Beige feels: Ein Hochsommer ohne Schubladen

Podcasts, die hinterfragen, Blumen aus Papier und eine Extraportion Modenews für Männer!

Der Sommer ist da. Das Wetter dreht noch einige Extrarunden in den April, aber es ist Ruhe eingekehrt, die Straßen sind leerer, die Schulen geschlossen und im Park lümmeln auch unter der Woche schon mittags so viele Menschen herum wie sonst nur am Wochenende. Ich habe am Wochenende meinen ersten Schwimmbadbesuch absolviert und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Die Schlange am Pommes Stand war leider vieeel zu lang, dafür gab es spannende Podcasts aufs Ohr und ein dickes Ferienbuch wurde angefangen.

Die Ruhe darf uns aber nicht trügen und wir müssen den Kopf angeschaltet und kritisch weiterdenken lassen und Ungerechtigkeiten aussprechen. Zur Not ins halbe Vakuum des Sommerlochs hinein. Platz für die schönen Dinge kann man nämlich immer ruhigen Gewissens lassen – und wenn es schlichte Papierblumen oder nachhaltige Männerkollektionen sind, die uns erfreuen.

Beige fears: Die gezielte Verfolgung von LGBTQ+ in Polen und die Rolle der EU

Über 100 LGBTQ+-freie Zonen gibt es bereits in südpolnischen Gemeinden. Ihr Sinn? Abgesehen davon, dass Hass und Vorurteile niemals einen Sinn haben, möchte die unter dem wiedergewählten konservativen Präsidenten Andrzej Duda Regierung das „Vordringen einer LGBTQ+-Ideologie“ vermeiden. Es klingt so unglaublich, wie es brandgefährlich ist und es ist schlicht nicht hinnehmbar, dass derartige Gesetzgebungen in der Europäischen Union geduldet werden.

Diese Zonen verletzen Artikel 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention und wie viele Stimmen im Netz fordern auch wir die amtierende Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, auf, diese Handlungen aufs Schärfste zu verurteilen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Die deutschen Partnerstädte der entsprechenden polnischen Gemeinden sollen ein Zeichen setzen und die Partnerschaft kündigen, bis die menschenverachtenden Beschlüsse zurückgenommen wurden.

Beige loves: Stefan Marx und die KPM Berlin feiern Design-Geschichte

Wir sind riesige Stefan-Marx-Fans, das ist kein Geheimnis. Und auch unsere Liebe zur KPM, der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin ist spätestens seit unserem Gewinnspiel publik. Klar, dass die immer wiederkehrende Zusammenarbeit der beiden Ikonen unser Herz jedes Mal höher schlagen lässt und diesmal ist es nicht anders.

Anlässlich des 230-jährigen Jubiläums der Kollektion Kurland hat Stefan Marx, dessen Atelier sich übrigens auch in der Werkstatt der Meistermalerinnen befindet, mal eben zum Pinsel gegriffen uns sich den berühmten To-go-Becher vorgenommen. Auf Basis eines historischen Gemäldes von Peter von Biron, Herzog von Kurland, hat Stefan Marx die klassizistische Kante der Kurland-Serie auf den Becher gebracht. Und den Herzog als Hundchen direkt dazu gezeichnet.

So mega gut kann es aussehen und funktionieren, wenn modernes Design auf Tradition trifft. Ein bisschen müssen wir uns aber noch gedulden, der Becher ist ab 1. September exklusiv bei der KPM Berlin und im Onlineshop erhältlich.

Beige listens: Fabian Harts Podcast „Zart bleiben“

„...das würde für uns alle eine neue Freiheit bedeuten, die Person werden zu können, die wir wirklich sein möchten.“

Fabian Hart auf Vogue.de

Mit seiner Vogue-Kolumne „Das neue Blau“ hinterfragt Fabian Hart seit rund zwei Jahren kritisch das traditionelle Männerbild. Denn ja, auch das Hinterfragen von Rollenklischees, die Männer im Visier haben, spielt Gleichberechtigung, Feminismus und marginalisierten Gruppen in die Karten. Nur wenn wir alternative Männlichkeit zulassen, können wir die eingefahrenen Strukturen einer Gesellschaft durchbrechen, die viel zu lange in Schwarz und Weiß gedacht, kategorisiert und bewertet hat. Es hängt alles miteinander zusammen.

In seinem neuen Podcast „Zart Bleiben“ – der Podcast über Männlichkeit, der vergangene Woche gelauncht ist, spricht Fabian Hart mit Gästen wie Tesfu Tarik, Herbert Grönemeyer oder Riccardo Simonetti. Und wir können uns zurücklehnen, zuhören und lernen. Auf dem Fahrrad, in Bus und Bahn oder abends auf der Couch.

In der ersten Folge spricht Fabian Hart mit der großartigen Sybille Berg unter anderem über queere Menschen und Frauen als die besseren Chefinnen, den plötzlichen Optimismus der Schriftstellerin und Männlichkeit als Sprachproblem. Unsere Kolleginnen von This Is Jane Wayne haben im Interview mit Fabian noch genauer nachgefragt. Lesen! Und den Podcast abonnieren!

Beige discovers: Die Power des Wenigen mit Asket

Das schwedische Label Asket ist zugegebenermaßen unabsichtlich ein wenig von meinem Radar verschwunden. Bei Asket ist der Name Programm und das sieht wie folgt aus: keine Saisons, keine Trends, dafür eine minimalistische Garderobe voller Essentials. Und geht etwas kaputt, wird es nicht ersetzt, sondern repariert. Die Gründer August Bard Bringéus und Jakob Dworsky machen Menswear, die keine Fragen offenlässt und ohne Mittelsmänner, ohne Kollektionen und ohne Massenproduktion auskommt.

Ja, das bedeutet auch, dass ihr etwa auf Sales oder Discounts bei Asket lange warten müsst ... aber mal ehrlich: Faire, transparente Produktion, nachhaltige und umweltschonende Technologien und zeitlose Kleidung braucht keinen Ausverkauf. Bleibt nur noch eine Frage offen: Wann macht ihr endlich Womenswear?

Beige celebrates: Hola, Gimaguas! Hola, Chico!

Und nochmal kommen alle Männer unter euch voll auf ihre Kosten. Es ist aber nur fair, schließlich erfreuen Marie und ich uns schon seit fast zwei Jahren an den girly esoterischen und naturnahen Kollektionen von Gimaguas. Jetzt ist es aber eeeendlich soweit und dem perfekten Hippie-Partnerlook steht nichts mehr im Wege: Chico, die Männerkollektion von Gimaguas, ist da und holt das kunterbunte Universum des nachhaltigen spanischen Labels auf Hoodie, retro Badeshorts, lässige Stoffhosen und Kurzarmhemden.

Ich bin eigentlich nicht so eine Partnerlook-Freundin, aber ich hätte schon Lust, meinem Freund das ein oder andere Teil zu kaufen, damit wir zusammen diesen Sommer so richtig schön laid back, Wassermelone schlürfend am See rumlümmeln können.

Beige loves: Ein Kleid im Kornfeld – mit Jacquemus

„For me, the runway can’t be a video. It’s at the heart of what we do; it’s not superficial. It’s important to all of us to continue, just like a restaurant that reopens. It’s like a movie of a summer day. It’s our life.”

Ein 600 Meter langer Laufsteg in einem Weizenfeld, etwa eine Autostunde von Paris entfernt? Klingt nach Jacquemus. Oh und wie wunderschön und (süd-)französisch, wie ländlich und zurückgenommen ist diese Kollektion? Gedeckte Farben wie Weiß, Schwarz, Weizengelb, Pistaziengrün, Lehmgrau und Himmelblau.

Verspielte Details wie ausgeschnittene Herzen, kleine Holzbestecke, Perlen in Stäbchenform und raffinierte Schnürungen. Das Casting überzeugte durch Diversität (obwohl das sehr homogene weiße Team von Jacquemus nach der Show im Fokus der Kritik stand) und besonders kleine Details wie Hausschuhe, Tops im Kissendesign oder schief geknöpfte Hemden zogen mit Augenzwinkern Referenz zu den Monaten in den eigenen vier Wänden, die hinter uns liegen.

Ich stehe in Gedanken noch mit einem Weißwein-Glas in der Hand in den unendlichen Weiten der französischen Weizenfelder und träume mich in die Kreationen von Simon Porte Jacquemus und werde meine Jagdbemühungen auf Vestiaire Collective und in den Sales der bekannten Onlineshops nun intensivieren:

Beige wonders: Wie hoch ist euer Netflix-Fußabdruck?

Schon mal darüber nachgedacht, dass ihr mit der Nutzung von Streaming-Angeboten ebenfalls euren CO2-Fußabdruck vergrößert? Ich hatte es auf den Schirm, aber so richtig Gedanken darüber, dass die ganzen Server der großen Anbieter ja auch mit Strom laufen, habe ich mir nicht gemacht.

Diese Tabellen von Future Earth waren ein echtes Aha-Erlebnis. Hier die nötigen Konsequenzen zu ziehen, ist die vielleicht schwerste Entscheidung. Oder würdet ihr auf Spotify verzichten, eure Serien nur noch auf Hulu schauen (wenn es sie dort überhaupt gibt) und komplett den Apple-Produkten abschwören? Verzwickt!

Beige listens: 10 Jahre Trauma Loveparade

Die Newsletter-Leserinnen unter euch wissen es bereits (habt ihr unseren Newsletter schon abonniert?), allen anderen verrate ich jetzt, welcher Podcast gerade 24/7 bei mir läuft. Der Podcast „Trauma Loveparade“ vom Musikjournalisten Julian Brimmers geht der großen Katastrophe auf den Grund, die sich am 24. Juli 2010 in Duisburg ereignete. 21 Menschen sterben bei der Loveparade, Verantwortliche wurden nie zur Rechenschaft gezogen, die Aufarbeitung verlief im Sand (die deutschen Ämter haben es ja ohnehin nicht so mit Aufarbeitung, hm?).

„Trauma Loveparade“ spricht mit Überlebenden, sucht nach Ursachen und Antworten. Das ist ergreifend, traurig, macht wütend und lässt oft ratlos zurück. Hörenswert!

Beige comes across: Papierblumen von Kiosk48th

Was ist los mit mir? Hat mich das Tchotchke-Fieber nun auch erwischt? Papierblumen? Ja, tatsächlich. Ich bin verliebt in die filigranen und so detailverliebten Papierblumen von Kiosk 48th, dass ich kurz davor bin, von jeder Sorte eine zu bestellen. Wie schön würden sie in einer kleinen Vase aussehen? Wie einfach wäre es, sie am Leben zu halten? Sehr und sehr!

Brauche ich mehr Argumente, um schwach zu werden? Ich glaube nicht.

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