Diese Woche dreht sich bei Beige alles um die Zukunft der Mode

Wir starten eine ganz besondere Themenwoche mit jeder Menge Insiderwissen, Expertengesprächen und exklusiven Einblicken

Wir starten die zweite Themenwoche auf Beige. Zuvor hatten wir im letzten Jahr der Copenhagen Fashion Week eine ganze Woche gewidmet, doch dieses Mal wird das Thema leider etwas ernster. Es geht um die Zukunft der Mode. Denn in den vergangenen zwei Monaten hat sich nicht nur unser Privatleben drastisch verändert, sondern auch eine ganze Industrie. Der Gegenwart wurden schon viele Artikel gewidmet – Wie geht es den Designer*innen Deutschlands gerade? Wie sehen die Homeoffice-Looks aus? Auch wir haben über unser Lotterleben in Leggings berichtet, das #BeigeSupportPackage gestartet, um kleinen Unternehmen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und Bücher vorgestellt, die uns durch die Quarantäne retten! Aber es wird Zeit, genauer hinzuschauen. Hinter den Vorhang zu treten und zu entdecken, was hinter den Kulissen gerade los ist.

Dabei wollen wir unseren Blick besonders auf die Zukunft der Mode richten. Denn hier hat die Krise nicht nur viele Existenzen zerstört, nein, sie bietet auch viele Chancen. „Die Krise ist ein Katalysator, der die Branche in einen Wandel stürzen wird – jetzt ist es an der Zeit, sich auf eine Welt nach dem Corona-Virus vorzubereiten“, sagt Imran Amed, Gründer und CEO von Business of Fashion. Und genau das tun wir diese Woche. Wir bereiten uns auf eine Welt nach dem Corona-Virus vor, erforschen mögliche Szenarien, sprechen mit Expert*innen und mit Menschen, die in der Branche arbeiten und die Veränderungen am eigenen Leib spüren. Wie wird das restliche 2020 aussehen? Und wird 2021 (endlich) ein ganz normales Jahr ohne Pleiten, Pannen und Katastrophen?

Wie steht es gerade um den Einzelhandel?

Die Zahlen gerade sind jedenfalls erschreckend! Die Corona-Pandemie hat Folgen für die Modeindustrie – und was für welche! Neben dem Tourismus und der Gastronomie ist die Bekleidungsbranche am stärksten von der Krise betroffen. Kein Wunder, schließlich hängen 80 Prozent des Umsatzes am stationären Handel – und die Läden waren die letzten zwei Monate komplett geschlossen – und das weltweit. Diese zwei Monate haben dafür gesorgt, dass 80 Prozent der europäischen Modeunternehmen in schwere finanzielle Not geraten sind, Existenzängste werden auf einmal zur Realität für viele Designer*innen, Verkäufer*innen, PR-Manager*innen, Einkäufer*innen, Schneider*innen, die Liste könnte noch ewig weitergehen. Auch in unserem Umfeld sind Kündigungen mittlerweile Alltag, Kurzarbeit ganz normal und Arbeitslosengeld der neue Gründerzuschuss – jedenfalls gefühlt!

„Die Krise wirkt sich auf unser tägliches Leben aus und flößt vielen Menschen Angst ein. Das Klima ist infolge der hohen Arbeitslosigkeit und der Einschränkungen im Alltag alles andere als konsumfreundlich.“

Achim Berg

Jetzt haben die Läden wieder auf. Wird jetzt wieder alles so wie vorher? Machen wir uns vielleicht einfach zu viele Gedanken? Nein, auf gar keinen Fall! Denn auch wenn der Einzelhandel in Deutschland (!) wieder aufhat, bei 80 Prozent der Konsument*innen hat sich die finanzielle Situation stark verändert, 38 Prozent wollen in der Zukunft weniger Geld ausgeben. Mode ist ein Luxusgut. Theoretisch bräuchten wir einen dicken Pullover, eine Jeans, ein Paar Turnschuhe – alles andere ist überflüssig, luxuriös, ja sogar dekadent. Kein Wunder, dass man hier am schnellsten einspart. Toilettenpapier-Hamsterkäufe? Kann man ja vielleicht noch irgendwo verstehen... Chanel-Hamsterkäufe? Gab es nirgendwo!

„Die Krise wirkt sich auf unser tägliches Leben aus und flößt vielen Menschen Angst ein. Das Klima ist infolge der hohen Arbeitslosigkeit und der Einschränkungen im Alltag alles andere als konsumfreundlich“, sagt Achim Berg, Experte für die Mode- und Luxusindustrie bei McKinsey. Außerdem sind unsere Kleiderschränke mehr als voll – und wo sollten wir die Kleidung gerade tragen? Abendkleid auf der Couch? High Heels beim täglichen Spaziergang? Die neue Celine-Sonnenbrille beschlägt mit Gesichtsmaske eh ständig ... Das hat Folgen: 21 Prozent der Befragten in Deutschland, Spanien, Großbritannien gaben an, dass sie selbst nach der Wiedereröffnung der Läden weniger Kleidung kaufen wollen. Das Ergebnis sehen wir: Die Läden sind geöffnet, aber leer. Wir alle überlegen uns fünfmal, ob wir das 20. Paar Schuhe wirklich benötigen. Denn die Antwort tut weh, ist aber nur gut für uns, unser Kaufverhalten und die Umwelt: Nein, wir brauchen es natürlich nicht!

„Die Corona-Krise hat die Konsolidierungswellen in der Modeindustrie extrem beschleunigt.“

Achim Berg

So schön und nachhaltig dieser Gedanke auch ist, der Modebranche hilft er ganz und gar nicht. „Die Corona-Krise hat die Konsolidierungswellen in der Modeindustrie extrem beschleunigt“, so Berg. Die Einnahmen der globalen Unternehmen könnten 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 27 bis 30 Prozent schrumpfen. Für die Branche der Luxusgüter wird ein weltweiter Umsatzrückgang von 35 bis 39 Prozent erwartet. Gleichzeitig soll der Markt sich 2021 aber um bis zu vier Prozent in beiden Segmenten wachsen.

Was erwartet uns also in der Zukunft?

„Sobald sich der Staub der unmittelbaren Krise gelegt hat, wird die Mode mit einem rezessiven Markt und einer Industrielandschaft konfrontiert sein, die sich noch immer einem dramatischen Wandel befindet. Dies wird eine noch nie dagewesene Zusammenarbeit innerhalb der Branche erfordern – sogar zwischen konkurrierenden Organisationen. Kein Unternehmen wird die Pandemie alleine überstehen, und die Akteure der Modebranche müssen Daten, Strategien und Erkenntnisse darüber austauschen, wie sie den Sturm bewältigen können“, so Amed.

Und genau das wollen wir mit unserer Themenwoche starten, indem wir den Austausch fördern und nicht nur die Branchen-Insider, sondern auch die Konsument*innen darüber aufklären, was ihre Entscheidungen beeinflussen (können).

Eine wachsende Antipathie gegenüber unnachhaltigen Unternehmen entsteht gerade – und die kann man dafür nutzen, die Wertschöpfungsketten der Industrie neu zu gestalten.

In dieser Woche werden wir über all das sprechen. Über Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Discount, Unternehmensinnovationen, Stock Handel, Produktionsketten, Kauflust, die Folgen der Globalisierung, Tourismus-Kundschaft, Store Designs und neue modische Accessoires wie die Gesichtsmaske. Folgt uns auf Social Media (aka Instagram und Facebook), um auf dem Laufenden zu bleiben und keinen Artikel zu verpassen!

Los geht's!

Die Studien basieren auf dem State of Fashion 2020 Corona Update von McKinsey und BoF.

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