Wahlkabine gehen, nicht wählen kommt nicht in die Tüte.

Sarah: Puuuh. Nach diesem nicht vorhandenen Wahlkampf, sondern „Mean Girls“ - pardon - „Mean Boys“-Mätzchen, welche wir bis dato mitverfolgen konnten, verstehe ich alle, die keinen blassen Schimmer haben, wo das Kreuzchen am Ende hinkommt. Ich sehe es wie Felix: Keiner der zur Wahl stehenden Personen hat sich mit Ruhm bekleckert. Im Gegenteil: Es ist glasklar für mich, dass die CDU/CSU wegmuss. Unbedingt. Am besten von allen wichtigen Positionen enthoben. Kein Scheuer mehr, der achtzig Mal mit der Autolobby ein Käffchen trinken geht, kein Spahn-Dinner mehr, welches ihm die neue Villa finanziert. Ich wähle entweder Grün, Links oder SPD. Aber nur aus der Motivation heraus, dass es Veränderung geben muss, und nicht aus Überzeugung der Partei oder Person gegenüber.

„Klar gibt es selten eine Partei, die einem zu 100 Prozent entspricht. Aber es hilft, sich zu überlegen, was die wichtigsten Punkte sind für einen. Dann kann man ja recht easy vergleichen ... “

Julia

Julia: Also ich habe tatsächlich schon gewählt, per Briefwahl. Einfach deshalb, weil ich sicher sein wollte, dass alles eingetütet ist. Auch dann, wenn ich spontan in Urlaub bin oder wir wieder Quarantäne haben. Mir fiel es auch ehrlich gesagt ziemlich leicht herauszufinden, was ich wählen will. Klar gibt es selten eine Partei, die einem zu 100 Prozent entspricht. Aber es hilft, sich zu überlegen, was die wichtigsten Punkte sind für einen. Dann kann man ja recht easy vergleichen ...

Marie: Also ich sehe das genauso wie Julia. Ich bin in meiner Wahl gefestigt – und wähle tatsächlich seit zehn Jahren die gleiche Partei und habe das noch nie bereut, nämlich Die Grünen.

Ich komme aus einem sehr grünen Wahlkreis in Berlin-Schöneberg, bin dort aufgewachsen und wurde von meiner Mutter auch grün geprägt und habe Renate Künast als 8-Jährige für die Schule auf dem Wochenmarkt interviewt. Und auch dieses Jahr bin ich wieder fest entschlossen, die Grünen zu wählen. Weil sie für mich, kurz zusammengefasst, die „menschlichste” Partei sind. Und ich als Bundeskanzlerin eine Frau und Mutter an der Spitze Deutschlands sehe.

Redet ihr eigentlich mit allen offen darüber, wen ihr wählt oder warum? Meine Eltern haben sich früher geweigert, mir zu erzählen, wen sie wählen und daraus ein Geheimnis und Tabuthema gemacht. Deswegen habe ich mich lange nicht getraut, andere dazu zu befragen!

Julia: Das ist total lustig, darüber habe ich mich erst gestern unterhalten. Ich glaube, in der Generation unserer Eltern und darüber ist es noch ein absolutes Tabu, über die eigene Wahl zu sprechen. Da heißt es dann oft „Es gibt das Wahlgeheimnis!“. Unsere Generation ist da etwas offener, würde ich sagen. Und vielleicht auch diskutierfreudiger!?

Sarah: Total interessant. Bei mir in der Familie lief das immer ganz anders ab. Könnte auch daran liegen, dass ich eine recht junge Mama habe oder auch an unserem Migrationshintergrund. Aber wir durften immer fragen und auch mitdiskutieren, wen wir unterstützen. Meiner Mama fiel das Wählen in der Vergangenheit – und auch dieses Mal – nie leicht, denn sie fühlte sich als Alleinerziehende immer alleingelassen von den Parteien.

Lea: Bei uns war es gemischt. Meine Mutter ist sehr politisch und hat in mir definitiv auch früh das Interesse geweckt. Sie hatte aber immer Sorge, dass ich ihr nachwähle und ließ sich daher meist ein wenig bitten, ihre Stimmen offenzulegen. Wählt ihr denn das Gleiche, wie eure Eltern? Marie also schonmal ja!

Marie: Haha, da bin ich mir nicht so sicher, ich habe mit meiner Mutter noch nicht darüber gesprochen – sondern bin irgendwie davon ausgegangen, dass sie Grün wählt. Wie gesagt, immer ein bisschen geheimnisvoll bei uns! Ich werde sie aber, wenn ich sie in ein paar Tagen sehe, darauf ansprechen!

Lea: Verstehe, also so wie ich das raushöre, ist es bei allen – bis auf Julia – eher die Wahl des geringeren Übels. Wenn ich fragen darf: Hast du denn bei der Erst- und Zweitstimme das Gleiche gewählt, Julia? Und wie sieht es da bei den anderen aus? Das fragen mich nämlich auch oft Freunde, die überlegen eine Kombination zu wählen und sich nicht sicher sind, welche Reihenfolge am meisten Sinn ergibt. Oder wie sich die Verteilung überhaupt gewichtet! Spielt das für euch eine Rolle?

Julia: Ja, beide Stimmen gleich. Ich finde strategisch wählen für mich persönlich nicht so gut, kann die Entscheidung aber nachvollziehen... mich leitet da einfach die Überzeugung. Ist aber auch schon passiert, dass ich die Person unsympathisch fand und trotzdem gewählt habe. Wähle wohl eher die Partei dahinter...

Interessantes Konzept Schenk mir deine Stimme. Ich kann es insofern verstehen, als dass man bei Großeltern sagt: 'Ihr wählt meine Zukunft – und euch betrifft die Politik natürlich nicht mehr so sehr wie mich.'"

Marie

Marie: Gute Frage. Ich glaube, sooo viele wissen gar nicht, was der Unterschied der Erst- und Zweitstimme ist – und auch ich googele vor jeder Wahl wieder … Ich habe bis jetzt ehrlich gesagt immer eine Partei gewählt – und keinen Namen. Über eine Aufteilung habe ich mir also noch nie wirklich Gedanken gemacht … Macht eine Kombination denn Sinn? Und wenn ja, nach welchen Kriterien vergebt ihr die Erststimme?

Sarah: Ich muss gestehen, dass ich wie Marie noch kurz vor der Wahl nachlese, was es genau mit Erst- und Zweitstimme auf sich hat und schaue dann, was Sinn ergibt...

Lea: Grob gesagt dient die Erststimme dazu sicherzustellen, dass jede Region in Deutschland im Bundestag vertreten wird. Darüber wählt man ja quasi einen Direktkandidaten aus dem eigenen Kiez (es gibt übrigens 299 Wahlkreise, also 299 Kandidaten*innen, die den Einzug direkt schaffen). Die Zweitstimme ist – namentlich irritierenderweise – die eigentlich wichtiger Stimme, weil sie die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag bestimmt, also wie viele Sitze einer Partei zustehen. Da wählt man ja dann die Partei und nicht den/die direkte/n Kandidat*in. Da ich immer zwischen zwei Parteien schwanke, gucke ich bei der Erststimme schon darauf, wie ich die jeweiligen Personen in meinem Wahlkreis einschätze. Die Zweitstimme, also quasi „Kanzler*in-Stimme“ ist bei mir gesetzt. Aber dein Argument, eine Partei zu wählen und nicht einzeln*e Personen zu wählen macht trotzdem Sinn, Marie. Wenn man mit einer Partei zufrieden ist, sollte man ihr natürlich beide Stimmen geben.

Lea: Am Wochenende habe ich was Interessantes bei LinkedIn zu der „Schenk mir deine Stimme“-Debatte gesehen. Anbei zwei Beispiele, was ich meine. Frank Thelen postete diese mit folgendem Statement:

„So weit ich Demokratie verstehe, sollte man nicht für andere wählen. Man kann Argumentieren, Plakate kleben, Flyer verteilen, Demonstrieren… und spenden. Aber Stimmen übertragen, geht nicht. Bitte macht kein Kreuz für andere. Überzeugt sie, aber jede Stimme, gehört jedem einzelnen“ #politik #bundestagswahl”

Wie seht ihr das?

Marie: Interessantes Konzept „Schenk mir deine Stimme”. Ich kann es insofern verstehen, als dass man bei Großeltern wie beim Beispiel, das du geschickt hast, sagt: „Ihr wählt meine Zukunft – und euch betrifft die Politik natürlich nicht mehr so sehr wie mich.” Von daher ja, eigentlich ein guter Punkt. Aber auch nur dann, wenn Großeltern da auch dabei sind, es verstehen und man ihnen nicht einfach den Wahlzettel aus der Hand reißt und es für sie ausfüllt. Dann ist das wirklich übergriffig und geht meiner Meinung nach nicht. Unterhält man sich aber und kann mit Argumenten überzeugen, dann finde ich das Konzept gut.

Julia: Das sehe ich genau wie Marie.

Lea: Ich bin immer hin - und hergerissen. Einerseits habe ich schon das Gefühl, dass es – vor allem auf den Klimawandel bezogen – unfair ist, dass die junge Wählerschaft so unterrepräsentiert ist. Den Aufruf, den Marie skizziert, finde ich also auch sinnvoll. Gleichzeitig geht es ja darum, dass der Bundestag repräsentiert, was die Gesellschaft nun mal auch wählen möchte... und nicht alle parieren und das lauteste Familienmitglied gewinnt.

Marie: Ja, deswegen muss man die Wahl der anderen akzeptieren. Wobei ich auch ehrlich zugebe, dass es mir sehr schwerfallen würde, würde ich von einem Familienmitglied zum Beispiel wissen, dass es die AfD wählt … keine Ahnung, wie ich damit umgehen würde … das ist ja gerade das gleiche Thema, das viele Familien mit Impfgegner*innen und Querdenker*innen haben (was aber hier zu weit führt). Also ich kann die Versuchung auf jeden Fall verstehen, den „konservativen” Großeltern den Wahlzettel zu entreißen, falsch ist es natürlich trotzdem! 

Sarah: In solchen Fällen bin ich stark davon überzeugt, dass viele, die mit der AfD sympathisieren, gar nicht wissen, was diese Partei so wirklich will. Es fehlt total die Aufklärung, was „konservativ“ heutzutage ist und was es vor 30, 40 Jahren war. Heutzutage ist die Konnotation des Wortes „konservativ“ meiner Meinung nach ein dickes Tortenstück nach rechts gewandert. Ich mein, Söder und Merz und wie sie alle heißen, „warnen“ vor einem nie dagewesenen Linksruck im Land!

„Ich könnte mir auch steigende Mieten in Berlin noch leisten, aber wieso sollte ich mich für Privatisierung von Wohnraum, Steuererleichterungen für mich oder so etwas einsetzen? Das wäre doch nur machtgeil und vollkommen egozentrisch. Und es würde zu noch mehr Ungleichheit führen.“

Felix

Felix: Ich finde den Post von Frank Thelen ja sehr interessant, denn ich wähle zu 100 Prozent für andere. Ich denke, dass ich es ohnehin schon gut habe und mein ganzes Leben fast ausschließlich von unserem System profitiert habe. Es gibt schlichtweg fast keine systemischen Hindernisse, die mir ein erfülltes Leben verwehren. Und genau aus diesem Grund wähle ich ausschließlich mit dem Gedanken „Wie kann ich mit meiner Stimme alle Leute unterstützen, die bisher weniger Glück und Privilegien hatten als ich?“. Ich würde sogar einschätzen, dass in Deutschland viele mit dieser Motivation wählen. Denn genau das ist auch mein Demokratieverständnis: Klar, alle haben eine Stimme, aber wir sollten diese Stimme eben nutzen, um mehr Gemeinwohl zu generieren und nicht nur aus der Ich-Perspektive Entscheidungen zu treffen.

Marie: Soooo ein wichtiger Punkt!

Lea: Mega, Felix! Was für ein toller Impuls und so gut artikuliert. Wenn wir also die Perspektive dahingehend wechseln, gestaltet sich die Wahlentscheidung aber natürlich nicht unbedingt als leichter. Die Frage, welche Partei ist für das Gemeinwohl am besten, ist ja genauso schwer zu beantworten...

Felix: Ich würde sagen, dass es die Entscheidungsmöglichkeiten immerhin knapp halbiert. AfD müssen wir nicht drüber reden, die CDU hatte noch nie eine Agenda, außer sich bei ihrer Themensetzung an der Vergangenheit zu orientieren (inkl. größerer sozialer Ungleichheit) und die FDP ist ja letzten Endes hauptsächlich für Unternehmer*innen und Leute mit einem höheren Einkommen da.

Ich denke, es ist sehr sehr offensichtlich, dass sich keine dieser Parteien ernsthaft für mehr Chancengleichheit einsetzt. Als Beispiel kann man hier die steigenden Miet- und Kaufpreise für Wohneigentum nehmen. Alle genannten Parteien wollen sozialen Wohnungsbau reduzieren, „Der Markt regelt das” usw.

Immerhin sind die Grünen, SPD und Die Linke dafür, dies nicht zu tun und somit dafür zu sorgen, dass auch Menschen mit geringem Einkommen sich Wohnraum in Städten leisten können. Und genau bei solchen Fragestellungen wende ich dann meine Logik von vorhin an: Ich könnte mir auch steigende Mieten in Berlin noch leisten, aber wieso sollte ich mich für Privatisierung von Wohnraum, Steuererleichterungen für mich oder so etwas einsetzen? Das wäre doch nur machtgeil und vollkommen egozentrisch. Und es würde zu noch mehr Ungleichheit führen und ja letzten Endes dazu, dass unsere Großstädte in Ghettos und abgeschottete Rich-People-Bezirke unterteilt werden und man sich nachts kaum vor die Tür traut. Wie in den USA beispielsweise. Wieso sollte ich so etwas wollen?

Lea: Deine Kriterien finde ich gut, für mich ist aber beispielsweise auch sehr entscheidend, ob ich mir in der kommenden Legislaturperiode einen vollständigen Regierungswechsel wünsche oder nicht und wie die Abstimmungen in den letzten Jahren verliefen. Ich gucke z.B. sehr gerne konkretes Abstimmungsverhalten auf Abgeordneten-Watch an – einfach, weil ich mich durch Wahlprogramm und Talkshows nicht genug abgeholt fühle. Da verspricht ja jede Partei das Gelbe vom Ei!

Felix: Guckt noch jemand Talkshows in diesem Land?

Marie: Nur, wenn es als Triell angekündigt wird ...

Lea: Hahaha, da habe ich mich jetzt wohl geoutet! Ich gucke z.B. jede Woche Anne Will!

Marie: Ich finde in Talkshows hat sich noch nie jemand so präsentiert, dass ich gedacht hätte: Die/den wähle ich! Ganz im Gegenteil, nach solchen Veranstaltungen keimen in mir Zweifel an jeglichen Politiker*innen auf. Für mich also definitiv keine Entscheidungshilfe ….

Felix: Anne Will würde ich sofort wählen! Ihre Gäst*innen meistens nicht. Immerhin gehen sie in diesem Format nicht so krass auf sinnlose Konfrontation wie bei Maischberger und Konsorten. Das ist ja für mich der absolute Bild-Zeitung-TV-Politik-Horror.

Lea: Ich finde es super spannend, weil die Debatten live sind und dadurch so viele direkte Reaktionen entstehen. Im Bundestag reden die Abgeordneten ja immer nur hintereinander und planen ihre Texte vorab. In Talkshows bekommt man echte Dialoge und dazu immer eine direkte Einordnung der besten Journalist*innen des Landes. Das find ich gut! Dein Argument der aufkeimenden Zweifel an jeglichen Politiker*innen kenne ich allerdings Habt ihr denn noch einen Last-Minute-Tipp für unsere Leser*innen, wie sich die Wahlentscheidung vereinfachen lässt?

„Ich glaube, die wenigsten wollen eine Galionsfigur wählen, sondern konkret das, was die Partei ausmacht. Und das steht im Wahlprogramm.“

Sarah

Felix: Ich denke immer wieder darüber nach, nicht doch einer kleineren Partei meine Stimme zu geben und somit Leuten mit größerem Veränderungswillen und Frische eine Chance zu geben.

Sarah: Ich finde, was Julia gesagt hat, fasst es gut zusammen: Welche Punkte sind euch, die hier gerade mitlesen, am wichtigsten? Es gibt einige coole Accounts auf z.B. Instagram, die über viele Themen nahbar und kompakt informieren. Dazu gehören für mich @funk @deutschlandfunk @campact.de oder der Account von @marc_raschke, der sich mit Herzblut für das Thema Pflege oder unseren Gesundheitssektor im Allgemeinen einsetzt und aufklärt. Ich glaube, die wenigsten wollen eine Galionsfigur wählen, sondern konkret das, was die Partei ausmacht. Und das steht im Wahlprogramm. Der Wahlkampf und die damit einhergehenden, dubiosen Aktionen von Lobbygruppen, Skandale der Kandidat*innen lenken von der eigentlichen Sache ab und das ist vor allem, was die Parteien bewirken wollen – für einen selbst und für andere.

Marie: Und was haltet ihr vom Wahl-O-Mat, dem Sozial-O-Mat und Wahltraut?

Julia: Den Wahl-O-Mat finde ich immer spannend und freue mich meistens darauf. Es werden natürlich sehr spezifische Dinge abgefragt und das Ergebnis ist sicher nicht besonders aussagekräftig. Eher, was so die grobe Richtung angeht. Aber es ist eine niederschwellige Art und Weise, sich damit zu beschäftigen, was man wählen möchte…  Das ist ja schon mal was! Und die Ergebnisse mit anderen zu vergleichen bzw. öffentlich zu teilen, finde ich eigentlich auch interessant, Stichwort Reden über das eigene Kreuzchen. Ich habe mich am Wochenende auch gefragt, wie es so mit der direkten Konfrontation der Kandidat*innen aussieht. Auf dem Markt bei mir standen mehrere Personen, die man direkt ansprechen und mit ihnen diskutieren konnte. Wenn man denn gewollt hätte! Ich habe da ehrlich gesagt null Bedarf. 

Sarah: Der Wahl-O-Mat ist der Bravo-Persönlichkeitstest von heute, oder? Ich hab ihn auch gemacht, war Feuer und Flamme dafür. 

Felix: Der Wahl-O-Mat ist das Cosmopolitan-Horoskop der Legislaturperiode!

Unsere Last-Minute-Wahltipps:

  1. Mache den Wahl-O-Mat um eine grobe Richtung zu erahnen – geknüpft an konkrete Vorhaben.
  2. Setz dich damit auseinander, was die Parteien in den letzten Jahren/Monaten konkret gemacht haben. Zum Beispiel auf Abgeordneten-Watch.
  3. Am Wichtigsten: Denk bei der Wahlentscheidung nicht nur an dich selbst, sondern auch an die, die weniger Glück hatten. Sowohl in Deutschland als auch anderswo!

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